Mittwoch, 22. Mai 2013

Konzerte: THE QUEERS | 19.05.2013 | Privatshow, Oberhausen

Ich hab echt überlegt ob ich im Rahmen von Minus Rockcity Meppen über THE QUEERS schreiben soll. Man kann ja fast davon ausgehen, dass die hier vom jungen Gemüse eh kaum einer kennt, da der musikalische Horizont in Punkrockfragen bei vielen Emsländern heutzutage ja leider allzuoft bei mittelmäßigem Melodycore aufzuhören scheint (Oha, diese Aussage wird womöglich wieder böse Anfeindungen nach sich ziehen, but we don't care, hehe... - Anm. d. Red.)... Andererseits hatten THE QUEERS mit ihrem Sound einen nicht unerheblichen Einfluss auf die nicht eben unerfolgreiche emsländische Endneunziger-Punkrockszene - und im Grunde genommen ist das hier natürlich auch eine Geschichte darüber, wie Musik verbinden kann und sogar Jugendträume in Erfüllung gehen lässt, wenn man nur lange genug am Ball bleibt, Kontakte pflegt und sich das Feuer über die Jahre bewahrt...

Boah, was ein pathetischer Scheiß da am Ende des letzten Absatzes. Also mal eben schnell den Schmalz aufwischen und die Fakten darlegen: THE QUEERS sind eine Band die es schon ewig gibt (gegründet Anfang der 80er), die mit ihren ersten ruppigen HC/Punksongs schon auf einem der semi-legendären "Killed By Death" Sampler (auf #3, um genau zu sein) vertreten war und später mit Alben wie "Don't Back Down" die Blaupause für klassischen Poppunk schufen. Also nicht diesen Schrott den man heutzutage unter dem Label Poppunk verkauft, sondern die zuckersüße Mischung aus bratzenden RAMONES-Gitarren, BEACH BOYS-Harmonien und einem dicken Batzen Bubblegum/Powerpop-Eingängigkeit. Damit lieferten sie auch die direkte Soundvorlage für die aufkommende Spätneunziger-Poppunkwelle, wo in Deutschland neben Solingen relativ bald - man mag es kaum glauben - das Emsland auf der Musiklandkarte relevant wurde. Emsländische Kapellen wie die BACKWOOD CREATURES, FAVORATS oder BATTLEDYKES adaptierten den Sound und drückten ihren eigenen Stempel drauf. Und wurden dabei teilweise so gut, dass auch diverse Platten, Touren und weitere Eskapaden folgten. Aber das hab ich hier ja schon anderswo breitgetreten, Kenner wissen Bescheid...

Schildermania auf dem Weg zur Show: Eindeutige Schilder in Bawinkel! Der Typ bei dem das auf der Hofeinfahrt hängt hat früher übrigens selber fleißig geklaut - mit seiner Band bei den QUEERS! ;)
Ich war damals jedenfalls mittendrin und gehörte ebenfalls zu den kultischen Verehrern der QUEERS, SCREECHING WEASEL oder auch GROOVIE GHOULIES. Das interessante an allen genannten Bands ist übrigens, dass jede Combo so etwas wie ein Mastermind hatte: Bei SCREECHING WEASEL war das Ben Weasel, bei den GROOVIE GHOULIES war das Kepi und bei den QUEERS eben Joe Queer. Jeder für sich ein Original, wobei Joe Queer in etwa so die menschliche Variante der "Grumpy Cat" ist, der wirkt immer etwas knötterig und im Gegensatz zu anderen (z. B. Kepi) kam und kommt man mit dem auch nach Konzerten kaum ins Gespräch. Was aber auch daran liegen mag, dass der Mann ziemlicher Profi ist und es ihm in erste Linie darum geht eine funktionierende Show zu spielen. An Aftershowparty hat der alleine schon kein Interesse weil er trockener Alki ist, da wussten die BACKWOOD CREATURES schon Geschichten von zu erzählen, nachdem sie im Kölner Underground vor Jahren den ersten Supportgig für die QUEERS gespielt hatten. Da hat Joe Q. seiner Backingband nach dem Auftritt offiziell Ausgang erteilt, damit die mit den Emsländern saufen durften, hehe... Trotzdem kann nicht jeder singen "I knew GG when he was a wimp!" Joe Queer kann das!

Nach einem ziemlich heftigen Aufflammen ging es mit Poppunk in der weltweiten Beliebtheit Anfang der 2000er jedenfalls ziemlich bergab. Irgendwo auch verständlich, da der Sound nun mal von Natur aus ziemlich simpel und Dreiakkord-basiert ist und wirklich zu viele Bands die Szene überschwemmten, die einfach nur Mittelmaß boten. Aber seine Lieblinge bewahrt man sich natürlich und so pilgerten wir eigentlich jedes Jahr zu den Konzerten, wenn THE QUEERS oder andere Konsorten mal wieder im Lande waren. Insbesondere bei den QUEERS war das aber nun schon eine ganze Weile her, ich komme da irgendwie auf 7 Jahre Abstinenz vom europäischen Kontinent. Im letzten Jahr wurde eine Europatour kurzfristig gecancelt, die Enttäuschung war groß. In diesem Jahr standen dann aber ein paar Daten an, allerdings nicht mal eine Handvoll Deutschlandgigs und dann auch noch als Festivalslot beim "Ruhrpott Rodeo" ... ich muss mal sagen: Festivals mögen ganz brauchbar sein wenn man auf Saufen, anonymen Zeltsex und anderen unwichtigen Kram steht. Wenn man aber ernsthaft Bock auf Musik hat sind Festivals in 90% der Fälle scheiße: Zu kurze Sets, zu große Bühnen, Auftritt bei Tageslicht, um einen rum hunderte Vollhonks die keine Ahnung von Musik haben - ehrlich, ich hasse Festivals! Die meisten jedenfalls!

Schildermania part II: Auch auf Nimrodland gibt's klare Ansagen!
Die Vorzeichen sahen also gar nicht so rosig aus. Aber wenn ich geschrieben hab: "... seine Lieblinge bewahrt man sich natürlich", dann gilt das natürlich nicht nur für Emsländer. Insbesondere in Oberhausen gibt es eine Kolonie beinharter Poppunk-Fanatiker, die dem Sound über Jahre die Stange gehalten haben, bzw. das Ganze auch selbst mit Bands wie den NIMRODS, THE BREWERS oder THE RICHIES fabrizier(t)en. Mit einigen von den Leuten hab ich aufgrund ähnlich gelagerter Musikverstrahlung seit Jahren mehr oder weniger viel zu tun. Unter anderem kannte ich auch die Geschichten vom sagenumwobenen "Nimrodland", einem mysteriösen Grundstück im Stile von "Graceland", wo aber nicht (nur) Elvis gehuldigt wird, sondern vor allen Dingen auch dem Punkrock! Hier hatte Kepi von den GROOVIE GHOULIES schon Privatshows gespielt und so ein paar mal im Jahr wird hier generell immer gerne mal ein Fass aufgemacht und nackte Punker fliegen besoffen von Rodeo-Bullen und allsowas... Ich selbst war aber noch nie dort, ehrenwerte geschlossene Gesellschaft, tja...

