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Donnerstag, 3. September 2015

Konzerte: Kleinstadtfest 2015 | 28. + 29.08.2015 | Püntkers Patt/Meppen

Mannoman, was für ein Wochenende! Soviel schon mal vorweg! Nachdem das "Neon Fields Festival" in Haren Mitte August ja schon eine wahre Freude war (siehe HIER), haute das "Kleinstadtfest" in Meppen als zweites lokales Augustfestival noch mal voll rein!

Dabei war einiges anders als in den Vorjahren. Zum ersten Mal fand das "Kleinstadtfest" als eigenständige Veranstaltung statt, während es vorher immer im Rahmen des Stadtfestes integriert war. Außerdem waren diesmal die "Stilistiken" etwas getrennt. Freitag war der eher gitarren- bzw. rockorientierte Abend, während Samstag eher die Hip Hop/Rap-Fraktion bedient wurde. Meiner Meinung nach hat das auch gut geklappt, da auch am Samstag zunächst noch rockorientierte Bands gespielt haben und somit ein "gleitender" Übergang gegeben war. Fand ich also vollkommen okay, wobei ich hier auch nicht das Endfazit am Anfang direkt verbraten will, haha... Ihr sollt euch ja auch wieder durch einen viel zu langen Blogtext quälen müssen, ihr lesefaules Pack! ^^


Am Freitag ging's jedenfalls los mit BRUS (www.facebook.com/wearebrus) aus Lathen/Haren, da kam ich mitsamt Reisegruppe an, als die im 2-3 Song waren. Wer den Blog hier regelmäßig liest dürfte ja wissen, dass ich BRUS ganz geil finde. Minimalbesetzung (Gesang, Gitarre, Drums), alle Regler auf 11, rumsbumms ... das funktionierte auch auf der großen Festivalbühne gut! Hatten ein paar neue Songs im Gepäck und waren soundmäßig ziemlich fett. Meiner Meinung nach dürften sie zwar eher noch ne Schüppe dreckiger/garagiger werden, aber okay ... müssen sie auch selber wissen.

Publikumsmäßig war ich auch positiv überrascht. Zu der frühen Stunde hatten sich schon angenehm zahlreich die Zuschauer versammelt. Gewisse Bedenken, dass das "Kleinstadtfest" ohne "reguläres" Stadtfest drumherum nicht funktioniert konnten also hier schon beruhigt beiseite gelegt werden. DISTANCE REMAINS (www.facebook.com/thedistanceremains) legten derweil die Sahnegaskapseln beiseite und enterten die Bühne um den Meppener Lokalmatadorblock zu eröffnen. Sauberes Set, erste ausschweifendere Publikumsresonanzen, alles gut!

Die nächsten "local heroes" waren dann die süßen Boys von AGAINST RANDY (www.facebook.com/AgainstRandy) die ich hier zum ersten Mal in Viererbesetzung gesehen hab, da Sänger Markus Baalmann ja bekanntlich letztens leider ausgestiegen ist. Klappte alles sehr gut, keine Beschwerden! Schade eigentlich nur, dass Markus nicht noch für einen Song auf die Bühne geklettert ist obwohl er in 10 Meter Luftlinie Entfernung am Bierstand als Bedienung zugange war. Hätte sich bestimmt niemand beschwert wenn's mal 3-4 Minuten länger mit dem Pilsnachschub gedauert hätte... ;)


Anschließend kam so etwas wie der "Glücksgriff" des Festivalfreitags, denn kurzfristig waren die ROGERS (www.facebook.com/RogersPunkrock) aus Düsseldorf ins Line-Up gerutscht. In den letzten Wochen/Monaten sind das ja so kleine Durchstarter im Fahrwasser von solchen Bands wie den BROILERS gewesen, und das stellten sie auch in Meppen unter Beweis. Ich hatte irgendwie vorher schon den Eindruck, dass ein paar Nasen extra wegen denen angereist waren. Okay, ich persönlich kann diesem professionell gezockten "Studenten-Oi!-Alternative-Streetpunk" Sound (oder wie auch immer man das nennen will) jetzt nicht soooo viel abgewinnen, aber die Kids im Publikum haben das für unsere zurückhaltenden nordwestdeutschen Verhältnisse ganz gut abgefeiert. Und ein paar von denen die die ROGERS nicht kannten dürften mit einer neuen Lieblingsband nach Hause gegangen sein.

Grund für das Einspringen der ROGERS war leider das kurzfristige Ableben der eigentlich gebuchten BIG BALLS COWGIRL (www.facebook.com/BigBallsCowgirl) zwei Wochen vor dem "Kleinstadtfest". Schade, wieder 'ne Band weniger in Meppen. Gründet schnell was Neues, zack zack! ;)


Als nächstes kam dann mit LOVE A (www.facebook.com/makingloveathreatagain) aus Trier mein persönlicher Tagesfavorit. Da brauch ich auch gar nicht viel zu schreiben. Ich hab sie abgefeiert, abgefeiert hab ich sie. Neben mir auch noch viele andere Leute, was mir aber eigentlich auch egal war, haha... Danke für die Show, geile Combo! Dummerweise hab ich vor Ort vergessen mir die neue Platte zu kaufen. Na ja, wenn ich mir den weiteren Verlauf des Abends so angucke wäre ich wahrscheinlich auch mit Vinylsplittern in verbeulter Papphülle nach Hause gekommen und der Downloadcode wäre geklaut gewesen, haha...

