Mittwoch, 29. Februar 2012

Veranstaltungshinweise: März 2012

Ja ja, nicht viel los hier die letzten Tage. Hab derzeit etwas Stress, gerade neue Platte ins Presswerk geschickt und ich schreib ja auch immer noch ein Buch, alles wichtig wichtig, also nervt nicht rum, hehe ;) Da heute Monatsletzter ist mach ich der Einfachheit halber mal einfach mit Konzerttipps für März 2012 weiter. Alles natürlich in Meppen und Umgebung und auch nur das, was mir relevant erscheint. Nicht wundern wenn nichts aus Lingen dabei ist: die haben eine gute Infrastruktur und sind nicht auf meine Tipps angewiesen....

Es kann natürlich auch immer mal sein, dass ich was vergessen oder nicht spitzgekriegt hab. In dem Fall bitte Nachricht. Ich bin nicht allwissend, obwohl ich hart daran arbeite!

Los geht's am 10.03., ärgerlicherweise mit einer Doppelbelegung. PROPAGANDA NETWORK ließen wissen, dass sie keine Ahnung hatten, dass zeitgleich das "Hellraiserfest" im Meppener Jugendzentrum stattfindet. Blöde Sache, ich selbst wäre zu beiden Events gegangen, aber ich kann mich leider nicht zweiteilen. Werde also wohl beim Hellraiser sein, anschließend dann im Palast...
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SAMSTAG, 10. MÄRZ 2012
HELLRAISERFEST  mit HATE EMBRACED, NEPHILIM AROSE und I SMASH THE PANDA (der Preis für den bescheuertsten Bandnamen für März 2012 ist damit bereits vergeben)
Wo: JuZ "J@m-Center", Königstraße 8, Meppen
Eintritt: 5,- Euro
Zum Facebook-Event geht's HIER!
Hier auch der wunderschöne unleserliche Flyer ;)

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SAMSTAG, 10. MÄRZ 2012
PROPAGANDA NETWORK  mit KILLERKANTHOLZ
Wo: Rockpalast, Schützenstraße 11, Meppen
Eintritt: 4,- Euro
Zum Facebook-Event geht's HIER!
Hier auch der wunderschöne Flyer, bei dem bestimmt Drogen im Spiel waren ;)


An der Stelle sei noch mal angemerkt, dass nicht ganz klar ist bis wann die Bands im Palast spielen dürfen. Anscheinend zickt das Ordnungsamt da wieder massiv rum. Während sonst schon immer um 23 Uhr Schluss sein muss, soll es am 10.03. im Palast eine Deadline von 22:30 Uhr geben. Angeblich wegen der Nachbarn, ja ja, Nachtigall ick hör dir trappsen... Riecht eher nach erneutem Versuch dem Rockpalast Stöcke zwischen die Beine zu werfen. Auf alternative, selbst organisierte Konzerte wird nach wie vor gepflegt geschissen, das übliche Kleinstadt-Trauerspiel... Aber weiter im Text...
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FREITAG, 23. MÄRZ 2012
9. HAREN ROCKT: Jedes Jahr ne nette Sache, diesmal mit HURRICANE DEAN, kleinE, FOOLS FROM STACK und FRONT YARD DUMMIES
Wo: Jugendzentrum Haren, Papenwiese 4a
Eintritt: 3,50 Euro
Zum Facebook-Event geht's HIER!
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FREITAG, 30. MÄRZ 2012
DREIECK LIVE: Das altbewährte Prinzip: In jeder Kneipe im Meppener Bermudadreieck spielt eine Band. Nähere Details dann demnächst in der Tageszeitung Eures Vertrauens. Zwar ist es da immer proppenvoll, aber ich finde es wirklich schade, dass da hauptsächlich schrottige Top40- und/oder Coverbands spielen. Na ja, wohl nicht anders zu erwarten, wenn das ganze vom spießigen TIM Meppen gemacht wird und einer Konzertagentur die n paar Euros dran verdienen will. Zumindest im Rockpalast wäre doch mal ein Abend ne super Sache, bei dem nur geile Bands aus dem "Rockpalast-Klientel" spielen, oder?!?! Na ja, Meppen: die Stadt der verschenkten Chancen...

März 2012 kann kommen! Wir sehen uns an der Theke!

Freitag, 10. Februar 2012

Veranstaltungshinweise: Februar 2012

So, Veranstaltungshinweise für Februar 2012 in Meppen... Wobei das eigentlich nur ein Hinweis ist, denn sonst liegt mir grad nix vor. Und ich bin dann nicht mal da, was für eine Schande... ;)

Alsooo: am 18.02.2012 spielt NORMAN PALM & BAND im Rockpalast. Support sind - wenn ich das richtig deute - RAZZ, die ja gerade eben erst den Rock-unter-Linden-Bandcontest gewonnen haben. Feine Jungs...


Norman Palm wurde hier ja auch schon mit einem Beitrag gewürdigt, und zwar hier. Mit der Konzertorga hab ich nix zu tun, daher kann ich leider wenig zu den Hintergründen erzählen. Soll wohl so eine Art Soli-Aktion für den Rockpalast sein. Wobei ja auch schon ein paar Wochen ins Land gezogen sind, seit dieser höchst seltsamen Schließungsaktion. Nun ja, wie auch immer, zum Facebook-Event geht's hier. Geht da hin!