Nun denn, das "Ruhrpott Rodeo" hatten meine Dame (ebenfalls QUEERS-addicted) und ich schon gecancelt, als plötzlich Donnerstags mein Handy rappelte. Oberhausen am Apparat: "Ey, die QUEERS spielen auf dem Ruhrpottrodeo und haben gefragt ob wir für die noch eine Show im Ruhrpott klar machen können. Läuft wahrscheinlich auf eine Privatshow auf Nimrodland am Sonntag raus. Kommt rum!"

Okay, nachdem ich jetzt absätzeweise geschrieben hab, warum THE QUEERS so toll sind, kann man sich vielleicht vorstellen, dass mir in dem Moment vor Freude fast ein Ei aus der Hose gefallen ist! THE QUEERS auf einer Privatshow, eingepfercht mit 40-50 Bekloppten, die ähnlich geisteskrank steil auf die Band gehen wie ich! Hammer! So eine Chance gibt's nie wieder! Die Showbestätigung kam kurz danach und wir hatten dann recht schnell eine Emslandkarre voll, u. a. mit der halben Besetzung der ehemaligen FAVORATS. Eigentlich war auch noch eine zweite Reisegruppe geplant, die der einzigartigen Chance aber dann wohl lieber freundlich zuwinkte, als sie langsam vorüberzog... Bedauerlich!

Wir wären dann auch noch fast zu spät gekommen, weil man ja jetzt im Alter für Nachwuchs ist (ich bin da zum Glück noch nicht mit gesegnet) und es diverse Probleme gab so einige Nachkömmlinge ruhig zu stellen und ins Bett zu verfrachten. Ich saß also wie auf heißen Kohlen als es dauerte und dauerte, aber glücklicherweise konnte der Rockahulababykiller früher nicht nur gut bei den FAVORATS Bass spielen sondern heute auch noch ziemlich auf die Tube drücken, wenn's nötig ist. Wir schlugen also pünktlich im Nimrodland auf (wo übrigens Schützenfest zu sein schien), wurden von den Einheimischen freundlichst begrüßt, bekamen noch den Pool ("Ihr könnt gerne reinspringen, der hat momentan aber nur 12°C...") und die Tiki-Bar gezeigt, als auch schon Krach aus der Garage kam und THE QUEERS leibhaftig loslegten.


Tja, was soll ich sagen... Da steh ich da, Joe Queer - Held meiner Jugend - direkt vor mir, in Spuckdistanz in einer Oberhausener Garage, flankiert von allerlei Gartengeräten und haut einen Hit nach dem anderen raus! Aussehen tat der immer noch wie vor 15 Jahren, als ich ihn das erste Mal mit THE QUEERS live gesehen hab. Unglaublich! Mittlerweile müsste der so Mitte 50 sein, ich glaube zwischen den Touren lässt der sich einfach in Karbonit einfrieren, oder so. Auch andere gestandene Männer Mitte 30 standen in dieser Garage und freuten sich wie Zwölfjährige. Da sage noch einer Punkrock würde nicht jung halten... Aber es waren auch jüngere Leute da, gelegentlich wurde nämlich auch irritierter Nachwuchs vor die Bühne geschubst, der nicht älter als 10 Lenze war. Generationenübergreifendes Durcheinander! THE QUEERS brannten derweil ein Hitfeuerwerk ohne Ende ab. Vor jedem Song nuschelte Herr Queer meist sowas wie "Well, what song we wanna play? Oh, we haven't played that one for yeeeeeaaaaars ... or wait, we never play that one live ... well, let's try it!" ins Mikro und dann wurde einfach wieder einer rausgewuppt. Total roh und punkig, aber teilweise echt die Kracher die man seit Jahren nicht mehr von der Band auf der Bühne gehört hat. Nach meinem Empfinden die komplette "Grow Up" LP, dazu dann noch ein paar der Oberschnulzen vom "Don't back down" Album ("Tonite we play our gay set, just for you!") und jede Menge anderer Kracher.


Bei THE QUEERS ist es natürlich so, dass Joe Queer quasi THE QUEERS ist. Er wechselt immer nur seine Mitmusikanten. In dem Fall war Dangerous Dave (THE BUGS bzw. früher bei JON COUGAR CONCENTRATION CAMP) am Bass und ein mir unbekannter Schlagzeuger, der auch noch relativ jung war und mit dem die Band diese Klassiker definitiv nicht geprobt hatte. Er machte also diverse Male große Augen und dicke Backen und das ein oder andere Fragezeichen stand im Raum, aber da wurden dann einfach kurze Befehle wie "Just drum it like that other song, only faster..." gegeben, oder generell Ansagen wie "Too fast" oder "Too slow" und dann hat der Junge sich da einfach einen zurechtgetrommelt. Höchstamüsant! Ohnehin gehörten Bühnen-Nettigkeiten wie "faggot", "stupid cunt" etc. natürlich zum guten Ton und Joe Q. betonte auch noch mal was er vom nachmittäglichen Auftritt beim Ruhrpott Rodeo hielt, nämlich nicht viel, hehe... "The kids just don't get it when we're playin' and there is nothing gayer than German Psychobilly hairdos..."


Irgendwie hielt die Band auch gar nicht an. In der Zugabe schien Joe nach jedem Song direkt ein neues Lied einzufallen was man ja noch spielen könnte. Und das wurde dann auch direkt angespielt und durchgeprügelt, inklusive der schon erwähnten Minimalanweisungen an den Drummer. Ich glaube insgesamt haben THE QUEERS über anderthalb Stunden gespielt (wo bei einer durchschnittlichen Songlänge von knapp unter 2 Minuten eine ganze Menge Lieder zusammenkamen) und tatsächlich erst aufgehört, als Joe Queer kein Lied mehr einfiel. Grandios! Okay, "This place sucks" haben sie nicht gespielt, aber auch nur, weil der Song zwar geil ist, dem Anlass entsprechend aber nicht würdig für Nimrodland gewesen wäre. Denn die QUEERS fühlten sich hier sichtlich wohl. Die gesamte Garage war voller geplätteter Leute und einigen hätte man das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht schlagen können, mir inklusive. Und nachher laufen die Helden deiner Jugend da noch rum, du kannst mit denen quatschen etc... Das sind wirklich die Abende die das Leben lebenswert machen, ganz ehrlich!