Letzte Band des Abends waren WOODS OF BIRNAM (Facebook-page) mit eher ruhig-emotionalem Indie-Sound. An Referenzen hatte ich vorher nur die üblichen Sachen gelesen (ex-POLARKREIS 18, "Honig im Kopf" Soundtrack etc.) mir die Musik aber vorab absichtlich nicht angehört. Live funktionierte das dann aber ziemlich super. Zwar auch mal wieder nicht meine persönlich bevorzugte Musik, aber eine starke Band, starke Songs und ein sehr starker Sänger, der mich von der Stimmgewalt irgendwo etwas an die KILLERS erinnerte.

Zwar kam mir der Frontmann persönlich stellenweise etwas affektiert rüber, aber wenn man keinen großen Bock hat in einer Kleinstadt vor eher kleinerem Publikum (ich gehe mal von 1.000 bis 1.500 Leuten am ganzen Abend aus - eigentlich recht viel für Meppen) zu spielen, dann sollte man ggf. mal seinen Booker konsultieren und fragen warum der einen auf ein "Kleinstadtfest" nach Meppen bucht. Aber gut, meine Wahrnehmung kann mich da auch täuschen, das soll den ansonsten guten Eindruck von WOODS OF BIRNAM nicht schmälern...


Da der Freitag ja eher der "Rocktag" war hat's mich ehrlich gesagt kaum an die Riverstage verschlagen. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass das Meppener E/PI/ZENTRUM (www.facebook.com/epizentrummusic) da ordentlich Elektro-Budenzauber machte und sowohl die Riverstage saugeil hergerichtet aussah als auch unter den Bäumen alles wieder famos gemütlich dekoriert war.

Nach der letzten Band nahm dann natürlich die Eskalation ihren fatalen Lauf. Schon während des ganzen Festival-Drumherums war es eine wahre Freude zig dutzend Bekannte zu treffen, zu labern, zu trinken und generell mit den "richtigen Leuten" unterwegs zu sein. Alle cool drauf, alles chill, alles thrill! Bester Spruch des Abends drehte sich um Tomatenmark und die Freundin von ... ach nee, das führ ich hier mal lieber nicht näher aus... :D

Amüsierbedingt hatte ich also schon alle Lampen an als es in den Rockpalast rüberging. Dort war schon alles voller Menschen und als ich nichtsahnend an der Pyramide entlangschlenderte traf ich dort auf 3/4 von LOVE A. Jörkk kenn ich noch aus alten Fanzinetagen, daher war klar dass wir noch irgendwie zusammen einen zaubern mussten.

Die Burschen stellten auch gleich die richtigen Fragen ("Uns wurde erzählt in dem Laden hier darf man einfach so in die Ecke pinkeln, stimmt das?") und als 30 Sekunden später hinter den dreien eine junge Dame auf die Pyramide auf der sie gerade noch saßen kotzte stand einem zünftigen Abend an einer der exquisitesten Theken des Emslands nichts mehr im Wege. So erfuhren LOVE A im Rockpalast die Wunder von zauberhaften geistigen Getränken wie Russisch-Koks und anderen Überraschungen. Es war wunderbar, allerdings ist meine Erinnerung etwas benebelt, haha... Wenn sie nicht gestorben sind leben sie jedenfalls noch heute... Zumindest hab ich sie das letzte Mal draußen am Kippenautomat diskutierend gesehen, als ein wenig Uneinigkeit über Ansteuerung des Pennplatzes herrschte. Na ja, die sind ja schon groß, das sollen sie wohl noch hinbekommen haben...

Weitere Palastgespräche drehten sich um Poppers in Berlin und dass es für junge Leute sowieso erstrebenswerter ist wieder aus der ach so hippen Hauptstadt zurück ins Emsland zu ziehen, da es hier cooler ist. Lasst euch das gesagt sein, liebe Kinder! Auf dem Nachhauseweg hab ich bestimmt noch ein halbes Dutzend Menschen umarmt, ich hoffe da fühlte sich niemand belästigt. Im Grunde solltet ihr euch aber alle mal viel öfter umarmen, anstatt immer mit 'ner Flappe rumzulaufen und zu nörgeln oder gespielt cool zu tun und euch in Weltschmerz zu aalen. Lasst euch das ebenfalls gesagt sein, liebe Kinder!

Stichwort "Aal" im vorherigen Absatz: Ich musste noch drüber nachdenken warum kein Schnaps aus'm Räucheraal getrunken wurde. Wo war Uchte? Mit der Frage im Kopf fiel ich in Ohnmacht, peace! <3

Am nächsten Tag wachte ich um 14:21 Uhr mit der vagen Vermutung auf Fetenvollster gewesen zu sein. Aber nein! Für den ersten Lacher des Tages sorgte diese Message (bitte auf die Uhrzeit achten):


Ich weiß jetzt gar nicht ob ich sagen darf wer das geschrieben hat, haha... Nennen wir in mal Mister KiloWatt... Klarer Fall von Lederallergie! Solche Leute meinte ich allerdings weiter oben mit "mit den richtigen Leuten unterwegs" sein! Herrlich war's! Ich kann zu meinem Glück jedenfalls sagen, dass ich in meinem eigenen Bett wach geworden bin (Lederjacke und sonst nackt), haha... Und dass ich es halbwegs pünktlich zum Anpfiff von "Kleinstadtfest Tag 2" geschafft hab, während Mister KiloWatt bis Mitternacht noch auf der Vermisstenliste stand. Hat er dann aber wieder wett gemacht, als er im mega-stylishen hellgrauen Kanye-West-Wannabe-Jogginganzug-Outfit auftauchte ... geil! Fashion-Award an Meppens Mister KiloWatt! Run for president in 2020, go go go! ;)

Die Formulierung "halbwegs pünktlich zu Tag 2" beinhaltet leider die Tatsache, dass ich nicht ganz pünktlich war und den Opener A PLACE TO FALL (www.facebook.com/aplacetofall) verpasst habe. Sorry Jungs, aber wo gehobelt wird, da kann man auch mal zu spät kommen...