Ich selbst bin wie gesagt gar nicht da, weil ich den mächtigen DUESENJAEGER in Münster huldigen werde. So richtig, mit echten Punks und so! Falls sich hier aber jemand berufen fühlt über das Konzert im Rockpalast zu berichten, dann setz ich das hier gerne auf den Blog. Es sei denn der Bericht ist scheiße, haha ;) Also: Komm se ran, nächste Fahrt ist rückwärts. Kram einfach per Mail an: minusrockcity[at]googlemail[dot]com


Sonntag, 5. Februar 2012

Konzerte: Bandcontest "Rock unter Linden" am 04. Februar 2012

Eigentlich war meine Grundintention bei diesem Blog ja, hier nach und nach alles online zu stellen, was FRÜHER alles so los war. Aber hin und wieder geht ja auch gegenwärtig noch was in Meppen, und deshalb waren Kerstin, Inga und ich am 04.02. beim Bandcontest für das im Sommer stattfindende "Rock unter Linden" Festival. Fünf lokale Bands für 3,- Euro, feine Sache, nicht zuletzt auch, weil ich bei solchen Events immer Ausschau nach fähigen Supportcombos halte, sofern ich mal wieder vorhab ein eigenes Konzert zu veranstalten. Neben dem Konzert an sich, hab ich an dem Abend aber noch so diverse andere Abenteuer erlebt, aber dazu später mehr...

Um kurz nach acht betraten wir bei knackigen -12° Celsius den Hof des JuZ "J@m Center", der - das soll hier mal explizit angemerkt werden - vorbildlich hergerichtet war! Inklusive Glühweinstand und brennenden Tonnen. Ich kam mir vor wie auf dem Weihnachtsmarkt von LA South Central, total geil! Das Ganze hatte auch den angenehmen Nebeneffekt, dass einige Leute später einen angenehmen Lagerfeuergeruch verbreiteten. Atmosphäre pur! ;)

Was sich an den Zusagen beim Facebook-Event schon ablesen ließ, bestätigte sich dann im JuZ: es war proppenvoll!!! 176 Zahlende war später zu hören, exzellent! Und natürlich schön gemütlich, ich verspürte relativ schnell den Drang mich auszuziehen, weil mir so warm war... Ach ja, Stichwort Facebook-Event: Da hatte ich vorher auf der Pinnwand Sachen gelesen wie: "Der Termin ist scheiße, da ist auch Party bei Kamp!" Aua, also ehrlich! Die totale Selbstdisqualifikation! Ich möchte hier mal kurz festhalten: Wer den Rock respektiert, sollte wissen ... Party bei Kamp ist ein No-Go für Rocker!!!! Dämlack-Herdenveranstaltung mit "Black und R'n'B" aus der Konserve?!? Geht hin wenn ihr möchtet und gebt auf ewig euren Platz in der Rock'n'Roll-Elite auf. Ich bin da offizielles Jurymitglied, ich weiß Bescheid!

Aber ich schweife ab, wir waren ja im J@m-Center, wo also 176 Zahlende ihren guten Rocker-Ruf gewahrt hatten. Bei Bandcontests ist das ja meist so, der komplette Freundeskreis der Band kommt mit um die Combo dann zu wählen. Aber ich denke mal viele von den Kiddies sollten bemerkt haben, dass das JuZ einer der besten Veranstaltungsorte für Konzerte in Meppen ist, also erwarte ich bei den nächsten Events viele der Leute wieder zu sehen. Der Altersdurchschnitt war auch sehr jung, so dass Kerstin, Inga und ich wohl mit die Ältesten waren. Hab ein junges Mädel mit RAMONES T-Shirt gesehen, ich hoffe die hört die Band auch und das Outfit beruhte nicht nur auf einem H&M Angebot... Brüller des Abends: Kerstin wurde an der Kasse gesiezt!!! Und die geilsten Typen am Cut waren die drei hier:

Trio Infernale beim Bandcontest im JuZ: die drei coolen Bubis. Vor meinem inneren Auge sehe ich die in 5 Jahren mit Gitarre, Bass und Drums ausgestattet den ROCK in Meppen retten!!! Am 04.02. wurden sie an der Ausübung ihrer Pflicht noch gehindert, da gegen 21:30 Uhr ein emotional erregter Erziehungsberechtigter auftauchte und die Drei unter seine Fittiche nahm. Egal Jungs, ihr kommt noch groß raus!!!!
Folgende Bands traten in dieser Reihenfolge auf: FIFTY 4 PLANETS, OUT OF PRACTISE, ZOODIAK, RAZZ, FOOLS FROM STACK. Und da ich ja desöfteren mal als notorischer Nörgler verschrien bin, will ich vorab schon mal klarstellen: die waren alle gut! Also ich hab's nicht nötig hier diplomatisch zu sein, wenn da eine totale Niete dazwischen gewesen wäre, dann würde die Band hier ordentlich ihr Fett wegkriegen. Und es ist auch nicht so, dass ich alle Bands total toll fand, da einige allein von der Musikrichtung her gar nicht in mein Raster passen. Aber da passt eigentlich keine Band aus Meppen rein, haha... Nee, die waren alle gut, technisch fit und ich war an dem Abend wirklich positiv überrascht.