Ansonsten gibt's auch gar nicht mehr viel zu erzählen. Hammerkonzert, Hammerabend, Punkt, Aus! Manchmal ist es so einfach. Wie's aussieht hab ich an dem Abend aber noch eine Band für meine verspätete Hochzeitsfeier klar gemacht und das ist geil, auch wenn's nicht THE QUEERS sind... Eine mehr oder weniger ernstzunehmende FAVORATS-Reunion wurde auch noch angeschnitten, mal gucken was man da erwarten darf (ich schätze Mord- und Totschlag im Proberaum, wenn sich tatsächlich mal wieder alle treffen sollten)... Und unsere Planungen auf dem Rückweg ins Emsland noch eben beim schon erwähnten Schützenfest König zu schießen klappten irgendwie auch nicht. Nicht mal 'ne Currywurst haben wir bekommen, Schweinerei! Aber egal, fuck the world, THE QUEERS waren da und haben alles weggerockt. Nimrodland, we'll be back!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Konzerte: PERDITION, THE AFFECTED, TMH | 11.05.2013 | JuZ "Jam", Meppen

Letzten Samstag Bartalarm mit den Texanern von PERDITION im Jugendzentrum! Sehr geile Sache, aber ich will nicht vorgreifen, da in den Tagen davor auch noch andere Sachen anlagen. Am 03.05. spielten z. B. KNALLFROSCH ELEKTRO im JuZ ... dooferweise hatte ich da eigentlich keine Zeit, befand mich gegen 22 Uhr aber doch in der JuZ-Nachbarschaft um kurz für 2-3 Songs und 'n Bier reinzugucken. Was soll ich sagen: Sackstarke Band! Volle Rock-Besetzung plus ein Sample-/Elektrosoundmensch und zwei Sänger, Shouter, MCs oder wieauchimmer man das heutzutage auf neudeutsch nennt... Ein Video hab ich noch gemacht, das sehr ihr hier:


Leider war die Zuschauerresonanz mehr als bescheiden. Die Band hätte definitiv eine größere Menge Leute verdient gehabt. Die Nasen die da waren haben aber das Beste draus gemacht und hart gefeiert. Keine Ahnung woran's lag - okay, die Werbung war nach meinem Empfinden vorher z. B. relativ dürftig. Soweit ich weiß gab's weder Flyer noch Plakate und alles sollte über Facebook/Web laufen. Ist in diesem Fall dann wohl offensichtlich stark nach hinten losgegangen, schade...

Am Donnerstag, den 09.05., flitzte dann noch eine kleine Reisegruppe zu LOVE A nach Osna in die "Kleine Freiheit". Na ja, eigentlich spielten da auch noch HERRENMAGAZIN, von denen ich aber nur ein oder zwei Songs gesehen hab, um den Rest draußen zu verlabern ... haha, kommt vor - hatte auch keinen Eintritt bezahlt, von daher... LOVE A finde ich natürlich nach wie vor super, deren Sänger JörKK war auch Grund des Festlaberns draußen, da hat er Lollis verschenkt und Mammuthaar- oder Büffelgraswodka oder sowas ausgegeben, ich weiß es nicht mehr.

Interessant war auch, dass der Sänger von KOETER als Merchmann mit war und wir noch die Anekdote des schrecklichsten Konzerts ausgraben konnten, das er je mit seiner vorherigen Band gegeben hat. NEIN NEIN NEIN waren das und das Konzert war mit VOM SEGELN und einer ganz schlimmen Deutschpunkschülercombo im JuZ in Papenburg. Ich war als Zuschauer da, er stand auf der Bühne - Kurzfassung: Der VOM SEGELN Sänger packte während seines Auftritts seinen Pillermann aus und rieb den an den Köpfen der vorne auf dem Bühnenrand sitzenden Oettinger-Ranzpunks. Vorausgegangen waren natürlich diverse Provokationen und blöde Sprüche, aber die Aktion trug natürlich nicht unbedingt zur Deeskalation bei, hehe... Die Stimmung war also dementsprechend geladen, was dann in diversen Facepalm-Situationen und Beinahe-Kloppereien auf der Bühne bei NEIN NEIN NEIN endete. Haha, goldene Zeiten! Ich hatte da damals auch einen Konzertbericht zu geschrieben, befürchte aber, dass der im Zuge meines PC-Supergaus in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist. Na ja, sei's drum... Wenn ich den noch mal finde wird der nachgereicht...

Am nächsten Tag gab's für wenige Eingeweihte in den eigenen vier Wänden dann noch den lange geplanten "Hintenhoch-Abend" - neben medizinisch hochwertigem Kräuterschnapps gab's da u. a. diverse DVD-Ausflügen in die Musikhistorie. Immer wieder gerne genommen bei solchen Anlässen: RAMONES live 1978 bei Radio Bremen, die OiRO-Kneipentour (ein unterhaltsames Musterbeispiel langsamer Eskalation) und "Hated" von und mit GG Allin (wollte ich eigentlich als Rausschmeißer benutzen, irgendwie sind die meisten aber doch sitzen geblieben, nur einer hat versucht über den Balkon zu türmen). Irgendwas haben wir noch geguckt, keine Ahnung was, ab ca. 0 Uhr setzt alles ein wenig aus. THE CRAMPS live im Irrenhaus fehlte eigentlich noch, aber nu ... nächstes Mal! Tja, schee war's, am nächsten Tag war ich wie von Zauberhand von allen vorherigen körperlichen Leiden und Mälessen befreit und fit wie 'n Turnschuh. Nur nachts noch in den Palast zu fahren hätte ich mir sparen können. Erstens weiß ich da kaum noch was von, zweitens soll mein erster Satz gewesen sein: "Woll'n wir wieder abhauen?"


Samstag abend dann endlich: Beardcore-Time mit PERDITION! Das Flyermotiv dazu hatte ich gezaubert, was die Band auch ganz knorke fand, ist ja immer schön sowas zu hören. Nur gab's auch in diesem Fall wieder keine gedruckten Flyer und nur eine Handvoll selbstgedruckter A3-Plakate. Bedauerlich! Und auch hier waren weniger Leute als man wohl hätte erreichen können, wenn die Werbung auf allen Kanälen gestimmt hätte. Aber na ja, das JuZ war ganz passabel gefüllt, an diesem Abend also nicht soooo schlimm. Freundliche Leute übrigens, auch 'ne ganze Handvoll Auswärtiger, die mich immer ganz freundlich auf dem Herrenklo grüßten, keine Ahnung wie ich das zu deuten hab...

Erste Band waren die Blutackerboys von TMH, die irgendwie voll unter Strom standen, oder dem Einfluss von Sahnegas. Auf jeden Fall hüpften die wild auf der Bühne rum, verloren andauernd ihre Gitarrengurte und fabrizierten sogar einen Kabelbruch. Wunderschön anzusehen, hier der Beweis:


Danach dann THE AFFECTED aus Ibbenbüren, die ja auch ein kleines Meppen-Abo haben. Waren glaube ich zum dritten Mal da, das erste Mal war vor ziemlich genau einem Jahr, als ich die geholt hatte. Damals geschahen noch diverse Russisch-Koks-Exzesse im Rockpalast, woraufhin diesmal großspurig angekündigt wurde, dass die ganze Blase bei mir pennen soll um nach dem Konzert noch ordentlich zaubern zu können. Tja, letztendlich sagten dann aber alle: "Mimimi, wir wollen doch lieber nach Hause, mimi..." Nun denn, die ganze Bude zuhause klebte sowieso noch vom verschütteten Hintenhoch vom Vorabend, passte also ganz gut, sonst hätte ich die Schmarotzer da am Sonntag eh nicht vom Boden kratzen können, hehe...