Dementsprechend startete der Tag also mit Mega-Vollgas, denn so waren STORM OF WIND (Facebook-page) für mich die erste Band. Ich war so aufgeregt, als ich ankam war meine Sonnenbrille schon ganz beschlagen. War vielleicht auch besser so, denn wenn man sich die Band ohne adäquaten Augenschutz bei Tageslicht anguckt wird man sicherlich umgehend blind!!! Hier muss ich wohl auch nicht drauf hinweisen, dass ich Hardcore-Fan bin. Verständnisloses Kopfschütteln ist mir da egal, STORM OF WIND sind die Geilsten! Eine Band wie ein Naturereignis! Der regenbogenfarbene Sternzerstörer des Metal! Unvergleichlich! Auch die Konstellation, dass ausgerechnet die den Hip Hop Tag mit eröffneten war natürlich unvergleichlich. Dementsprechend waren auch die Publikumsreaktionen (auch hier schon zu Anfang bereits akzeptabel gute Zahlen) sehr lustig und vielfältig, wenn z. B. immer wieder mal ein schwer irritiert wirkender Rapper vor der Bühne langhuschte, kleine Migrantenkinder völlig entfesselt tanzten oder als ich mir vor Lachen fast in die Hose machten musste als Sänger/Drummer Chicken unvorbereitet einen Delphin-Helium-Trick vorführte. Muss man gesehen haben, aber selbst dann kann man es nicht ganz begreifen! :D


Anschließend steuerten DIE VON GESTERN (www.facebook.com/DieVonGestern) dann schon eher auf die Hip Hop Richtung zu, aber mit kompletter Bandbesetzung. Nach meinem Empfinden schon seeeeehr stark an KRAFTKLUB angelehnt gab es von den Sögelern (zumindest glaub ich, dass die da herkommen) also Sprechgesang-inspirierte Vocals gepaart mit poppig bratendem Indierock. Das machten die auch sehr gut und professionell, auch wenn jetzt nicht jede Ansage über 'ne Bridge im Song total witzig war, aber okay... Während STORM OF WIND vorher aber einen Typen im Line-Up hatten der nichts anderes machte als den Tanzkasper, hatten DIE VON GESTERN einen dritten (!) Gitarristen dabei, der am Ende irgendwie nichts anderes machte als Konfetti zu schmeißen. Wer sich so einen Luxus leistet kann natürlich keine schlechte Band sein, haha...

Zwischenzeitlich war ich aber auch kurz abgelenkt, weil ich versuchte Chicken von STORM OF WIND seine Delfin-Leggins abzuschwatzen. Auf irgendwas hatten wir uns auch geeinigt, aber ich weiß nicht mehr was, haha... Bitte melden und Deal klarmachen Chicken! ;) Nebenbei bemerkt tauchten zu dieser Zeit vor der Bühne auch zwei total betrunken Personen in Wildwestkostümen auf, die für viel Erheiterung sorgten. Bei mir außerdem für Erleichterung, denn die Trophäen für die fetenvollsten Personen waren damit frühzeitig anderweitig vergeben, puh! Ich peilte derweil den "Beer-Godmode" an, was auch ganz gut klappte.

Was das Bühnenprogramm angeht, verlagerte ich meine Aktivitäten dann an die Riverstage, denn da war das DJ-Team von "Beatschicht/Ahoi" (www.facebook.com/beatschicht) aus Lingen zugange. Von denen kenn ich einen, hatte da irgendwie den Erstkontakt hergestellt und wollte da natürlich mal eben vorstellig werden um den dicken Max und Strippenzieher zu markieren... Nee Quatsch, "eben" Hallo gesagt, super Leute kennengelernt, kleben geblieben, großartig amüsiert, Fachgespräche über Weißwein geführt, Tom Jones gewünscht (und es wurde gespielt!) und noch 'n stylishen Turnbeutel geschenkt bekommen. Tolle Sache an der Riverstage, sorry an CASTELLUM und IMZ (www.facebook.com/imz.musik), die ich durch meinen Abstecher ans Wasser größtenteils verpasst hab.


Zu LAAS UNLTD (www.facebook.com/laasunltd) war ich dann aber wieder vor der Hauptbühne, weil man da auch direkt merkte, dass man sich das besser anguckt, denn da war ein Könner seines Fachs am Werk. Nicht dass ich groß Ahnung von Deutschrap hab, aber der Bursche planierte da schon einiges in Grund und Boden, speziell als er dann auch noch 'ne Runde freestylte! Geil!

Danach war ich mir nicht sicher ob man das noch toppen konnte, aber RETROGOTT & HULK HODN (Facebook-page) waren danach noch mal ähnlich geil, wenn auch anders. Der Bursche am Mic war nämlich eher der lässig-flapsige Typ der auch irgendwie den Eindruck machte als hätte er vorher an der ein oder anderen Sportzigarette gezogen. An Reimen und Texten saß aber alles wie 'ne Eins und die Leute feierten das Ganze hart ab! Chapeau!


