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Dienstag, 27. Oktober 2015

Konzerte: 33 Jahre Rockpalast Festival | 23./24.10.2015 | Meppen - Rockpalast (plus Hardcorepunk-Sonntag im "Jam")

Oh man, drei Tage Vollgas, ich weiß gar nicht wie ich das gedanklich alles wieder zusammen bekommen soll. Vielleicht wäre ein Untertitel angebracht wie z. B.: "Als ich Freitagabends nüchtern das Haus verließ und Sonntagnacht leicht angetütert mit einer geschenkten Jutetasche wieder heimkam, in der sich eine MOBINA GALORE Platte und Star Wars DVDs Episode I bis VI befand." Na ja okay, war zwar tatsächlich so, aber ist sicherlich 'n bisschen kryptisch was die Informationsdichte betrifft, also versuch ich's mal etwas detaillierter...


Am Freitag war ich echt mal pünktlich im Palast, nämlich um circa 20:15 Uhr ... man will ja nix verpassen. Dumm nur, dass direkt nach dem Eintritt bezahlen so eine gewisse "Altherren-Symptomatik" griff, was dazu führte, dass ich es circa 3 Meter in den Laden hinein schaffte und dann auf einem Barhocker sitzen blieb. Und da blieb ich auch erst mal kleben, denn es entwickelte sich dort zwischen mir und zwei anwesenden Individuen (Kimmie und Schnorrbi, Musiknazis unter sich) eine lebhafte Stammtischdiskussion was Musik betraf. Einer aus unserer bunten 3-Mann-Truppe ist außerdem landauf/landab für intensives Schnorren bekannt und nachdem ich ihm ein Bier ausgegeben hatte, stellte ich mir selbst die Geheimchallenge mehr bei ihm zu schnorren als er bei mir würde schnorren können.

Für die auftretenden Bands war das insofern von Nachteil, als dass ich die ersten beiden Combos einfach an der Theke verlabert hab. BRUS (www.facebook.com/wearebrus) und A PLACE TO FALL (www.facebook.com/aplacetofall) spielten den Palast warm, während sich in unserer "Spezialistenrunde" die ersten Konsensbands herauskristallisierten (GG Allin, PENTAGRAM und Rest hab ich vergessen), es allerdings auch die ersten entrüsteten Dispute gab was für einen Quatsch manche Leute gut finden (GENESIS! Ich kann's immer noch nicht fassen!). Das Restgelaber drehte sich dann irgendwie noch um die MENTORS, 80er-Thrash-Metal-Sneaker, Second-Hand-Shop Lederjacken für 30,- Euro und Studenten-Treehugger-NSBM, da kann man dann halt schon mal anderthalb bis zwei Stunden bei verquatschen... Also sorry an die Burschen auf der Bühne, das war keine Absicht und hat sich einfach so ergeben ... die Burschis von BRUS sollten ja ohnehin wissen, dass sie meine vollsten Sympathien haben! ;)


Da es mittlerweile in der Schnorr-Challenge recht gut für mich lief, überquerten wir zu ACOUSTIC STEEL (www.facebook.com/aplacetofall) dann aber tatsächlich das erste Mal die Rockpalast-Mittellinie um zu 'nem brandgefährlichen Konter anzusetzen. Zum Glück sind ACOUSTIC STEEL aber nicht so schlecht im Musik spielen wie ich im Überleitungen schreiben, daher war der Auftritt dann ganz fein. Es gab zwar keine Arschraketen, aber die altbekannte Ablieferung von akustischen Metal- und Hardrocksongs (und Christian Steiffen!), teilweise mit echt gewitzt gemachten Coverversionen (z. B. "Cop Killer" von BODY COUNT in einer sehr lässigen Rockabilly-Version). Nachdem der Laden sich anfangs auch noch etwas schleppend gefüllt hatte, waren bei ACOUSTIC STEEL auch 'ne ganze Menge Leute vor der Bühne die gut gefeiert haben. Hamse schön gemacht! Was anderes darf ich auch nicht sagen, einer von denen ist 'n Arbeitskollege von mir ... so läuft das im Emsland-Musicbusiness, haha... ;)