Da THE AFFECTED in Meppen alte Bekannte sind, kam der schmissige Ibbtown-Punkrock wie immer gut an. Zu erwähnen wäre, dass alle drei Bandmitglieder schon den ganzen Abend auf Krawall gebürstet waren und sich ständig gegenseitig kabbelten, was letztendlich auf der Bühne darin endete, dass Bassist Dennis dem Drummer Phil während des Auftritts "aus Versehen" in den Mund spuckte. Ach herrlich, das sind doch die herzerwärmenden Dinge, die ich auf einer Bühne sehen will. Hier im Video eingefangen, ca. bei Minute 1:55!


Den krönenden Abschluss des Abends bereiteten dann schließlich PERDITION aus Fort Worth/Texas am letzten Tag ihrer Europatournee! Was soll ich sagen: Die Bandfotos waren nicht gephotoshopped, die hatten wirklich so lange Bärte! Speziell was der Frontmann und der Drummer da im Gesicht trugen war schon aller Ehren wert! Entgegen aller Vermutungen waren sie aber weder Amisch noch Taliban, ich glaube die finden das einfach nur so cool. Ich hatte für den Abend extra drei Wochen Gesichtsbehaarung stehen lassen, aber nee, da konnte ich nicht mithalten! Und der zweite Gitarrist hatte auch noch wunderschöne Korkenzieherlocken, herrlich, man konnte glatt neidisch werden. Rein optisch also: Texas - Meppen 1:0!

Ansonsten glänzten PERDITION auch mit Songtiteln wie "I don't get drunk, I get awesome" und dem witzigen Video zu "Gatorade Punch". Musikalisch limitierten die sich aber glücklicherweise nicht auf eindimensionalen Funpunk - das war eine wirklich starke Mischung aus knackigem Punkrock, durchaus poppig und eingängig, aber auch gern mit folkigen Elementen wie bekannt von HOT WATER MUSIC und allen entsprechenden Epigonen. Dazu dann noch wirklich guter kraftvoller Gesang und - ich wage es mal zu behaupten - einer kleinen Vorliebe für 80ies-Metal/Hardrock, die immer mal wieder in ein paar harmonisierten Gitarrenlinien anklang. Wirklich prima! Und wenn eine Amiband auf die Bühne kommt - man muss es ja fast sagen - hebt sich das Level der Professionalität immer noch mal ein Stück. Auf den Punkt aufeinander eingespielt hauten die Texaner da also eine Show raus die sich gewaschen hatte! Bestens!


Da anschließend noch etwas Luft war, fläzten wir noch ein bisschen im JuZ rum und wurden Zeuge einer ungeahnten Solo-Einlage eines TMH-Mitglieds - muss man gesehen haben, es brachen beinahe alle Dämme, haha! Da konnte ich auch mit einem Nasenflötensolo nicht gegen anstinken... Dann aber schnell rüber in den Palast, wobei mir einfällt, dass ich noch gar nicht auf die Bierpreiserhöhung in dem Schuppen eingegangen bin. Erübrigte sich an diesem Abend aber ohnehin, weil ich direkt mit brennendem Schnapps ins Rennen ging, oh man... Da kann ja nix vernünftiges bei rauskommen...

Nach kurzer Zeit trafen auch die Texaner ein, die eigentlich nachts noch zum Flughafen wollten, aber offensichtlich Bock auf Druckbetankung hatten. Nebenbei bemerkt alles sehr nette Typen, von denen jeder auf die Frage, wer denn die arme Sau wäre, die nachts noch den Fahrer zum Flughafen machen müsste, antwortete: "I dunno, I'm not the driver! Cheers!" Sprach's und nippte an einem hochprozentigen Getränk seiner Wahl... Like a boss! Und wie immer wenn Amis in der Stadt sind und Meppener die ersten 10-12 Bier aufhaben, kam es natürlich noch zu den üblichen amüsanten Szenen: Englischrodeo galore, Absinthwetten, Bartabkaufanfragen und und und...

In der Stadt waren nachher übrigens auch viele verschiedene Mitglieder diverser lokaler Bands unterwegs, die auch auf dem "Rock unter Linden" spielen werden. Da ich mal wieder investigativ unterwegs war, wurde mir gesteckt, dass eine Band auf dem Festival eine Aktion plant, für die (O-Ton) "alle Bands und alle Besucher uns hassen werden!" Na da bin ich ja mal gespannt ...  aber jetzt kommt's: Wie ich bei genauerer Prüfung meines Terminkalenders feststellen musste, werde ich wahrscheinlich gar nicht beim RuL auflaufen können!!! Oder erst so spät, wenn gar keine Band mehr spielt!!! So ein Scheiß! Dementsprechend angepisst pegelte ich mich dann im Palast unsinnigerweise noch mehr zu als ohnehin schon. Keine Ahnung was noch war, nur dass ich zu Fuss nach Hause getrieselt bin und es auch noch geregnet hat... Kacke, aber im Moment klebt mir das Pech auch in fast allen Lebensbereichen an den Hacken, wie verhext isses...

Na ja, bis demnächst in diesem Theater. Bitte RuL-Skandale für mich mitschneiden, bin dann anderweitig verhindert... :(

Donnerstag, 25. April 2013

Reviews: LOVE A, TURBOSTAAT, AFFENMESSERKAMPF

Sehr schlau von mir Reviews erst zu schreiben, wenn die Platten schon erschienen sind, von denen man die Promos hier schon seit Wochen rumfliegen hat. Eigentlich wären die folgenden Scheiben auch was für mein Fanzine gewesen, aber da ist leider in den letzten Wochen einiges gegen die Wand gefahren - und bevor hier alles untergeht vor lauter Neu- und Umstrukturierungen, bin ich einfach mal so frei über diesen Kanal meinen Senf dazu abzugeben. Weil es sich ja - nebenbei bemerkt - auch sämtlich um deutschsprachige Veröffentlichungen handelt ... und wenn die dämliche Intro neuerdings schon ein bekacktes "Deutschpunk-Special" macht, kann ich das schon lange, ha:

LOVE A - Irgendwie
LP, CD, digital | Rookie Records/Cargo | 13 Songs - 38:14 Minuten
Vorweg gesagt: Dieses Album läuft bei mir seit einiger Zeit ziemlich auf Dauerrotation. LOVE A Sänger JörKK kenne ich noch als geschätzten Kollegen vom Ox Fanzine und ich erinnere mich auch noch an seine alte Band ULTRAFAIR. Die hatten glaub ich damals das Vintage-Schlagzeug von ihrem Onkel Heinz für ihre Studioaufnahmen verschachert ... oder so ... ich denke mal solche Opfer werden LOVE A heute nicht mehr bringen müssen, denn die katapultieren sich mit "Irgendwie" locker ganz nach vorne in die deutsche Indie-/Postpunk-Liga! Nun muss ich für meinen Teil allerdings sagen, dass ich mich in den letzten Jahren eher wenig mit "Punk mit deutschen Texten" beschäftigt habe (dazu kann man LOVE A im weitesten Sinne noch zählen, finde ich), außer in regelmäßigen Abständen vor meinem EA80/DUESENJAEGER-Schrein zu beten. Daher hab ich das LOVE A Debüt "Eigentlich" auch irgendwie verpasst, ähem ... aber vielleicht liegt's genau daran, dass mir die neue Scheibe "Irgendwie" jetzt wie ein frischer Wind um die Ohren weht! Wunderbar! Zwar hab ich das böse Wort "Punk" da oben schon benutzt, aber im Grunde gehen LOVE A oft ziemlich "unpunkig" zu Werke. Wo andere Bands den Songzenit oft in einer Saitenschredderorgie suchen, spielt die Gitarre hier stattdessen eine ausgeklügelte Melodie. Also doch Pop? Warum nicht! Man verstehe mich nichts falsch, ich hab nichts gegen schreddern, aber wenn eine Band so gekonnt unverzerrte Melodien einsetzt und bei perfektem Arrangement trotzdem den funktionierenden Song nicht vergisst, finde ich das super. LOVE A machen das auf "Irgendwie" nahezu in Perfektion! Punk im Herzen, (Indie-)Eingängigkeit im Sound und natürlich darf auch die NDW-Referenz nicht fehlen - auch wenn LOVE A nicht so Berlin sind wie damals IDEAL und nicht ganz so genial minimalistisch wie die frühen TRIO. Auch textlich bietet die Platte höchstes Niveau: Smart, selbstironisch und humorvoll wird z. B. in "Der tausendste Affe" die deutschsprachige Popkultur der letzten 30-40 Jahre zerlegt. Daneben gibt's noch einiges mehr zu entdecken, denn wo andere Bands sich hilflos einen an der (Gossen-)Lyrik abbrechen, scheinen LOVE A sich das mal eben locker aus dem Handgelenk zu schütteln. Und die Textzeile "Du hast keine Ahnung, wofür mein Herz schlägt! Du hast keine Ahnung, wer ich bin!" könnte in diesem Jahr das Wasser auf die (Wind-)Mühlen der konformen/nonkonformen Indie-Hipsterjugend werden und zum 2013er-Tanzflächen-Shoutout mutieren. Aber das Ganze kommt halt nicht blöd rüber und wirkt nicht aufgesetzt. Emotional ja, aber nicht zum Selbstzweck. Viel mitgemacht, heart on the sleeve, man kann ja mal drüber reden ... oder singen! Es kann heutzutage nicht jede deutsche Band von sich behaupten, Texte zu haben, mit denen sich die Leute vom Teenie bis zum saturierten Ü30-Quitter identifizieren können. (Wobei ich hier natürlich nicht von DTH-Bierzeltpunk oder - noch schlimmer - Dumpfmuffenrock wie B.O./FR.WLD rede, hehe...) LOVE A könnte eine werden. Ich find's super! Eine der besten Platten im ersten Halbjahr 2013 bisher!


TURBOSTAAT - Stadt der Angst
LP, CD, digital | Clouds Hill/Rough Trade | 12 Songs - 42:49 Minuten
Ist ja irgendwie blöd, Platten miteinander zu vergleichen, aber die neue TURBOSTAAT kam bei mir zeitgleich mit der oben besprochenen LOVE A Scheibe an. Und da die LOVE A für mich direkt ein ziemlicher Gewinner war und ich die rauf und runter gehört habe, hab ich die neue TURBOSTAAT wohl etwas stiefmütterlich behandelt. Was aber keinesfalls heißen soll, dass die neue Platte der Flensburger schlecht ist! Mitnichten! Man bekommt die gewohnte TURBOSTAAT-Qualität - aber irgendwie ist die neue Platte auch anders. Liegt's daran, dass von den vielen maritimen Anspielungen auf "Stadt der Angst" wenig geblieben ist? Ich find's ganz gut, denn vielen Epigonenbands fiel ja offensichtlicht kaum mehr etwas anderes ein, als diese ganze Schiffs-/Seefahrer-Metaphorik von TURBOSTAAT zu klauen... So ein kantiger Startsong wie "Eine Stadt gibt auf" walzt auch erst mal düster alle romantischen Gefühle nieder - während die Band einen im weiteren Albumverlauf dann auch wieder auf altbewährte Weise an die Hand nimmt und das gute alte "TURBOSTAAT-Feeling" wieder entfacht. Insofern kann man das Ganze vielleicht mit der Situation vergleichen, wenn man einen alten Bekannten wiedertrifft. Eine Zeit lang nicht gesehen, erstmal zusammensetzen und erzählen, ein paar neue Sachen erlebt, erstmal drüber reden, es war halt nicht alles rosarot ... aber im Grunde ist er immer noch der gleiche liebenswerte Kauz wie vor einem Jahr, als du ihn das letzte Mal besoffen beim Meppener "Rock unter Linden" Festival gesehen hast... Und da standen TURBOSTAAT ja auch auf den Brettern. Vielleicht nicht ihre beste Platte, aber klar, immer noch 1. Liga, falsch machen kann man damit definitiv nichts.

AFFENMESSERKAMPF - Doch
LP + Download | Narshardaa Records | 12 Songs - 21:05 Minuten
Okay, an AFFENMESSERKAMPF geht natürlich als erstes mal der "Bester-Bandname-Award". Und mit "Doch" bringen die fünf Burschen auch gleich noch ein sackstarkes Album raus. Im Vergleich zu den hier ebenfalls besprochenen LOVE A und TURBOSTAAT liefern AFFENMESSERKAMPF definitiv die angepissteste Punk-Rotzigkeit in dieser Reviewsektion ab! Klar, bei (ex-?)TACKLEBERRY Mitgliedern darf man eine ordentliche Hardcorepunk-Kante erwarten, die hier gerne mal bedient wird (z. B. "Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen II + III"). Aber die Platte rockt auch ordentlich, wenn man's weiß kann man da durchaus raushören, dass Gitarrist Leif noch bei einer Band wie DIETER JACKSON spielt. Auch die schleswig-holsteinische Nähe zu TURBOSTAAT lässt sich irgendwie nicht verleugnen, kann aber auch sein, dass mich nur der Gesang da stark dran erinnert. Wie dem auch sei, AFFENMESSERKAMPF drehen alle diese musikalischen Zutaten ordentlich durch den Wolf, kochen ihr eigenes Süppchen daraus und garnieren das Ganze dann mit passenden Samples ("Nudelsalat") und sarkastischen Schlaumeier-Lyrics ("Du verdienst deinen Job | im Vodafone-Shop | und dein Job verdient dich!" oder "Nach dem Prinzip der Wiederaufforstung | könnte ich dir auch aufs Maul hauen | solange ich danach den Arzt bezahl'" oder "Ich muss nicht wissen was mir gefällt | solange ich weiß was ich verachte..." etc. pp.). Mit Songtiteln wie "Ich so,Typ: Romantischer Rebell" und "Oi! Spaziergang" kann ich mich natürlich auch von vorne bis hinten identifizieren, haha ... passt also wie Arsch auf Eimer.
Auch ansonsten sind die Jungs recht stilsicher, denn auch wenn ich das Plattencover etwas - ähm - "schlicht" finde, ist das Beiheft zur Platte als verschandeltes Rätselheft sehr cool aufgemacht und auch die Bandfotos (Achtung: Suchbild!) sprechen mich sehr an. Voll süße BOi!s im reifen Alter, echt! Außerdem haben die Sascha Hehn auf ihren Band-T-Shirts, damit kann man nur gewinnen (Anm. d. Red.: Es könnte sich bei näherer Betrachtung auch um Roland Kaiser handeln. Der verantwortliche Schmierfink wurde gefeuert!). Pick your king! Hatte ich erwähnt, dass die Scheibe recht flott ist? Kein Song knackt die 3-Minuten-Marke! Ich finde das sehr erfrischend, weniger ist ja manchmal mehr. Auch der Sound ist sehr gut, was ich jetzt noch mit unpunkigem Hintergrundwissen garnieren kann: Gemastert wurde die Platte nämlich von Henrik Jonsson in Schweden, der offensichtlich auch schon bei ROXETTE für den Sound verantwortlich war... Uijuijui, is datt noch Punk?!? Na ja, ich würde mal sagen AFFENMESSERKAMPF haben mehr Punk unter'm großen Zehnagel als halb Meppen im CD-Regal oder auf der Festplatte. Schließlich wurden die schon von einem erzürnten Frank Z. mit Kronkorken beworfen und haben verbotenerweise Rod G.'s Nobeltequila ausgesoffen. Deutschpunk-Connaisseure wissen jetzt natürlich um wen es sich handelt, der Rest hört bitte weiter BROILERS oder solchen Quatsch, haha... Die Erstauflage der Platte kam übrigens auch in schickem schwarz-weiß gesplattertem Vinyl, das zeig ich hier noch mal zum Angeben, weil ich ja sonst nix zu lachen hab. Was AFFENMESSERKAMPF betrifft: Geile Band, geile Platte, Punk Alter!