Und damit endete dann auch das Bühnenprogramm an Tag 2 des "Kleinstadtfestes"! Für meinen Teil muss ich sagen: Wenn ich als "rock-orientierter" Typ am "Hip Hop Tag" zwei von den Rap-Acts außerordentlich stark finde, dann war das ein mehr als gelungenes Manöver. Alles "schlauer" bzw. lässiger Rap, kein Gangsta-Schrott. Supergut! Die Aftershowparty im Rockpalast war dann zwar nicht mehr ganz so wild wie am Freitag aber trotzdem: Dutzende nette Menschen (mal wieder) getroffen, prächtig amüsiert, gut unterhalten, geil! :)

Ein kleines Fazit zum Gesamtprojekt "Kleinstadtfest" hatte ich ja schon in der Einleitung vorweggenommen. Abschließend sei gesagt: Rundum gelungen!
  • gute Bands, keine Ausfälle aus musikalischer Hinsicht (witzigerweise diesmal nur deutsche Bands ist mir grad mal aufgefallen)
  • gute Orga, alles lief wie am Schnürchen
  • gutes Wetter!!!
  • Location wieder wunderbar hergerichtet, spezielles Flair
  • feines Essen (z. B. Essensstand "Las Vegans" aus Bochum mit netten Leutchen am Verkauf)
  • durchgängig entspannte friedliche Stimmung
  • umsonst und draußen!
Es gäbe vielleicht noch mehr Punkte, aber ich meine: Wer den Blog hier kennt, weiß das ich mit ehrlichen Meinungen nicht hinterm Berg halten würde. Und wenn da was scheiße gelaufen wäre, hätte ich keine Probleme das hier breitzutreten. Aber das waren wirklich zwei toll-wild-chillig-coole Tage, die irgendwie (zusammen mit dem ebenso guten "Neon Fields" in Haren) den perfekten Sommerabschluss 2015 gebildet haben.

Ich hab zwischenzeitlich von keiner Seite größere Kritik gehört, dementsprechend werte ich es auch so, dass bestimmt ein paar hundert Leute meiner Meinung sind (denn in dem Rahmen bewegten sich die Zuschauerzahlen). Da bedanke ich mich an dieser Stelle auch noch mal stellvertretend bei den Organisatoren und Helfern!!! Neben den Stadtjugendpflegern Karsten und Peter sind das an die 50 ehrenamtlichen jugendlichen Mitorganisatoren und Helfer, die seit Mittwoch am Püntkers Patt (und in der Orga mit 8 Monaten Vorlauf) geackert und Freizeit und Urlaubstage für den ganzen Shizzle geopfert haben. Am Sonntag war ich noch kurz da um was abzugeben, da haben die Armen den ganzen Kram im Schweiße ihres Angesichtes wieder abgebaut.

Also: Respekt und ganz großes Dankeschön!!! Das "Kleinstadtfest" als eigenständige Veranstaltung war definitiv ein großer Erfolg und eine Bereicherung für Meppen! Ich bin schon gespannt auf's nächste Jahr! :)

***

So geht's weiter in den nächsten Wochen ... geht mehr auf Konzerte!!! (wer weitere Konzerttipps hat => gerne per Mail - kein Bullshit!):
  • 18./19.09.2015: Rock am Pferdemarkt - Lingen: Facebook-Eventpage
  • 20.09.2015: John Allen - Klavierhaus Dausin, Meppen: Facebook-Event
  • 26.09.2015: Adrien Son + Rocksport - Jugendzentrum "Jam", Meppen: Facebook-Event
  • 10.10.2015: Rob Moir + Support - Jugendzentrum "Jam", Meppen
  • 16.10.2015: Read ’Em All - die METAL-Lesung - Jugendzentrum "Jam", Meppen: Facebook-Event
  • 18.10.2015: GReeeN - Jugendzentrum "Jam", Meppen: Facebook-Event
  • 23./24.10.2015: Rockpalast Jubiläumsfeierlichkeiten (mit Livemusik: tba) - Rockpalast, Meppen
  • 25.10.2015: I Saw Daylight, My Defens, Mobina Galore - Jugendzentrum "Jam", Meppen
  • 19.12.2015: Jancee Pornick Casino + tba - Jugendzentrum "Jam", Meppen
  • 04.03.2016: Kleinstadt-Comedy Vol. 2 - Windthorst-Theater, Meppen

Mittwoch, 15. Mai 2013

Konzerte: PERDITION, THE AFFECTED, TMH | 11.05.2013 | JuZ "Jam", Meppen

Letzten Samstag Bartalarm mit den Texanern von PERDITION im Jugendzentrum! Sehr geile Sache, aber ich will nicht vorgreifen, da in den Tagen davor auch noch andere Sachen anlagen. Am 03.05. spielten z. B. KNALLFROSCH ELEKTRO im JuZ ... dooferweise hatte ich da eigentlich keine Zeit, befand mich gegen 22 Uhr aber doch in der JuZ-Nachbarschaft um kurz für 2-3 Songs und 'n Bier reinzugucken. Was soll ich sagen: Sackstarke Band! Volle Rock-Besetzung plus ein Sample-/Elektrosoundmensch und zwei Sänger, Shouter, MCs oder wieauchimmer man das heutzutage auf neudeutsch nennt... Ein Video hab ich noch gemacht, das sehr ihr hier:


Leider war die Zuschauerresonanz mehr als bescheiden. Die Band hätte definitiv eine größere Menge Leute verdient gehabt. Die Nasen die da waren haben aber das Beste draus gemacht und hart gefeiert. Keine Ahnung woran's lag - okay, die Werbung war nach meinem Empfinden vorher z. B. relativ dürftig. Soweit ich weiß gab's weder Flyer noch Plakate und alles sollte über Facebook/Web laufen. Ist in diesem Fall dann wohl offensichtlich stark nach hinten losgegangen, schade...