Anschließend ging es dann in die Open-End-Party über, wo es sehr bald auch schon nach Eskalation roch. Vom DJ wurde sich "Easy Lover" gewünscht und auch gespielt (oh Gott ... die GENESIS/Phil Collins Liebhaber-Geschichte ... ich erwähnte es ja oben schon), einige Anwesende mussten direkt nach Hause nachdem sie mal 5 Minuten neben mir saßen (lag aber glaub ich nicht an mir), während andere Personen vollkommen aus dem Ruder liefen obwohl sie am nächsten Morgen um 8 Uhr Züge und Fernbusse zu erreichen hatten (was dann natürlich nicht mehr klappte). Ein sehr witziger erfolgloser Anbaggerversuch mit flüchtender Frau wäre vielleicht auch noch erwähnenswert, aber über manche Dinge breitet man besser den Mantel des Schweigens, haha...

Meine Schnorr-Challenge lief gut (hab sogar von einem Kalifornier geschnorrt, sein Name war Jack) verkehrte sich aber ins Negative als mir jemand einen Wodka-Red-Bull ausgab ... unglaublich, was für ein ekelhaftes Getränk, brrrrrrrr! Vor Schreck musste ich dann auch nach Hause, wieder ein Dutzend Schutzengel gehabt, Fahrrad unabgeschlossen vorm Haus stehen lassen, nix geklaut, safe neighborhood, alles gut! Sonderapplaus an den verhinderten Bandana-Gitarristen der gefühlte 4 Stunden in ungesunder Haltung auf der Ecke vor der DJ-Butze gepennt hat und dabei mehrmals fast unter Liedwünschern begraben wurde. Ich hoffe einer meiner Schutzengel ist bei ihm geblieben, so dass die Gitarre heil geblieben ist und das Mundharmonika-Geschirr nicht geklaut wurde...
Orthopäden raten: Don't try this at home!
Am nächsten Tag ging's mir auch gar nicht mal so gut, aber anderen Leuten ging es wohl weitaus schlechter. Auweia, also Tag 1 war schon mal gut... ^^ Als ich nachmittags noch geschäftlich unterwegs war wurde ich im EISENKARL-Hauptquartier schon wieder zum Biertrinken genötigt und konnte den Räumen meines Geschäftspartners auch nur knapp entrinnen um mich noch mal kurz frisch zu machen. Zurück im Rockpalast war mein erster Erfolg jedenfalls, dass ich es statt bis zum ersten Barhocker schon mal bis zum Mittelpfeiler schaffte. Da musste ich mich aber erstmal hinsetzen und ein bisschen an der Theke festhalten...

Entsprechend unkonzentriert war ich also auch noch als DISTANCE REMAINS (www.facebook.com/thedistanceremains) spielten. Dabei hatten die wohl ihren allerersten Auftritt im Rockpalast, unglaublich! Altgediente Meppener Band und noch nie im Palast gespielt, echt kurios. Da der Laden sich aber recht zügig füllte (die "Schönwetterfans" und "Veteranen" kamen natürlich erst am Samstag, während unsereins am Freitag schon hart vorgearbeitet hatte) war ich fast die ganze Zeit mit Hallo-sagen, Händeschütteln und Freitagsrekonstruktion beschäftigt. Puh, anstrengende First-World-Problems...


Als 15 Minuten vor'm Auftritt der BRAIN LICKERS (www.facebook.com/brainlickers) dann auch deren Sänger auftauchte bewegte ich meinen angeschlagenen Kadaver endlich vor die Bühne. Bewaffnet mit Longdrinks aus den größten Longdrinkgläsern der Welt (Blumenvasenkübelgröße!) und mit Rückendeckung von circa drei Dutzend fanatischen Fans/Verwandten/Bekannten gaben die Burschen dann ordentlich Vollgas.