Langweilig oder? Nix zu meckern... Okay, dann will ich doch noch mal ein bisschen vom Leder ziehen. Wie erwähnt bin ich Jurymitglied im Rock'n'Roll-Elite-Ausschuss und in dieser Funktion muss ich drauf hinweisen, dass es für coole Livebands ein paar Ansagen-Todsünden gibt:
  1. "Seid ihr gut drauf?"
  2. "Wo sind die Hände?"
  3. "Der nächste Song ist für die Mädchen."
  4. "Wo seid ihr?"
  5. "Habt ihr Bock ein bisschen zu tanzen?"
Alle diese Ansagen kamen soweit ich mich erinnern kann bei ALLEN auftretenden Bands vor! Leute, HÖRT SOFORT AUF DAMIT!!! Brrr, gruselig ist das! Speziell Punkt 4: da stehen 176 Leute in einem gefühlt 12 Quadratmeter großen Raum und die Band fragt: "Wo seid ihr?" Ich musste mich ein bisschen fremdschämen... Zu Punkt 3: speziell OUT OF PRACTISE neigten zum Einstreuen von weichspülenden "Flachleger-Balladen", also der Art von Musikstück, die unterschwellig die Girls zum späteren Koitus im Backstageraum animieren soll. Oder so... Nee nee, das muss nicht sein! Das will keiner hören, das nimmt den Drive aus einem guten Auftritt und die Mädels kriegt ihr auch so rum! Na ja, kleiner Faux pas, aber die Band rettete sich durch die Verlosung eines Glases Würstchen... Wobei ich auch hier eine Warnung aussprechen muss: Solltet ihr mal Auftritte über die Stadtgrenzen Meppens hinaus spielen, und irgendwo im AJZ mit einer veganen Straight-Edge-Hardcore-Band spielen, könnte so eine Aktion ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen...

Die beste Ansage hatten eigentlich FOOLS FROM STACK, mit: "Habt ihr noch wat im Becher?" Das sind die Fragen die ein Publikum bewegen! Ohnehin waren FOOLS FROM STACK ziemlich smarte Typen und haben auch in einer punktgenauen Sozialanalyse von Inga gut abgeschnitten: "Ich glaub das sind Gymnasiasten, Hauptschüler sehen anders aus." Weiterer Bonuspunkt: die Face-Action von deren Frontmann! Was der alles mit seinen Augenbrauen machen kann ... unglaublich! Wenn die mal ein Musikvideo machen, würde ich nur die Augenbrauen vom Sänger filmen, da geht einiges!!!

FOOLS FROM STACK sind aber in der Endabrechnung "nur" Zweiter geworden, denn absolutes Highlight an dem Abend waren RAZZ!!! Die waren großartig, muss ich wirklich sagen. Vier Buben, angeblich alle irgendwo zwischen 14 und 16 Jahren alt, zockten da ein absolut cooles Set runter. Los ging's mit einer Coverversion von "Are you gonna be my girl" und danach wurden noch unbeschwert einige rock'n'rollige Hits aus dem Ärmel geschüttelt. Echt prima! Ein persönlicher Indikator bei mir für eine gute Band ist: Ich hatte kein Bier mehr, ich musste pinkeln wie ein Elch, trotzdem hab ich mir den ganzen Auftritt bis zum Ende angesehen! Hat sich gelohnt und RAZZ haben wirklich verdient gewonnen, das kann ich als neutraler Beobachter absolut unterschreiben! Bemerkenswert: RAZZ wären so dem Gefühl nach momentan auch die einzige Band aus Meppen, die ich auf meinem Label rausbringen würde...

RAZZ live beim Bandcontest am 04.02. Coole Band, verdienter Sieg, voller Laden!
Im Grunde waren RAZZ mir auch schon sympathisch als ich die noch gar nicht gehört hatte, denn im Vorfeld trudelte beim JuZ eine Anfrage von denen ein, ob die denn evtl. auch Bier trinken dürften. Haha, zuckersüß... Durften sie natürlich nicht, die Lümmel. Seid froh, dass ihr nüchtern geblieben seid Jungs! Dem Auftritt hat's gut getan und womöglich wäre es euch am nächsten Tag so scheiße gegangen wie mir, beim Verfassen dieser Zeilen

Leicht angesäuselt fand ich vor der Theke noch 5,- EURO, an dieser Stelle noch mal Dank an denjenigen der die verloren hat. Ich hab das Geld sinnvoll in Bier investiert. Somit endete also eigentlich der Konzertabend. Ein wirklich guter Abend! Nur die Siegerverkündung war etwas schwach, das Mikro war aus, eben schnell wurde gesagt "Äh ja, RAZZ haben gewonnen"... Da hätte man mehr draus machen können. Nächstes Mal bitte einen Zeremonienmeister engagieren! ;)

So, jetzt könnte ich also eigentlich Schluss machen. Aber der Abend bot noch einige delikate Ereignisse, denn da es noch vor 12 war, setzten wir uns nach dem Bandcontest erstmal ins "Irish Wolfhound". Und der Platz war wirklich gut gewählt, denn was da am Nebentisch abging passte wirklich auf keine Kuhhaut!!! Da saßen zwei junge Typen Anfang 20, relativ bieder aussehend, und unterhielten sich. Ganz ehrlich, ich bin wirklich nicht der Typ der andere Leute belauscht, aber da wurden meine Ohren immer größer! Belauschen ist auch eigentlich nicht das richtige Wort, und die Formulierung "unterhielten sich" ist eigentlich auch nicht richtig. Vielmehr redete hauptsächlich einer der beiden und zwar so laut, dass man gar nicht weghören konnte!