Am Donnerstag, den 09.05., flitzte dann noch eine kleine Reisegruppe zu LOVE A nach Osna in die "Kleine Freiheit". Na ja, eigentlich spielten da auch noch HERRENMAGAZIN, von denen ich aber nur ein oder zwei Songs gesehen hab, um den Rest draußen zu verlabern ... haha, kommt vor - hatte auch keinen Eintritt bezahlt, von daher... LOVE A finde ich natürlich nach wie vor super, deren Sänger JörKK war auch Grund des Festlaberns draußen, da hat er Lollis verschenkt und Mammuthaar- oder Büffelgraswodka oder sowas ausgegeben, ich weiß es nicht mehr.

Interessant war auch, dass der Sänger von KOETER als Merchmann mit war und wir noch die Anekdote des schrecklichsten Konzerts ausgraben konnten, das er je mit seiner vorherigen Band gegeben hat. NEIN NEIN NEIN waren das und das Konzert war mit VOM SEGELN und einer ganz schlimmen Deutschpunkschülercombo im JuZ in Papenburg. Ich war als Zuschauer da, er stand auf der Bühne - Kurzfassung: Der VOM SEGELN Sänger packte während seines Auftritts seinen Pillermann aus und rieb den an den Köpfen der vorne auf dem Bühnenrand sitzenden Oettinger-Ranzpunks. Vorausgegangen waren natürlich diverse Provokationen und blöde Sprüche, aber die Aktion trug natürlich nicht unbedingt zur Deeskalation bei, hehe... Die Stimmung war also dementsprechend geladen, was dann in diversen Facepalm-Situationen und Beinahe-Kloppereien auf der Bühne bei NEIN NEIN NEIN endete. Haha, goldene Zeiten! Ich hatte da damals auch einen Konzertbericht zu geschrieben, befürchte aber, dass der im Zuge meines PC-Supergaus in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist. Na ja, sei's drum... Wenn ich den noch mal finde wird der nachgereicht...

Am nächsten Tag gab's für wenige Eingeweihte in den eigenen vier Wänden dann noch den lange geplanten "Hintenhoch-Abend" - neben medizinisch hochwertigem Kräuterschnapps gab's da u. a. diverse DVD-Ausflügen in die Musikhistorie. Immer wieder gerne genommen bei solchen Anlässen: RAMONES live 1978 bei Radio Bremen, die OiRO-Kneipentour (ein unterhaltsames Musterbeispiel langsamer Eskalation) und "Hated" von und mit GG Allin (wollte ich eigentlich als Rausschmeißer benutzen, irgendwie sind die meisten aber doch sitzen geblieben, nur einer hat versucht über den Balkon zu türmen). Irgendwas haben wir noch geguckt, keine Ahnung was, ab ca. 0 Uhr setzt alles ein wenig aus. THE CRAMPS live im Irrenhaus fehlte eigentlich noch, aber nu ... nächstes Mal! Tja, schee war's, am nächsten Tag war ich wie von Zauberhand von allen vorherigen körperlichen Leiden und Mälessen befreit und fit wie 'n Turnschuh. Nur nachts noch in den Palast zu fahren hätte ich mir sparen können. Erstens weiß ich da kaum noch was von, zweitens soll mein erster Satz gewesen sein: "Woll'n wir wieder abhauen?"


Samstag abend dann endlich: Beardcore-Time mit PERDITION! Das Flyermotiv dazu hatte ich gezaubert, was die Band auch ganz knorke fand, ist ja immer schön sowas zu hören. Nur gab's auch in diesem Fall wieder keine gedruckten Flyer und nur eine Handvoll selbstgedruckter A3-Plakate. Bedauerlich! Und auch hier waren weniger Leute als man wohl hätte erreichen können, wenn die Werbung auf allen Kanälen gestimmt hätte. Aber na ja, das JuZ war ganz passabel gefüllt, an diesem Abend also nicht soooo schlimm. Freundliche Leute übrigens, auch 'ne ganze Handvoll Auswärtiger, die mich immer ganz freundlich auf dem Herrenklo grüßten, keine Ahnung wie ich das zu deuten hab...

Erste Band waren die Blutackerboys von TMH, die irgendwie voll unter Strom standen, oder dem Einfluss von Sahnegas. Auf jeden Fall hüpften die wild auf der Bühne rum, verloren andauernd ihre Gitarrengurte und fabrizierten sogar einen Kabelbruch. Wunderschön anzusehen, hier der Beweis:


Danach dann THE AFFECTED aus Ibbenbüren, die ja auch ein kleines Meppen-Abo haben. Waren glaube ich zum dritten Mal da, das erste Mal war vor ziemlich genau einem Jahr, als ich die geholt hatte. Damals geschahen noch diverse Russisch-Koks-Exzesse im Rockpalast, woraufhin diesmal großspurig angekündigt wurde, dass die ganze Blase bei mir pennen soll um nach dem Konzert noch ordentlich zaubern zu können. Tja, letztendlich sagten dann aber alle: "Mimimi, wir wollen doch lieber nach Hause, mimi..." Nun denn, die ganze Bude zuhause klebte sowieso noch vom verschütteten Hintenhoch vom Vorabend, passte also ganz gut, sonst hätte ich die Schmarotzer da am Sonntag eh nicht vom Boden kratzen können, hehe...