Bemerkenswert an der Show waren unter anderem der international erfahrene Schlagzeugfesthalter (andere Bands benutzen da einfach einen Backstein) und natürlich die SCORPIONS-Pyramide, bei der ich schon die Notruf-Kurzwahl im Anschlag hatte, weil es schlimm nach Beinahe-Oberschenkelhalsbruch aussah, autschi... Der Sänger könnte auch wohl mal wieder 'n bisschen abnehmen, haha... Was der Show noch das i-Tüpfelchen aufgesetzt hätte wäre wahrscheinlich Backgroundgesang von mir bei "Nice Boys" gewesen, aber tja ... den gibt's halt nicht gratis und außerdem musste ich pinkeln und an der Theke hatte auch eine Dame gefragt warum der ältere tätowierte Mann immer oberkörperfrei spielt, ob das denn sein müsse, da musste ich erstmal für Aufklärung sorgen, hehe...

Trotzdem haben die BRAIN LICKERS gefühlt bestimmt 548 von ihren neuen "SOS I'm horny" Shirts verkauft, für das Layout hatte ich auch mal locker nur sechs Monate gebraucht und 1-2 Tage vor'm Auftritt kamen die Teile auf den letzten Drücker an. Gelungene Aktion! Da wurde George mit seinen "33 Jahre Rockpalast-Shirts" schon ganz neidisch glaub ich, haha...


Letzte Liveband vor'm Meister waren dann ROCKSPORT (www.facebook.com/rocksportband), die ja wie ACOUSTIC STEEL vom Vorabend auch eine Coverband sind, aber im Gegensatz zu den Akustikern volle Kanne elektrisch. Für den mittlerweile rappelvollen Rockpalast genau das richtige, ein Blumenstrauß an Evergreens wurde abgebrannt, alle sangen mit, Ringelpietz mit Anfassen und so... Dummerweise hab ich mit "Alles nur geklaut" einen eher nur so "geht so" Coversong als Video auf's Handy bekommen, haha... Da haben sie definitiv geilere Stücke im Programm, z. B. RAMONES, WEEZER usw. usf...

Trotzdem sehr unterhaltsame Show! Bei ROCKSPORT handelt es sich ja auch zum Großteil um die alte Besetzung der TWISTER DORFMUSIKANTEN/TWEE-STAR, da ist man Qualität gewohnt. Sonder-Entertainment-Punkte gab's am rechten Boxenturm bei unseren Versuchen Gitarrist Doc Snyder ein paar emotionale Regungen zu entlocken. Ich schwöre, als ich ihm einen BRAIN LICKERS Sticker aufs Bein geklebt hab hat er kurz gelächelt, haha... Auch über ROCKSPORT darf ich übrigens nix schlechtes sagen, einer von denen ist 'n Cousin von mir ... so läuft das im Emsland-Musicbusiness, klassische Vetternwirtschaft... ;)


Zum krönenden Abschluss gab sich mit George der "König vom Dreieck" noch mal selbst die Ehre. Ich glaube als er da seine alten Kalypso-Hits schmetterte hatten massig Gäste (mittlerweile war's so dermaßen voll wie sonst höchstens an Weihnachten) und auch der Chef selbst ein bisschen Pipi in den Augen. Well done! Ich hoffe das können wir in den nächsten Jahren noch ein paar mal wiederholen! Warum nicht jedes Jahr Ende Oktober eine kleine Jubiläumssause?!? :)