Worum ging's? Zuerst dachte ich, es würde sich um Vorstandsarbeit im Schützenverein, bei der Jugendfeuerwehr oder den Pfadfindern drehen. Aber nach kurzer Zeit fiel das Zauberwort: JUNGE UNION!!! Wie gesagt redete hauptsächlich nur einer der beiden, der andere hörte größtenteils zu, bzw. war dazu genötigt, da der Hauptredner dermaßen wortgewaltig und dominant war, das einem Angst und Bange werden konnte. Und ehrlich, wir saßen so ca. 30-45 Minuten neben den beiden ... ich habe selten so eine maßlose Überheblichkeit und Impertinenz in einer solchen Zeitspanne gehört. Allerdings war das Ganze auch höchst interessant, daher hab ich mal schön die Klappe gehalten, um mich in Sachen Kommunalpolitik für junge Unionsmitglieder auf den neuesten Stand zu bringen.

Da ich leider kein großer Buddy der CDU bin, kann ich nicht genau sagen, wer die beiden waren. Aber es fielen Namen, daher hab ich natürlich einen Verdacht! Den behalte ich aber erstmal schön für mich! Und im Gespräch fielen weitere Namen, und zwar aus den Meppener und Harener CDU-Stadtverbänden! Und die behalte ich auch mal für mich, obwohl es für die genannten Personen sicherlich interessant zu wissen wäre, wie abfällig der Wortführer am Nebentisch (ich nenne ihn im folgenden mal der Einfachheit halber den "Schnacker") da über seine Parteigenossen geredet hat! Junge Junge, da blieb kein Auge trocken!

Speziell weil die beiden auch gehörig einen im Tee zu haben schienen, ging es hoch her und es flogen nur so die Kraftausdrücke und es wurde am laufenden Band gedisst und runtergemacht. Wohlgemerkt über Mitglieder der eigenen Partei! Man konnte meinen, da säße ein alter Parteibonze Ende 60, der sich aufgrund seiner Meriten solche Aussagen leisten dürfte. Aber nein, da saß dieser bebrillte Hänfling und sein Kumpel im Karohemd. Zumal ein alter Parteibonze Ende 60 wohl auch nicht so dämlich sein würde, sich in eine Kneipe zu setzen und da lautstark und auf unterstem Niveau Partei-Interna zu diskutieren. Zum Schießen!!!

Für dämlich hielt sich der Schnacker aber ganz und gar nicht, der laberte nämlich eloquent drauflos. Über seine Selbstwahrnehmung kann ich natürlich nur spekulieren, aber Kerstin sagte zwischendurch mal "geiler Hengst". Ja, ich schätze so ist er sich vorgekommen, als er da so redete und redete und redete. Wie so ein richtig geiles Niedersachsenross!!! Er wurde nämlich nicht müde immer wieder zu seinen politischen Lebenslauf zu betonen. O-Ton: "Ich hab auf Bundesebene viel Scheiße mitgemacht, aber das was ich da heute mitgemacht hab... Das hört sich jetzt vielleicht scheiße an, aber ich hab da ja schon andere Sachen erlebt..." Offensichtlich hatten wir es also mit einem politischen Jungschwergewicht zu tun, das nicht müde wurde das auch zu betonen. Sein Kompagnon erstarrte desöfteren förmlich vor Ehrfurcht. Sogar eine Ministerin hatte er mal bei einem Treffen abgekanzelt, hört hört!

In der Quintessenz ging es wie gesagt um Kommunalpolitik und Partei-Internes. Da wurde eine Sau nach der anderen durch's Dorf getrieben! Ein delikater Schnipsel war z. B. das Thema Pflasterung der Fußgängerzone, was in den letzten Tagen ja öfters mal in der "Meppener Tagespost" breitgetreten wurde. Wir erinnern uns: die Anlieger und die lokale Kaufmannschaft sollen sagenhafte 70% der Kosten übernehmen. So wurde also nun (unfreiwillig?) gegenüber jedem herausposaunt, der sich gerade in Hörweite des JU-Tisches im "Irish" befand, dass es den lokalen christdemokratischen Jungpolitikern nicht etwa um die Problematik der Sache geht, bzw. um eine gerechte, sozial verträgliche Umsetzung. Nein, es geht nur nur um parteipolitische Machtspiele innerhalb des Stadtrats! O-Ton: "Scheißegal, ob 70% oder... , Hauptsache, WIR sind auf einer Linie!"

Desweiteren steht demnächst wohl auch eine Palastrevolution bei der JU bzw. CDU an, wage ich mal aus den Aussagen des Schnackers herauszulesen. Denn wie erwähnt wurde da ja über Parteikollegen und -innen abgekotzt, da schlackerten einem wirklich die Ohren. Noch ein paar O-Töne: "Wir sagen ein halbes Jahr erstmal nichts dazu und tun nach außen hin so, als wäre alles in Ordnung." "Der Punkt ist, du verbiegst halt deine Ideale dahinter. Kannst du dann noch in den Spiegel gucken?" Es ist also was im Busch bei der Meppener Union, denn es fiel noch: "Wir müssen da jetzt mal die Arschbacken zusammenkneifen!" Entertainment galore, ich musste mich wirklich hart zusammenreißen, um nicht laut zu lachen. Ich vermute das hat der weniger Redselige der beiden irgendwann bemerkt, denn der sagte irgendwann "Ich muss pissen!" und hat mit dem Schnacker dann relativ überstürzt das Etablissement verlassen. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön für diese interessanten Einblicke in die Lokal- und Kommunalpolitik. Ich hab gehört das J@m-Center veranstaltet bald einen Poetry-Slam, da werde ich die beiden mal für einem Spoken-Word-Auftritt vorschlagen...