Da THE AFFECTED in Meppen alte Bekannte sind, kam der schmissige Ibbtown-Punkrock wie immer gut an. Zu erwähnen wäre, dass alle drei Bandmitglieder schon den ganzen Abend auf Krawall gebürstet waren und sich ständig gegenseitig kabbelten, was letztendlich auf der Bühne darin endete, dass Bassist Dennis dem Drummer Phil während des Auftritts "aus Versehen" in den Mund spuckte. Ach herrlich, das sind doch die herzerwärmenden Dinge, die ich auf einer Bühne sehen will. Hier im Video eingefangen, ca. bei Minute 1:55!


Den krönenden Abschluss des Abends bereiteten dann schließlich PERDITION aus Fort Worth/Texas am letzten Tag ihrer Europatournee! Was soll ich sagen: Die Bandfotos waren nicht gephotoshopped, die hatten wirklich so lange Bärte! Speziell was der Frontmann und der Drummer da im Gesicht trugen war schon aller Ehren wert! Entgegen aller Vermutungen waren sie aber weder Amisch noch Taliban, ich glaube die finden das einfach nur so cool. Ich hatte für den Abend extra drei Wochen Gesichtsbehaarung stehen lassen, aber nee, da konnte ich nicht mithalten! Und der zweite Gitarrist hatte auch noch wunderschöne Korkenzieherlocken, herrlich, man konnte glatt neidisch werden. Rein optisch also: Texas - Meppen 1:0!

Ansonsten glänzten PERDITION auch mit Songtiteln wie "I don't get drunk, I get awesome" und dem witzigen Video zu "Gatorade Punch". Musikalisch limitierten die sich aber glücklicherweise nicht auf eindimensionalen Funpunk - das war eine wirklich starke Mischung aus knackigem Punkrock, durchaus poppig und eingängig, aber auch gern mit folkigen Elementen wie bekannt von HOT WATER MUSIC und allen entsprechenden Epigonen. Dazu dann noch wirklich guter kraftvoller Gesang und - ich wage es mal zu behaupten - einer kleinen Vorliebe für 80ies-Metal/Hardrock, die immer mal wieder in ein paar harmonisierten Gitarrenlinien anklang. Wirklich prima! Und wenn eine Amiband auf die Bühne kommt - man muss es ja fast sagen - hebt sich das Level der Professionalität immer noch mal ein Stück. Auf den Punkt aufeinander eingespielt hauten die Texaner da also eine Show raus die sich gewaschen hatte! Bestens!


Da anschließend noch etwas Luft war, fläzten wir noch ein bisschen im JuZ rum und wurden Zeuge einer ungeahnten Solo-Einlage eines TMH-Mitglieds - muss man gesehen haben, es brachen beinahe alle Dämme, haha! Da konnte ich auch mit einem Nasenflötensolo nicht gegen anstinken... Dann aber schnell rüber in den Palast, wobei mir einfällt, dass ich noch gar nicht auf die Bierpreiserhöhung in dem Schuppen eingegangen bin. Erübrigte sich an diesem Abend aber ohnehin, weil ich direkt mit brennendem Schnapps ins Rennen ging, oh man... Da kann ja nix vernünftiges bei rauskommen...

Nach kurzer Zeit trafen auch die Texaner ein, die eigentlich nachts noch zum Flughafen wollten, aber offensichtlich Bock auf Druckbetankung hatten. Nebenbei bemerkt alles sehr nette Typen, von denen jeder auf die Frage, wer denn die arme Sau wäre, die nachts noch den Fahrer zum Flughafen machen müsste, antwortete: "I dunno, I'm not the driver! Cheers!" Sprach's und nippte an einem hochprozentigen Getränk seiner Wahl... Like a boss! Und wie immer wenn Amis in der Stadt sind und Meppener die ersten 10-12 Bier aufhaben, kam es natürlich noch zu den üblichen amüsanten Szenen: Englischrodeo galore, Absinthwetten, Bartabkaufanfragen und und und...

In der Stadt waren nachher übrigens auch viele verschiedene Mitglieder diverser lokaler Bands unterwegs, die auch auf dem "Rock unter Linden" spielen werden. Da ich mal wieder investigativ unterwegs war, wurde mir gesteckt, dass eine Band auf dem Festival eine Aktion plant, für die (O-Ton) "alle Bands und alle Besucher uns hassen werden!" Na da bin ich ja mal gespannt ...  aber jetzt kommt's: Wie ich bei genauerer Prüfung meines Terminkalenders feststellen musste, werde ich wahrscheinlich gar nicht beim RuL auflaufen können!!! Oder erst so spät, wenn gar keine Band mehr spielt!!! So ein Scheiß! Dementsprechend angepisst pegelte ich mich dann im Palast unsinnigerweise noch mehr zu als ohnehin schon. Keine Ahnung was noch war, nur dass ich zu Fuss nach Hause getrieselt bin und es auch noch geregnet hat... Kacke, aber im Moment klebt mir das Pech auch in fast allen Lebensbereichen an den Hacken, wie verhext isses...