Die Aftershow war dann wieder desaströs. Am kommenden Tag tauchten besorgniserregende Fotos auf, ich war offensichtlich noch auf der Tanzfläche (immer ein sicherer Indikator für absolutes Endstadium) und stand zwischenzeitlich noch verzweifelt verknallten jungen Leuten mit Dr-Sommer-Ratschlägen zur Seite. Trotz der leicht klaustrophobischen Zustände im Thekenbereich waren alle lieb und gut drauf, nur einmal musste ich 'n bisschen ausrasten und fast 'ne Schelle verteilen, aber das ist 'ne andere Geschichte... Alles weitere hab ich zum Glück vergessen. Die Schnorr-Challenge am Tag 2 hatte ich wieder locker für mich entschieden, nur der Titel "Checkertyp des Abends" ging an BRAIN-LICKERS-Drummer Tim... Keiner is geiler!

Checkertyp des Abends: "Bin sexy, habe Pfeffi!" bzw. "SOS, I'm horny!" bzw. "Dich f*** ich auch noch!" :D Bester Mann!
Am nächsten Morgen ging's mir erstaunlich gut, aber nach zwei Tagen Feierei hatten mein Körper und meine Klamotten mittlerweile dieses ganz spezielle Palast-Aroma aus Zigarettenqualmgestank und abgestandenem Bier angenommen, so dass ich glaub ich (trotz Dusche und so) ganz schön müffelte als ich am frühen Sonntagabend das Jugendzentrum "Jam" ansteuerte, brrrrr... Denn am Sonntag war noch nicht Schluss, da gab's noch eine early Hardcorepunkshow im Meppener Jugendzentrum "Jam". Aber auf 'ner Punkshow darf man auch mal müffeln, find ich, haha...

Um 18 Uhr war Startschuss und erste Band des Abends waren MOBINA GALORE (www.facebook.com/mobinagaloremusic) aus Winnipeg/Kanada ... und ... meine Fresse waren die super! Zwei Mädels: Nur Bratzgitarre, Drums und Gesang und die brannten alles nieder! Die Schlagzeugerin spielte barfuß und grinste immer freudig vor sich hin, während die Frontfrau in bester alter DISTILLERS-Manier rumbrüllte wie man es sich schöner nicht ausmalen kann! Herrlich! Locker eine der besten Bands die 2015 im "Jam" gespielt haben. Wer die bei dieser Show nicht gesehen hat, hat echt was verpasst! Auch sehr sympathische Personen, hab nach der Show beim Plattenkauf noch kurz mit denen geredet. Die Gitarristin hatte da auch herrlich einen im Kahn, haha. Good old German beer! ^^ Es wurde was davon geredet, dass die ggf. im Mai noch mal in Europa touren, ich bin gespannt!


Es folgten MY DEFENSE (www.facebook.com/mydefense) aus Köln, die mit flottem aggressiven Hardcorepunk mit ordentlich Melodie noch mal prima nachlegten. Der Sänger riss vor der Bühne herumflitzend ein paar Kilometer ab, der Drummer hatte mit einem MILLIONS OF DEAD COPS Shirt 100 Punkte auf der Credibility-Skala und wenn ich das richtig verstanden hatte kommt der Leadgitarrist wohl sogar gebürtig aus Lingen bevor es ihn nach Köln in eine Hardcorepunkband verschlug. Cooler Auftritt auf jeden Fall!


Letzte Band waren dann I SAW DAYLIGHT (www.facebook.com/isawdaylight) aus Ulm. In Sachen Brachialität legten die noch mal 'ne Schippe drauf, ich würd's mal grob als melodisch-metallischen Modern-HC umschreiben. Sänger, Gitarrist und Bassist hielten sich während der gesamten Show wild herumhüpfend im Zuschauerraum auf. (Falls man das auf dem Video nicht so sieht, dann liegt das leider an der schlechten Ausleuchtung im "Jam". Man munkelt der Hauptverantwortliche des Abends hätte die "Lichtanlage for Dummies" Technik nicht in die Gänge gekriegt, haha...) Der männliche Teil der Band befand sich also vor der Bühne, während die Mädels (Gitarre und Schlagzeug) auf der Bühne rumtobten. Sah ganz nach konservativer emsländischer Geschlechtertrennung aus, die lokalen Gepflogenheiten hatte ihnen wohl vorher jemand erklärt, haha... Scherz beiseite, auch der Auftritt von I SAW DAYLIGHT war heftig gut!