Im Grunde genommen aber auch einfach nur traurig! Zum einen haben sich da zwei Schießbudenfiguren eindrucksvoll ihr eigenes Armutszeugnis geschrieben! Zum anderen kann man gar nicht so viel fressen wie man kotzen könnte, wenn einem so vor Augen geführt wird, was hier in der Lokalpolitik teilweise abgeht... Hat ein bisschen was von den Schildbürgern...

Danach ging's weiter mit dem Ritt durch die sozialen Schichten, denn fort von der intellektuellen Meppener Politikelite bewegte ich mich nun ins unterste Proletariat! Es ging nämlich weiter in den Rockpalast, wo sich lustigerweise ein Harener Jungpunk zu mir gesellte und mich auf meinen frevelhaften Blogeintrag "Dorfpunks 2012 - Generation Waschlappen" (hier zu lesen) ansprach. Ich dachte er fordert meinen Kopf und tatsächlich war ein Kumpel von ihm anscheinend auch etwas aufgebracht gewesen, nachdem er den Blog gelesen hatte. Mit Micha aus Haren war die Sache in einem kurzen musikalischen Fachgespräch aber relativ schnell geklärt. Fazit: Die alten SLIME sind immer noch eine geile Band, findet auch Micha! Im Übrigen glänzte Micha durch einen BRUTAL VERSCHIMMELT Aufnäher (die alte Band auf Rock-O-Rama, da schrillen bei einigen sicherlich die Alarmglocken, BRUTAL VERSCHIMMELT haben da aber was veröffentlich bevor das Label den Schwenk auf Faschodreck machte), ist Fan von MÜLLSTATION und dementsprechend revidiere ich hiermit einige meiner Aussagen aus dem "Dorfpunks 2012" Artikel, hehe. Also liebe Punks: immer fleißig BRUTAL VERSCHIMMELT und MÜLLSTATION hören, dann wird alles gut! Und vielleicht noch CHAOS Z dazu und die guten alten Sachen aus Hamburg, BUTTOCKS und so. Und nicht vergessen was hinten auf der ersten EA80 Scheibe stand: "Für alle Punx die ihren Verstand über ihre Lederjacke stellen!"

Musikalisches Punk-Fachgespräch mit Micha im Rockpalast! Ich war übrigens genauso voll wie ich auf dem Foto aussehe. Russisch-Koks = Teufelszeug. Übrigens glaube ich, dass da an der Wand "Ich bin süchtig" steht, das hab ich aber nicht geschrieben...
So, das war's dann aber jetzt wirklich! Kurz danach musste ich ganz dringend nach Hause und hab die gesamte Katerphase jetzt damit zugebracht diesen Artikel zu schreiben. Liebes-/Hassmail und Stellenangebote als Parteiberater bitte an die übliche Adresse. Sprechstunden im Rockpalast auf Anfrage! Bis demnächst!

Donnerstag, 2. Februar 2012

Kleinstadttypen: Dorfpunks 2012 - Generation Waschlappen

Als Anhänger einer Subkultur hat man's ja nicht immer leicht. Speziell als Punkrocker. "Was ist eigentlich Punk?", schallt es einem allenthalben fragend entgegen. Reicht es nur die Musik zu hören? Muss man einen Iro tragen und schnorrend in der Fußgängerzone sitzen? Hat Punk was mit Politik zu tun? 1000 Fragen, 1000 Antworten!!! Nach mittlerweile knapp 17 Jahren als Punkrocker bin ich immer noch nicht schlauer...

Bei mir fängt auch mittlerweile die Altersphase an. Also die Phase, wo man alles schon mal gesehen, gemacht und gehört hat. Und wo man nur noch mit dem Kopf schüttelt, über das was die nachfolgenden Generationen heute so gut finden, und was für einer Scheiße die sich freiwillig aussetzen. Das große Kopfschütteln fing bei mir persönlich mit "Emo" an, und ich bin bis heute nicht mit Kopfschütteln fertig. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr...

Denn wir sind ja bei PUNK und nicht bei Emo! Bei aller Verwirrung im Punk, gab und gibt es doch ein paar eherne Gesetze. Bei allem Streit über beste/schlechteste Bands zum Beispiel. Festgemeiselt in der Erden steht: RAMONES = cool! Kennt jeder, mag jeder! Kann man die Lederjacken-Chucks-Fraktion mit glücklich machen, genauso wie die Stachelpunk- und Iro-Fraktion. Dann: SLIME! Spiel irgendwo SLIME und alle Iropunks rotten sich zusammen und tanzen Pogo!!! Aber was widerfuhr mir nun am Samstag, dem 28. Januar 2012 im Meppener Rockpalast?!?! NATURGESETZE DES PUNK WURDEN AUSSER KRAFT GESETZT!!! SLIME ZIEHT NICHT MEHR!!!!