AFFENMESSERKAMPF: Doch LP (Erstauflage, Teppich nicht im Lieferumfang enthalten!)

Dienstag, 23. April 2013

Konzerte: SMOKE OR FIRE, ASTPAI, TRAVELS & TRUNKS, PAVEMENT POETRY | 22.04.2013 | JuZ "Jam", Meppen

Im "Jam" in Meppen verbergen sich so einige Kuriositäten ... nicht nur, dass Stadtjugendpfleger Kalle für mich da mal vom rummeligen Dachboden ein paar abgefahrene Sampler-CDs vom Kaliber "Sparkasse Emsland präsentiert - Szene XXL" (oder so ähnlich) hervorgezaubert hat, mit Erstlingswerken von Lokalbands wie TWEE-STAR, TMH (Review folgt hoffentlich irgendwann) etc... Nein, jetzt ist mir da noch ein total mysteriöses Foto in die Finger geraten. Niemand konnte mir bisher Angaben dazu machen, niemand weiß woher es kommt, niemand weiß wer darauf zu sehen ist. Gefunden wurde es übrigens im Holzkasten neben dem Billardtisch... Insbesondere wäre zu klären:
  • Ist dieses Baby wirklich so riesig? Oder die Frau so klein? Oder hält uns nur die Perspektive zum Narren?
  • Was ist das für eine seltsame Mutantenhand hinter dem Kopf der Frau und zu wem gehört die? Cyborgs? Schweinezuchtangestellter der einen Trümmerbruch bei der Sauenbesamung erlitten hat?
  • Was hat es mit dem nicht ganz zu erkennenden TOTAL CHAOS Aufkleber im Hintergrund auf sich? Handelt es sich um babyfressende Punks?!? HC-Organmafia?

Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar! Bitte per Mail an minusrockcity (at) gmail.de

Fragen über Fragen also, zum Glück war der Sachverhalt am 22.04. klarer: Vier Bands - zwei aus Deutschland, eine aus Österreich, eine aus den USA. Alles so mehr oder weniger dieser "Gainesville-Sound", also wer möchte darf das Klischeebild vom melancholischen bärtigen Flanellhemdpunkrocker bemühen, der zu viele Bruce Springsteen Scheiben in der Plattensammlung hat, hehe... Ich mach mir jetzt also nicht mehr die Mühe bei jeder Band zwei Dutzend musikalische Referenzen anzuführen, ihr wisst wie der Hase läuft!

Bei alleine vier Bands war die Raumfüllung natürlich ganz okay, ein buntes Potpourri an Menschen, von älteren angegrauten Herren bis zu den üblichen Hoodie-Kids. Der SMOKE OR FIRE Merchandise-Mensch war an seinem Stand ganz vertieft in ein "Game Of Thrones" Buch, woraufhin John W. mich ebenfalls dazu überreden wollte mit der Buchserie anzufangen. Na ja, ich weiß ja nicht ... so wie der Mercher seine Stirn gerunzelt hat scheint das keine leichte Kost gewesen zu sein. Oder es hagelte Wendungen und Cliffhanger, er war nämlich auf den letzten Seiten des Buchs. Keine Ahnung ob mein Nervenkostüm sowas aushält. Außerdem hab ich auch so noch 100-200 ungelesene Bücher zuhause, da muss ich auch noch ran. Also wird's wohl erstmal nix mit "Game Of Thrones"! Stattdessen belegte ich an dem Abend wieder den Gossensprachen-LK mit Jenny L. aus M. (heutige Lektion: "Das Wort 'Alter' als festes Suffix im deutschen Satzbau"), auch immer wieder lehrreich...

Musik gab's natürlich auch, als erstes mit TRAVELS & TRUNKS aus Dortmund, die mir auf Anhieb sehr gut gefielen. Aber anscheinend spielten die in Meppen ihre viertletzte Show (zumindest in der derzeitigen Besetzung), wenn ich das richtig verstanden hab. Schade, ich hoffe die können die Band in anderer Besetzung fortführen, feiner Auftritt!


PAVEMENT POETRY aus Spelle/Hopsten zündeten bei mir danach nicht so richtig. Wie gesagt, alle Bands des Abends beackerten musikalisch eine ähnliche Schiene und die Jungs waren bestimmt nicht schlecht, aber mir war das ein bisschen zu unrund.

Ganz anders danach ASTPAI aus Österreich! Die hatten nicht nur diesen lustigen Wiener-Schmäh-Dialekt sondern spielten auch eine sehr engagierte, sympathische und kraftvolle Show. Und hatten nebenbei bemerkt auch wohl den meisten Anhang dabei (bzw. wegen denen angereiste Leute), denn bei ASTPAI gab's die besten Zuschauerreaktionen, fand ich. Heimlicher Headliner... Wir wollen aber natürlich nicht vergessen zu erzählen, dass der ASTPAI Frontmann vorher schon beim Essen (es gab Pizzasuppe) den Brüller des Abends gebracht hatte, als er zwei Tiefkühlpizzen erblickte und ernsthaft fragte, wie man denn daraus Suppe macht. Nachdem er bereits erste Theorien entwickelte (pürieren etc.) wurde ihm dann von der emsländischen Cateringfront doch noch die Wahrheit enthüllt - Tränen gelacht hammwawieder... :) Aber das nenn ich mal Völkerverständigung: ASTPAI haben dem Emsland coolen Punkrock gebracht (gibt leider nicht genug davon hier) und das Emsland hat Österreich nun wahrscheinlich zu neuen kulinarischen Höhenflügen verholfen!