Fazit also: Sauguter Abend! MOBINA GALORE hatte ich mir vorher online mal kurz angehört und schon echt gut gefunden. Live haben die beiden Damen das aber noch mal absolut getoppt! Bin Fan! MY DEFENSE und I SAW DAYLIGHT hatte ich vorher nicht probegehört, finde das persönlich manchmal interessanter die Bands erst direkt live zu sehen. Und die waren auch beide super! Drei leicht unterschiedliche Bands, drei prima Performances = feiner Abend! Besucheraufkommen fand ich auch okay, auch wenn zu merken war, dass einige Leute aufgrund Rockpalast-Hangover wohl die heimische Couch nicht verlassen konnten/wollten. Tja, da habt ihr jetzt halt was verpasst... ;)

Der Abend war damit aber noch nicht beendet, da ich plötzlich labereibedingt der letzte Gast war und mit Peter vom "Jam" dann noch losgegangen bin. Unser Ergebnis in der 2-Mann-Challenge:
  • Wir waren die Letzten in der Bahnhofsklause, hinter uns hat die Wirtin abgeschlossen! Yessss! :)
  • Beim Irish standen wir schon vor verschlossener Tür, dann wurde uns für ein Bier und einen Whisky aber extra noch mal geöffnet (Danke Andreas)!
  • Danach wollten wir eigentlich noch in Mike's Pub einkehren, aber da endete unsere Glückssträhne: Tür zu, alles stockduster, keine Chance auf Einlass. Schade ... die hätten noch guten Bierumsatz mit uns machen können ... war aber vielleicht auch besser so... ;)
Also: Schön um die Häuser gezogen! Bemerkenswert feiner Abend auf'm platten Sonntag! Von Freitag bis Sonntag war's ehrlich gesagt rundum prima, an dieser Stelle dickes Dankeschön an alle Beteiligten - fühlt euch gedrückt! Oder wie George sagen würde: Immer weiter! ;)

***

So geht's weiter in den nächsten Wochen ... Wer sonstige Konzerttipps hat => gerne per Mail - kein Bullshit!:
  • 30.10.2015: Razz Record-Release-Show - Alter Schlachthof, Lingen: Facebook-Event
  • 06.11.2015: Dreieck-Live - Innenstadt Meppen
  • 22.11.2015: Lesung: Andreas Müller - Der Jugendrichter zieht Bilanz: Kiffen und Kriminalität - Kossehof, Meppen: Facebook-Event
  • 11.12.2015: "Markus12" Gratis-Bandfestival mit Vertical Age, Distance Remains und tba - Jugendzentrum "Jam", Meppen: Facebook-Event
  • 19.12.2015: Jancee Pornick Casino + Brus - Jugendzentrum "Jam", Meppen
  • 26.12.2015: "Christmas Metal Meeting" mit Frank Blackfire + Eisenkarl - Rockpalast, Meppen: Facebook-Event
  • 16.01.2016: "Puke-Fest" Punkrockfestival - Café Sputnik, Münster: Facebook-Event
  • 30.01.2016: Big Tennis + Ballroom Kids - Koschinski, Lingen: Facebook-Event
  • 04.03.2016: Kleinstadt-Comedy Vol. 2 - Windthorst-Theater, Meppen
  • 24.-25.06.2016: Abifestival Lingen: Facebook-Event

Montag, 15. Juli 2013

Konzerte: "Benefiz Open-Air Haselünne Rockpalast/Step-Up" | 12/13. Juli 2013 | Step-Up, Haselünne