Ich muss zugeben, die ganze Aktion war auch so ein kleiner soziologischer Test meinerseits. Wir saßen vorher bei meinem Kumpel Ziege und - wie Punkrocker das so machen - spielten wir eine Partie "Mensch ärgere dich nicht" und hörten SLIME. Da ich beim "Mensch ärgere dich nicht" gnadenlos abgezogen wurde, dachte ich bei mir: "Im Rockpalast muss es besser werden! Wünsch dir da mal SLIME, mal gucken was passiert..." Gesagt getan, am Ort des Geschehens angekommen war die Tanzfläche gut gefüllt. Nicht unbedingt mit Punks, eher so Normalos, aber es war auch die Iro-, Nieten-, Deutschpunkabteilung anwesend, ich tippe mal auf 3-4 Leute im Alter von 17-20 Lenzen... Da der DJ meine Musikwünsche dort pflichtbewusst und umgehend erfüllt lief bald "Alle gegen alle" von SLIME. Nach den ersten Akkorden dann dieses Bild auf der Tanzfläche:


Man möge mir die leicht schwammige Bildqualität verzeihen, das entsprach in etwa meinem tatsächlichen Sehvermögen, denn wie Punkrocker das so tun, hatten wir vorher Havana Club 3 Anos getrunken. Die Quintessenz ist aber: NIX LOS! Tanzfläche wie leergefegt, die in pseudo-anarchischen Nix-Gut-Merch gewandeten "Punks" verkrümelten sich. Fassunglos saß ich da. Lied vorbei, nächstes Lied fängt an: DIE ÄRZTE "Schunder-Song". Dann das:


Der Dancefloor wird gestürmt von Hohlbirnen (sorry falls sich jemand auf dem Bild wiedererkennt, geschrieben im Affekt)! Punks sind hier noch nicht zu sehen, die kamen aber auch noch dazu. Absolute Facepalm-Situation! Nix gegen die ÄRZTE persönlich, BelaFarinRod sicherlich nette Typen, aber musiktechnisch eher Mainstream-Kiddie-Rock und von revolutionären Punk-Umstürzler-Tendenzen meilenweit entfernt! Aber SLIME? Mannoman, da hab ich früher die Revolution zu geplant! Die Pläne liegen immer noch in der Schublade, aber ihr wisst was ich sagen will: UMSTURZ-MUSIK!!!! Und heute? Gehen die "Punks" zu DIE ÄRZTE ab, statt zu SLIME! Entsetzlich!!!

Fazit: Meppener Jungpunks 2012 = Generation Waschlappen! Heute Iro und Augenbrauenpiercing, morgen Finanzberaterazubi... Kein Wunder, dass im Palast in letzter Zeit auch wieder verstärkt diese ekelhafte H&M-Proll-Skinhead Klientel anzutreffen ist. Nicht wirklich rechts, aber doch "unpolitisch" und Klopperei suchend. Vor 10 Jahren hätten die sich nicht in den Laden getraut, denn dann hätte ein von SLIME aufgestachelter Mob ihnen die Flötentöne schon beigebracht. Aber heute ist alles anders... Traurig! Weitere musikalische Tests hab ich mir mal verkniffen. Obwohl EXPLOITED vs. BÖHSE ONKELZ sicher interessant gewesen wäre...

Mittwoch, 25. Januar 2012

Bands: Emsland-Hype I – Backwood Creatures

Zum Ende des alten Jahrtausends erregten die BACKWOOD CREATURES nicht nur in Meppen einiges Aufsehen, sondern allmählich auch die Aufmerksamkeit der nationalen Fanzine-Szene. Ein ganz findiger Schreiberling saß in Oberhausen, seines Zeichens auch Bassist der Budget-Rocker NIMRODS, mit ihrem einzigartigen "One-String-Bass", hier im Einsatz zu sehen:


Waaaaahnsinn! Ich sehe jedesmal Bassvirtuosen und Musikschullehrer im Publikum verzweifeln, wenn die NIMRODS auftreten. Und Brandschutzbeauftragte, denn die Band hat auch immer massig Wunderkerzen im Gepäck und wirft mit Sonnenbrillen und all so'n Firlefanz. Die gibt's auch noch, ich glaube ich sollte mal ein Konzert mit denen machen...

... doch ich schweife ab. Dem besagten Bassvirtuosenfanzineschreiberling brannte damals jedenfalls (wir schreiben das Jahr 1998) die Frage unter den Nägeln: "Wo ist in Deutschland das zweite Seattle?!?!" Bzw.: "Wo kann ich durch einen klug platzierten Musikmagazin-Fachartikel das neue deutsche Seattle kreieren?!?!?" Tja, und da kamen die jungen und smarten BACKWOOD CREATURES daher! Tatsächlich haben die damals desöfteren in Oberhausen gespielt, bei den allseits beliebten "Crypt Style Hop" Parties. Und da in der emsländischen Heimat der BACKWOODS das Jahr über auch meist ähnlich mieses Wetter wie in der US-Hauptstadt des Grunge herrschte war schnell klar: MEPPEN IST DAS NEUE SEATTLE!!! Der "Emsland-Hype" war geboren!