Na ja, bis demnächst in diesem Theater. Bitte RuL-Skandale für mich mitschneiden, bin dann anderweitig verhindert... :(

Donnerstag, 25. April 2013

Reviews: LOVE A, TURBOSTAAT, AFFENMESSERKAMPF

Sehr schlau von mir Reviews erst zu schreiben, wenn die Platten schon erschienen sind, von denen man die Promos hier schon seit Wochen rumfliegen hat. Eigentlich wären die folgenden Scheiben auch was für mein Fanzine gewesen, aber da ist leider in den letzten Wochen einiges gegen die Wand gefahren - und bevor hier alles untergeht vor lauter Neu- und Umstrukturierungen, bin ich einfach mal so frei über diesen Kanal meinen Senf dazu abzugeben. Weil es sich ja - nebenbei bemerkt - auch sämtlich um deutschsprachige Veröffentlichungen handelt ... und wenn die dämliche Intro neuerdings schon ein bekacktes "Deutschpunk-Special" macht, kann ich das schon lange, ha:

LOVE A - Irgendwie
LP, CD, digital | Rookie Records/Cargo | 13 Songs - 38:14 Minuten
Vorweg gesagt: Dieses Album läuft bei mir seit einiger Zeit ziemlich auf Dauerrotation. LOVE A Sänger JörKK kenne ich noch als geschätzten Kollegen vom Ox Fanzine und ich erinnere mich auch noch an seine alte Band ULTRAFAIR. Die hatten glaub ich damals das Vintage-Schlagzeug von ihrem Onkel Heinz für ihre Studioaufnahmen verschachert ... oder so ... ich denke mal solche Opfer werden LOVE A heute nicht mehr bringen müssen, denn die katapultieren sich mit "Irgendwie" locker ganz nach vorne in die deutsche Indie-/Postpunk-Liga! Nun muss ich für meinen Teil allerdings sagen, dass ich mich in den letzten Jahren eher wenig mit "Punk mit deutschen Texten" beschäftigt habe (dazu kann man LOVE A im weitesten Sinne noch zählen, finde ich), außer in regelmäßigen Abständen vor meinem EA80/DUESENJAEGER-Schrein zu beten. Daher hab ich das LOVE A Debüt "Eigentlich" auch irgendwie verpasst, ähem ... aber vielleicht liegt's genau daran, dass mir die neue Scheibe "Irgendwie" jetzt wie ein frischer Wind um die Ohren weht! Wunderbar! Zwar hab ich das böse Wort "Punk" da oben schon benutzt, aber im Grunde gehen LOVE A oft ziemlich "unpunkig" zu Werke. Wo andere Bands den Songzenit oft in einer Saitenschredderorgie suchen, spielt die Gitarre hier stattdessen eine ausgeklügelte Melodie. Also doch Pop? Warum nicht! Man verstehe mich nichts falsch, ich hab nichts gegen schreddern, aber wenn eine Band so gekonnt unverzerrte Melodien einsetzt und bei perfektem Arrangement trotzdem den funktionierenden Song nicht vergisst, finde ich das super. LOVE A machen das auf "Irgendwie" nahezu in Perfektion! Punk im Herzen, (Indie-)Eingängigkeit im Sound und natürlich darf auch die NDW-Referenz nicht fehlen - auch wenn LOVE A nicht so Berlin sind wie damals IDEAL und nicht ganz so genial minimalistisch wie die frühen TRIO. Auch textlich bietet die Platte höchstes Niveau: Smart, selbstironisch und humorvoll wird z. B. in "Der tausendste Affe" die deutschsprachige Popkultur der letzten 30-40 Jahre zerlegt. Daneben gibt's noch einiges mehr zu entdecken, denn wo andere Bands sich hilflos einen an der (Gossen-)Lyrik abbrechen, scheinen LOVE A sich das mal eben locker aus dem Handgelenk zu schütteln. Und die Textzeile "Du hast keine Ahnung, wofür mein Herz schlägt! Du hast keine Ahnung, wer ich bin!" könnte in diesem Jahr das Wasser auf die (Wind-)Mühlen der konformen/nonkonformen Indie-Hipsterjugend werden und zum 2013er-Tanzflächen-Shoutout mutieren. Aber das Ganze kommt halt nicht blöd rüber und wirkt nicht aufgesetzt. Emotional ja, aber nicht zum Selbstzweck. Viel mitgemacht, heart on the sleeve, man kann ja mal drüber reden ... oder singen! Es kann heutzutage nicht jede deutsche Band von sich behaupten, Texte zu haben, mit denen sich die Leute vom Teenie bis zum saturierten Ü30-Quitter identifizieren können. (Wobei ich hier natürlich nicht von DTH-Bierzeltpunk oder - noch schlimmer - Dumpfmuffenrock wie B.O./FR.WLD rede, hehe...) LOVE A könnte eine werden. Ich find's super! Eine der besten Platten im ersten Halbjahr 2013 bisher!