Als letztes waren dann SMOKE OR FIRE dran. Das letzte Mal, dass Fat-Wreck-Bands in Meppen waren, ist ja schon was länger her, ich glaube das datiert tatsächlich auf den  16. November 1996 - WIZO zusammen mit BRACKET, damals noch im "Jolly Roger" an der Riedemannstraße (jetzt "Tornado Discothek", falls die nicht auch schon wieder dicht hat). Feiner Abend war das damals, ich war dabei! Ganz so eine Größenordnung wie WIZO damals, haben SMOKE OR FIRE in Deutschland heutzutage sicher nicht, aber die Amis haben auch schon jede Menge DIY-Touring durch die ganze Welt auf dem Buckel. Die Show war dann auch ein absolute Bank, US-Bands wissen halt wie man's macht, keine Frage! Ich hatte auch direkt einen Lieblingsmusiker - die Gitarristen waren eher so die normalen US-Punkrocker im Joe-Queer-Look, der Bassist hatte einen schönen Lockenkopf ... aber der geilste Typ war der Drummer! Der war kaum auf der Bühne, da war er direkt halbnackich! Nur noch mit Shorts und Beanie bekleidet und brachte Face-Action bis zum Abwinken. Ich weiß gar nicht wie ich's beschreiben soll, es sah in etwa so aus, als hätte er einen zu großen Priem Kautabak abgebissen und versuchte den jetzt verzweifelt in seiner Futterluke kleinzukriegen. Grandios, muss man gesehen haben! Ach ja, gut getrommelt hat er natürlich auch!


Um kurz nach elf war dann Schluss, alle waren glücklich und zufrieden und einige Auswärtige mussten auch glaub ich schnell den letzten Emsland-Express kriegen. Ich hatte ca. drei Cola, zwei Mirinda und ein 7-Up intus, nicht dass hier diesmal wieder der Eindruck entsteht ich hätte wieder exzessiv dem Alkohol zugesprochen, nein nein nein!!!

Fazit: Ein schön entspannter Abend mit guter Musik. An einem Montag darf man sicherlich keine allzu großen Action-Abende oder überwältigende Publikumsanstürme erwarten, unter der Prämisse war's also alles prima. Wegen ASTPAI und SMOKE OR FIRE waren auch ein paar Nasen aus der Richtung Münster/Dortmund angereist, schöne Sache das! Ein paar Meppener Visagen hätten ruhig mehr da sein können, aber nun, man kann ja keinen zu seinem Glück zwingen.

Ich denke es ist nicht falsch wenn ich sage, dass Yogi (der an diesem Abend das Konzert gemacht hat) im Moment auf einer Welle von guten Angeboten schwimmt was diese Mucke angeht, von denen er gar nicht alle wahrnehmen kann. Ein paar gute Sachen liegen in diesem Jahr natürlich noch an (zum Beispiel PERDITION am 11.05.), aber so eine Konzertmacherei raubt neben Geld natürlich auch Zeit und Energie und es ist nicht einfach das neben Job, Privatleben etc. über einen längeren Zeitraum kontinuierlich durchzuhalten. Also falls es in Meppen und Umgebung Leute gibt, die sich nur entfernt für diese Musik interessieren und momentan nicht rumkommen - beschwert euch nachher bitte nicht wenn ihr die augenblickliche heiße Phase aus Faulheit oder Schusseligkeit verpasst und es das derzeitige Angebot in - sagen wir mal - einem Jahr nicht mehr gibt! Jetzt oder nie! Der Gossensprachen-LK hat mich gelehrt was YOLO heißt, haha... ^^

Sonntag, 14. April 2013

Konzerte: COOBY, AGAINST RANDY, HI! SPENCER | 13.04.2013 | JuZ "Jam", Meppen

So eine Art "Newcomer-Abend" gab es am 13.04. im Meppener JuZ, weil dort die Haselünner COOBY ihren zweiten und die Meppener AGAINST RANDY ihren allerersten Auftritt hatten. Ich war relativ zeitig vor Ort, da war's drinnen noch relativ leer, während draußen bereits Dutzende Kiddies munter Fremdalkohol in sich reinschütteten...

Irgendwann ging's dann aber los, und es war recht schnell abzusehen, dass der Laden an dem Abend richtig voll werden würde. Auf meinem Weg zum Mischpult und zurück musste ich jedenfalls immer ganz schön drängeln, sorry an alle denen ich dabei die Füße plattgetreten hab, haha... COOBY betraten als erstes die Bühne und spielten einen ziemlich überzeugenden Auftritt. Musikalisch war's diese momentan recht angesagte Art von Indierock, irgendwo in der Tradition von JOY DIVISION (als Urväter) gemischt mit BLOC PARTY und Konsorten. Hier im weiteren Umkreis sind HURRICANE DEAN und RAZZ (von deren Besetzung übrigens auch einige Leutchen im JuZ rumflitzten) ja zwei Vertreter, die das Terrain äußerst erfolgreich beackern. Und ich wüsste nicht, was dagegen spräche wenn COOBY mit dem Sound jetzt auch durchstarten. Absolut top gespielter Auftritt und das Quartett kam auch ziemlich sympathisch rüber, was aber wahrscheinlich am Frontmann lag, der permanent grinste wie ein Honigkuchenpferd. Na ja, er hatte ja auch allen Grund sich zu freuen: gut abgeliefert und das Publikum ging hervorragend mit. Bemerkenswert bei COOBY ist übrigens, dass die zwei Bassgitarren im Line-Up haben - sieht man auch nicht alle Tage und die Band wusste das gut im Sound umzusetzen. Daumen hoch!


Danach der Debütauftritt von AGAINST RANDY - von einigen unübersehbar sehnlichst erwartet, denn was da an Anhang da war, war ziemlich beeindruckend. Na ja, irgendwo war's auch schon fast ein bisschen nervig, ich fühlte mich manchmal beinahe wie bei einem Boygroup-Konzert, haha... Dementsprechend blieben natürlich auch Szenen zum Schmunzeln nicht aus, wie z. B. das kreischende Mädel, dass nachher jedem der es wissen wollte (oder auch nicht) mitteilte "Ich hab den Drumstick gefangen, ich hab den Drumstick gefangen..." Okay, das Publikum hatten AGAINST RANDY (u. a. mit ex-BACK TO BASEMENT Beteiligung) also schon mal auf ihrer Seite, musikalisch war's auch eine runde Sache. Ich ordne das mal grob in diese Neo-Punkrock/Melodycore Ecke ein, die mich eigentlich wenig vom Hocker haut und von der ich wenig Ahnung hab. Na ja, das ist dann ja irgendwo mein Problem, allerdings fallen mir deswegen momentan auch wenige Sound-Referenzen ein. Auf lokaler Ebene würde ich die musikalisch mal leicht in die Nähe von DISTANCE REMAINS rücken, mal gucken wann da die ersten Groupie-Verteilungskämpfe ausbrechen, haha. Und auch wenn's nicht so 100pro meine Mucke ist: Den Auftritt konnte man sich gut geben und AGAINST RANDY haben beim Heimspiel auch ziemlich abgeräumt. Also: Nix zu meckern!