Um dem Ganzen die nötige Substanz zu geben schrieb der schon erwähnte Fanziner noch schnell einen investigativ recherchierten Artikel und ab ging die wilde Fahrt (falls jemand eine total irre Einleitung erwartet, muss ich gestehen, dass die irgendwo in den Weiten des www verloren gegangen ist, deshalb geht’s hier gleich ohne viel Federlesen in die Vollen!!!):

 … Damit meine ich gar nicht, daß es da nicht schön wäre, oder so. Auch ich träume bisweilen von einem ruhigen Leben auf dem Land! (Natürlich nur mit guter Autobahnanbindung, am besten dreispurig!) Das Emsland ist aber wohl nun wirklich so etwas wie das bestgehütetste Geheimnis unter den „deutschen Landschaften“, gleichermaßen ein Phantom, von dem keiner so genau weiß, wo es nun eigentlich liegt, geschweige denn, daß auch nur einer schon mal das Wort gehört hätte. Abgeschiedenheit und das Leben in totaler Unbedeutendheit ist allerdings, und das ist ja auch die älteste Weisheit überhaupt, der ideale Nährboden für Träume und Spinnereien von Rock’n‘Roll und ähnlichem Tinnef. Da das Emsland obendrein, auch wenn‘s keiner wußte und schon erst recht keinen interessierte, in Deutschland liegt und das wiederum ein Land ist, in dem der Lebensstandard trotz Rezession und solchen Sachen ganz anständig hoch ist, ist es auch für den Durchschnittspapi (oder auch die Mami) locker drin, seinem Filius genug Taschengeld zukommen zu lassen, daß der sich davon eine Gitarre zusammensparen kann oder was man sonst halt noch so braucht, um eine Band aufzumachen.

So einfach geht das, und die Kleveren haben bestimmt schon gemerkt, das geht ganz einfach so wie überall in der Welt, und das ganze Provinzgelaber ist mal wieder nur journalistisches Blendwerk. Wieso um alles in der Welt sich diese Emsländer aber toften Pop-Punk QUEERS‘scher Prägung und nicht etwa so‘n modernes Fat Wreck-Zeug oder wenigstens Heavy Metal ausgesucht haben, das weiß ich nicht, da haben wir halt Glück gehabt. Das entscheidende an dieser Geschichte ist aber, daß die BACKWOOD CREATURES, das sind nämlich die Emsländer, von denen ich hier schon die ganze Zeit quassele (neben anderen, die ich vielleicht später dann beleuchte), das, wofür sie sich da entschieden haben, supergut können; also spitzenmässigen Kaugummi-Punkrock machen, daß es einem den Kniff aus der Hose trötet, meine ich. (Und deshalb haben wir so ein Glück gehabt! (...zumindest diejenigen, die sich gern mal sowas einschenken.))

An dieser Stelle wird es Zeit für Fakten! Knallhart recherchiertes biographisches Material über diese Band, die sich so selbstironisch als Hinterwäldler bezeichnet, ist es, was der Leser will. Die Geschichte der Band währt mittlerweile zwei Jahre und große Bäume haben die natürlich noch nicht ausgerissen. Wenn ich erfahre, daß der erste Auftritt auf einer Party stattfand, hört sich das für mich nach einer extrem klassischen Band-Sozialisation an. Ein positiver Schicksalsschlag traf die Band dann aber bei einem Auftritt in Lingen (das ist, glaub‘ ich, die R’n‘R-Hauptstadt des Emslandes, oder so), als sie der kleine/große Mann des Punkrocks in Deutschland, Jens „Bumper“ Stuhldreier, der mit seinen JET BUMPERS an jenem Abend auch auftrat, auf der Bühne sah. Der war ob des fachkundig präsentierten Pop-Punks selbstredend in gerechter Begeisterung und bot der Band seine leitende Hand an. In der Folgezeit verschaffte der Solinger, geschäftig wie er ist, seinen Schützlingen einige Auftritte, unter anderem auf seiner Weihnachtsparty anno ‘97 im „Kotten“. (Anm. d. Blogbetreibers: Es folgen die JET BUMPERS mit ihrem damaligen Tanzflächenfeger: "I wanna be like Milhouse")

Tja, so ging es dann immer weiter mit der Band, aber vom „Durchbruch“ (Haha, als ob es sowas gäbe in dieser Branche!) sind die BACKWOOD CREATURES natürlich noch Lichtjahre entfernt. Aber vielleicht ändert sich das ja bald! In Kürze erscheint nämlich die Debüt-Single der „Hinterwäldler des Rock“, wie sie sich aus Jux schon mal bezeichnen, auf Wild Weekend Records, dem aufstrebenden Label des Ehren-Emsländers Holger Daniel. Vier Stücke wird die Platte enthalten, und mit Titeln wie „Hang Around“ oder „Next Summer“ die gesamte Bandbreite adoleszenter Themenvielfalt abdecken. (Anm. d. Blogbetreibers: Es folgt "We can't surf", ein Song von besagter Debüt-Single der BACKWOOD CREATURES. Auch ein großartiger Livehit und nichts als die bittere Wahrheit: Trotz mühevoller Übungseinheiten am Meppener Möllersee konnte tatsächlich keiner aus der Band surfen...)