TURBOSTAAT - Stadt der Angst
LP, CD, digital | Clouds Hill/Rough Trade | 12 Songs - 42:49 Minuten
Ist ja irgendwie blöd, Platten miteinander zu vergleichen, aber die neue TURBOSTAAT kam bei mir zeitgleich mit der oben besprochenen LOVE A Scheibe an. Und da die LOVE A für mich direkt ein ziemlicher Gewinner war und ich die rauf und runter gehört habe, hab ich die neue TURBOSTAAT wohl etwas stiefmütterlich behandelt. Was aber keinesfalls heißen soll, dass die neue Platte der Flensburger schlecht ist! Mitnichten! Man bekommt die gewohnte TURBOSTAAT-Qualität - aber irgendwie ist die neue Platte auch anders. Liegt's daran, dass von den vielen maritimen Anspielungen auf "Stadt der Angst" wenig geblieben ist? Ich find's ganz gut, denn vielen Epigonenbands fiel ja offensichtlicht kaum mehr etwas anderes ein, als diese ganze Schiffs-/Seefahrer-Metaphorik von TURBOSTAAT zu klauen... So ein kantiger Startsong wie "Eine Stadt gibt auf" walzt auch erst mal düster alle romantischen Gefühle nieder - während die Band einen im weiteren Albumverlauf dann auch wieder auf altbewährte Weise an die Hand nimmt und das gute alte "TURBOSTAAT-Feeling" wieder entfacht. Insofern kann man das Ganze vielleicht mit der Situation vergleichen, wenn man einen alten Bekannten wiedertrifft. Eine Zeit lang nicht gesehen, erstmal zusammensetzen und erzählen, ein paar neue Sachen erlebt, erstmal drüber reden, es war halt nicht alles rosarot ... aber im Grunde ist er immer noch der gleiche liebenswerte Kauz wie vor einem Jahr, als du ihn das letzte Mal besoffen beim Meppener "Rock unter Linden" Festival gesehen hast... Und da standen TURBOSTAAT ja auch auf den Brettern. Vielleicht nicht ihre beste Platte, aber klar, immer noch 1. Liga, falsch machen kann man damit definitiv nichts.

AFFENMESSERKAMPF - Doch
LP + Download | Narshardaa Records | 12 Songs - 21:05 Minuten
Okay, an AFFENMESSERKAMPF geht natürlich als erstes mal der "Bester-Bandname-Award". Und mit "Doch" bringen die fünf Burschen auch gleich noch ein sackstarkes Album raus. Im Vergleich zu den hier ebenfalls besprochenen LOVE A und TURBOSTAAT liefern AFFENMESSERKAMPF definitiv die angepissteste Punk-Rotzigkeit in dieser Reviewsektion ab! Klar, bei (ex-?)TACKLEBERRY Mitgliedern darf man eine ordentliche Hardcorepunk-Kante erwarten, die hier gerne mal bedient wird (z. B. "Ein deutsches Herz hat aufgehört zu schlagen II + III"). Aber die Platte rockt auch ordentlich, wenn man's weiß kann man da durchaus raushören, dass Gitarrist Leif noch bei einer Band wie DIETER JACKSON spielt. Auch die schleswig-holsteinische Nähe zu TURBOSTAAT lässt sich irgendwie nicht verleugnen, kann aber auch sein, dass mich nur der Gesang da stark dran erinnert. Wie dem auch sei, AFFENMESSERKAMPF drehen alle diese musikalischen Zutaten ordentlich durch den Wolf, kochen ihr eigenes Süppchen daraus und garnieren das Ganze dann mit passenden Samples ("Nudelsalat") und sarkastischen Schlaumeier-Lyrics ("Du verdienst deinen Job | im Vodafone-Shop | und dein Job verdient dich!" oder "Nach dem Prinzip der Wiederaufforstung | könnte ich dir auch aufs Maul hauen | solange ich danach den Arzt bezahl'" oder "Ich muss nicht wissen was mir gefällt | solange ich weiß was ich verachte..." etc. pp.). Mit Songtiteln wie "Ich so,Typ: Romantischer Rebell" und "Oi! Spaziergang" kann ich mich natürlich auch von vorne bis hinten identifizieren, haha ... passt also wie Arsch auf Eimer.
Auch ansonsten sind die Jungs recht stilsicher, denn auch wenn ich das Plattencover etwas - ähm - "schlicht" finde, ist das Beiheft zur Platte als verschandeltes Rätselheft sehr cool aufgemacht und auch die Bandfotos (Achtung: Suchbild!) sprechen mich sehr an. Voll süße BOi!s im reifen Alter, echt! Außerdem haben die Sascha Hehn auf ihren Band-T-Shirts, damit kann man nur gewinnen (Anm. d. Red.: Es könnte sich bei näherer Betrachtung auch um Roland Kaiser handeln. Der verantwortliche Schmierfink wurde gefeuert!). Pick your king! Hatte ich erwähnt, dass die Scheibe recht flott ist? Kein Song knackt die 3-Minuten-Marke! Ich finde das sehr erfrischend, weniger ist ja manchmal mehr. Auch der Sound ist sehr gut, was ich jetzt noch mit unpunkigem Hintergrundwissen garnieren kann: Gemastert wurde die Platte nämlich von Henrik Jonsson in Schweden, der offensichtlich auch schon bei ROXETTE für den Sound verantwortlich war... Uijuijui, is datt noch Punk?!? Na ja, ich würde mal sagen AFFENMESSERKAMPF haben mehr Punk unter'm großen Zehnagel als halb Meppen im CD-Regal oder auf der Festplatte. Schließlich wurden die schon von einem erzürnten Frank Z. mit Kronkorken beworfen und haben verbotenerweise Rod G.'s Nobeltequila ausgesoffen. Deutschpunk-Connaisseure wissen jetzt natürlich um wen es sich handelt, der Rest hört bitte weiter BROILERS oder solchen Quatsch, haha... Die Erstauflage der Platte kam übrigens auch in schickem schwarz-weiß gesplattertem Vinyl, das zeig ich hier noch mal zum Angeben, weil ich ja sonst nix zu lachen hab. Was AFFENMESSERKAMPF betrifft: Geile Band, geile Platte, Punk Alter!

AFFENMESSERKAMPF: Doch LP (Erstauflage, Teppich nicht im Lieferumfang enthalten!)