Den musikalischen Schlusspunkt des Abends setzten dann HI! SPENCER aus Hagen (am Teutoburger Wald), bei denen ich mir bis jetzt immer noch nicht ganz sicher bin, was ich von denen halten soll... Wie soll ich sagen... Fünf Typen im Schwiegersohn-/Klassenstreberlook spielen fluffigen deutschsprachigen Indiepop... Dürfte klar sein, dass jemand wie ich da nicht unbedingt steil drauf geht, schließlich steh ich eher auf so Sachen wie letzten Monat NOBUNNY, das enfant terrible des internationalen Garage-Bubblegum-Punkrocks, der im weiteren Tourverlauf unter anderem vor mindestens eine polnische Bühne gekackt hat und auch mal wieder eine drogenbedingte Nahtoderfahrung hatte. Mit Freuden erinnere ich mich auch an den Moment, als ich 2009 das erste Deutschlandkonzert von NOBUNNY in Meppen veranstaltet hab und mich das Häschen circa zwei Minuten vor dem Auftritt nach einem Eimer fragte, denn er würde ja manchmal während des Auftritts kotzen müssen. Tja, das erklär in dem Moment mal dem leicht angespannten Stadtjugendpfleger... Aber zurück zum Thema: Das sind halt die Sachen die ich bei Konzerten liebe - kaputte Typen, unerwartete Situationen und ein Hauch Rock'n'Roll-Danger! Und das boten HI! SPENCER definitiv nicht! Stattdessen taten die einige Dinge, die im Buch "Guidelines for bands to be cool as fuck" definitiv auf der Verbotsliste stehen:
  • Sage nie: "Wo sind die Hände? Ich will eure Hände sehen!"
  • Sage nie: "Ihr seid das geilste Publikum das wir je hatten!"
  • Mach nie von der Bühne aus Fotos vom Publikum und sage dabei: "Und jetzt mal alle so richtig ausrasten!"
  • Verlose nie etwas während einer Show, es sei denn es handelt sich um die anale Jungfräulichkeit des Bassisten oder Drummers...
Selten eine so extravagant gestaltete Setlist wie die von HI! SPENCER gesehen ... Der geile Teppich gehört mir, aber: Was hat der neue Papst da zu suchen? Mit Fanta und Butterkeks, junge Christen unterwegs!?!? Und wer ist der Typ unten rechts? Doch wohl nicht Philipp Burger?!? Fragen über Fragen...
Tja, all diese oben aufgeführten Dinge haben HI! SPENCER getan! Verlost wurde übrigens eine Mikrowelle und das ist jetzt kein Witz!!! Ich meine ... okay, kann man machen. Aber solches Gebaren bin ich halt eher von Schützenfestbands gewohnt. Kann auch sein, das HI! SPENCER auf einer anderen Ironieebene arbeiten und ich das alles nur total falsch verstanden habe. Blödheit ist bei mir nämlich definitiv nicht auszuschließen und speziell unter Alkoholeinfluss sogar sehr wahrscheinlich, hehe... Sind die sich z. B. der homoerotischen Zweideutigkeit einer Textzeile wie "Ich hätt' so gern einen Teil von dir in mir..." bewusst?!? Oder ist das sogar beabsichtigt? Fänd ich sogar absolut cool, ich hör gerne mal Gay-Rock/Punk/HC, so Sachen wie PANSY DIVISON oder LIMP WRIST. Oder diese ganzen schwulen HC-Punk-Fakebands wie BLACK FAG oder GAYRILLA BISCUITS ... aber bei HI! SPENCER musste ich doch schmunzeln, als diese Zeile gesungen wurde, hehe... Hier ist übrigens der dazugehörige Song:


Okay, das hört sich da oben jetzt vielleicht ein bisschen fies an. Zusammenfassend kann man sagen, das HI! SPENCER fitte Musiker sind, der Frontmann hat eine gute Stimme - die Band war also keinesfalls schlecht, aber mir war das Ganze definitiv viel zu seicht! Da konnte auch das LOVE A Shirt vom Gitarristen nichts mehr rausreißen. Auf der Suche nach musikalischen Vergleichen warf ich an der Theke mal ein JUPITER JONES meets PUR in die Runde. Das sorgte zwar für einige Lacher, aber widersprochen hat auch keiner... Also so ein poppiger "netter" Konsens-Sound, mit dem man dann auf den Bandcontests in der Region spielt (und davon haben HI! SPENCER glaub ich tatsächlich welche gewonnen). Ich musste mir also ein paar mal ein wenig auf die Lippe beißen, aber insgesamt war die Stimmung im "Jam" auch bei HI! SPENCER sehr gut, da die ebenfalls gefühlte drölfzig fanatische Anhänger dabei hatten, die voller Inbrungst mitsangen und tanzten. Partyfaktor also 1A!

Bei soviel Publikumsbandanhang deutete sich natürlich schon an: Mein Besucherrekord vom DUESENJAEGER-Konzert im Februar war geknackt. Insgesamt waren 136 zahlende Gäste im JuZ! Hut ab dafür, mal wieder ein Beweis, dass es immer besser wird in Meppen, was geile Livemusik angeht! Da es relativ bald im "Jam" mit internationaler Beteiligung schon wieder weitergeht, sei an dieser Stelle noch mal ausdrücklichst auf das Konzert von SMOKE OR FIRE (aus den US of A) zusammen mit ASTPAI, PAVEMENT POETRY und TRUNKS hingewiesen. Fat Wreck Chords und so... ;) Hier geht's zum Facebook-Event! Teilnehmen und teilen, pleeze!

Meine eigenen Schandtaten hielten sich an diesem Abend übrigens in Grenzen. An der Theke hab ich mit John nur beschlossen eine Zwei-Mann-Band namens MIKROPENIS zu gründen. Die mag dann keiner, weil wir beide so ätzende Typen sind. Aber das öffnet uns dann Tür und Tor, damit wir nicht so nett sein müssen wie HI! SPENCER und stattdessen hemmungslos das Publikum und uns gegenseitig bepöbeln können. Und mit Flaschen und Fäkalien werfen und GG Allin und die DWARVES covern und so... Der emsländische Rock muss nämlich schmääriger und gefährlicher werden, hehe...

Ansonsten führte der übliche Weg nach dem Konzert natürlich in den Palast, wo ich aber nicht viel mehr gemacht hab als faul an der Theke zu sitzen - man hat ja mittlerweile das Alter für sowas ... kann mich nicht dran erinnern da noch was Schlimmes getan zu haben, man überzeuge mich ansonsten vom Gegenteil. Das einzig schockierende war nur, dass mein Cousin reinkam und WASSER bestellt hat! Unglaublich, mir ist vor Schreck fast der Russisch-Koks aus der Hand gefallen. Bucklige Verwandtschaft, unmöglich sowas... ^^