Damit erstmal genug zu den BACKWOOD CREATURES. Wir wollten doch noch mal sehen, ob es da im Emsland noch was anderes erwähnenswertes gibt. Schließlich wollen wir ja dem EMSLAND-HYPE, von dem soviel geraunt wird, auf die Schliche kommen. In diesem Zusammenhang fällt nämlich des öfteren noch der Name einer anderen Band, und zwar der der FREEBEES! Auch die sind aus irgendeinem unerfindlichen Grund aufs heftigste vom Pop-Punk-Virus infiziert und kleben sich wie irre ihre Gitarren mit einschlägigen Aufklebern von A, wie RIVERDALES, bis Z, wie QUEERS, voll. Das Tolle an den FREEBEES ist dabei, daß das noch echte Teenager sind! Blutjunge Rotznasen von 17, 18 Jahren sind das! So etwas zählt in unserer vom Jugendkult besessenen Gesellschaft natürlich eine Menge. Ich für meinen Teil kann mich ganz einfach immer köstlich amüsieren, wenn bei einem Konzert der FREEBEES deren halbe Klasse mitreist und ich mir vorstelle, was die nun für coole Typen in ihrer Schule sind. Aber so sollte es ja auch eigentlich sein, Pop-Punk sollte von Teenagern gespielt werden und nicht von abgehalfterten so-gut-wie-30-jährigen, die, obwohl sie‘s eigentlich besser wissen sollten, immer noch Rockstar-Spinnereien im Kopf haben. Im Vergleich mit den BACKWOOD CREATURES schneiden die FREEBEES allerdings noch eine Nuance holpriger ab, was freilich kein Nachteil sein muß. Außerdem haben sie eine kraße Vorliebe für ellenlange Balladen mit haufenweise langezogenen „Uuuhs“ und „Aaahs“, da sage noch einer, die heutige Jugend würde verrohen! (Anm. d. Blogbetreibers: Nachfolgend ein Song von THE VADERS, einer Nachfolgeband der FREEBEES, mit Bandchef Peter. Da sind sie aber schon eine ganze Ecke vom alten Poppunksound entfernt, also quasi total "verroht", pfui. Peter spielt derzeit außerdem noch bei THE AFFECTED.)

Wenn diese beiden Bands auch exakt dasselbe musikalische Feld beackern und das auch - mit den erwähnten graduellen Unterschieden - gleich prima machen, so muß ich zum Schluß jetzt aber doch mit einem Vorurteil abrechnen, auf das ich irreführender Weise (ich hab‘s aber extra in Anführungszeichen gesetzt!) auch im Titel dieses Artikels angesprochen habe. Es kann, und ich möchte das hier nun einmal - auch im Interesse des Emslandes selbst! - unmißverständlich klarstellen, von einem „Emsland Hype“ keine Rede sein. Die FREEBEES zum Beispiel kommen gar nicht aus dem Emsland, sondern - nagelt mich da jetzt bitte nicht fest - irgendwo aus dem Münsterland oder dem Teutoburger Wald oder weiß der Geier woher.

Für uns Metropolenbewohner mag da freilich kein Unterschied erkennbar zu sein - die ländliche Umgebung der Städte stellt sich uns doch meist trügerisch homogen dar -, aber es gibt nun mal Grenzen, und was kein Emsland ist, muß auch kein Emsland bleiben (oder so, ihr wißt schon was ich meine). Die BACKWOOD CREATURES sind demnach also die einzigen Emsländer in diesem Artikel, aber das ist wohl auch piep-egal, denn wichtig ist, was aus den Boxen rauskommt, wie weiland schon irgendjemand mal gesagt. In diesem Sinne: Gehaben Sie sich wohl.

Text von Stefan Moutty erschienen im Ox Fanzine / Ausgabe #33 (IV 1998). Emsländer wie auch Ibbenbürener schlagen noch heute die Hände über dem Kopf zusammen, wie man da geografisch in einen Topf geworfen wurde! Aber ich glaube für Ruhrpottbewohner liegt der Nordseestrand auch 500 Meter hinter dem Schüttorfer Kreuz. Wie auch immer, die Auswirkungen sind bekannt: Noch heute findet man desöfteren mal seinen Vorgarten verwüstet vor, wenn mal wieder ein MTV- oder VIVA-Kamerateam eine der unzähligen hippen Meppener Bands bei nächtlichen Eskapaden begleitet hat... Ein Erdbeben mit dem Epizentrum Emsland erschütterte die weltweite Musikszene!

Na ja, eher nicht... Aber eine gute Zeit war es damals trotzdem! Das angesprochene Konzert der BACKWOOD CREATURES mit den JET BUMPERS in Lingen fand im Dezember 1997 statt und gehört noch heute zu meinen Top10-Konzerten aller Zeiten! Inklusive allem jugendlichen Wahn der damals so dazugehörte: Alkoholeskapaden, Beinahe-Totalschaden der Sehhilfe beim Dorfpogo, Leute die danach monatelang nicht mehr mit einem geredet haben... Irgendwann werde ich hier noch mal einen Konzertbericht verfassen...

Die JET BUMPERS waren damals jedenfalls ungemein populär, da die überall und in jedem Kellerloch spielten und eine unglaublich gute Liveband waren. Ich erinnere mich wie ich mit BACKWOOD CREATURES Gitarrist Nilz in deren Wohnung im Herrenmühlenweg in der Küche saß und der tierisch nervös war, weil die gerade die Zusage für den Supportslot zugesagt bekommen hatten und jetzt das erste Mal mit einer „großen“ Band spielen konnten… Die „große“ Band entpuppte sich dann als obersympathisch, Frontmann Jenz Bumper war nach zwei Songs der BACKWOOD CREATURES zu 100% Fan und 2 Wochen später traten die Meppener dann in Solingen auf und versetzten den Rest der bundesdeutschen Punkrockszene in Verzückung. Aber davon bald mehr in diesem Theater, und zusätzlich auch den "Emsland Hype" Teil 2 und 3...