So, das Rockpalast-Benefiz ist überstanden. Der ganze Vorlauf machte ein bisschen den Eindruck als ob das ganze Prozedere ein bisschen planlos war, aber im Endeffekt war's 'ne ganz lustige Veranstaltung. Freitags kamen wir so gegen halb neun an und hatten SOFA ROCK (www.facebook.com/stefanherbers) direkt verpasst. Na ja, schade, nächstes Mal... Zu dem Zeitpunkt war der Platz auch noch ziemlich leer, der "emsländische Halbkreis" hatte noch enorme Ausmaße, also erstmal annen Stehtisch gekettet und ein paar Bier getrunken.

Musikalisch untermalt wurde das Ganze als nächstes von PROJECT X (www.facebook.com/project.x.dieband.official), ähnlich wie SOFA ROCK auch eine Akustikband, die allerlei Rock- und Pop-Klassiker spielt. Günther von BREAKING TO ASHES bzw. ex-GOING BORDERLINE bedient da einen Sechssaiter und singt auch. Okaye Sache, auch wenn mich das jetzt nicht total aus den Socken haute. Die Band tat sich aber auch selbst keinen Gefallen mit ihren Ansagen! Schon die ersten Sprüche und Flachwitze vom Schlagzeuger ließen den Fremdschamfaktor extrem in die Höhe schießen. Mannoman, wenn sowieso man nur Schrott zu erzählen hat, dann zwischen den Songs einfach mal die Klappe halten. Sorry, muss ich so deutlich sagen!

Anschließend kamen COOBY (www.facebook.com/coobymusik), die ihren zweiten Bassisten nicht dabei hatten, so dass deren Gitarrist Domi ein bisschen mehr zu tun hatte, der musste nämlich die fehlenden Basslinien mitspielen. Klappte ganz gut, hier und da mal etwas schräg, aber alles vollkommen okay. Eine Woche vorher hatten wir COOBY noch in Sögel gesehen, daher sollte ja bekannt sein, dass ich die ganz gut finde. Nachher auch noch nett mit dem Gitarristen geredet, nächstes Jahr sollen dann auch wohl Aufnahmen veröffentlicht werden. Sehr schön, weitermachen! Die werden hier auf dem Blog sowieso Dauergast: letzte Woche Sögel, freitags in Haselünne und am 19. Juli schon wieder in Meppen. "Tour de Emsland" oder was sagt man da?

Mittlerweile füllte sich auch der Platz, da der nicht unerhebliche EISENKARL-Tourtross so nach und nach eintrudelte. Die sind ja bekannt wie bunte Hunde und dementsprechend viel Volk haben die auch immer im Schlepptau. Vielleicht wurden die aber alle nur von dem Backfischgeruch angelockt, denn der ganze Platz roch irgendwie nach Backfisch, obwohl gar keiner verkauft wurde. Mysteriös! Ich hatte auf jeden Fall tierisch Schmacht auf Fisch, aber nicht mal ein Räucheraal war in Sicht. Blöd!

Kampfmaschinen tanken Konjak: Gedeck ftw! Benefiz-Saufen für den Weltfrieden, oi!

Zwischenzeitlich gab's auch Komplikationen in der Getränkeversorgung, denn mir schmeckte die Plastikbecherbierplörre nicht mehr. Ja, mir wurde langsam sogar richtig schlecht! Ging gar nicht! Alternativen mussten her, da lohnt es sich dann auch mal sich mit dem Trinkverhalten der Einheimischen zu beschäftigen. Ein Friseusentisch holte sich nämlich clevererweise 'n Konjak-Gedeck, also ein Buddel "Alte Liebe" plus zwei Flaschen Cola. Haben wir dann auch gemacht, von da an ging's mit meiner Zivilisiertheit selbstverständlich steil bergab...

Ich musste allerdings auch aktiv meine Augen lähmen, denn einige Fans von CIVIL COURAGE (www.facebook.com/civilcourageofficial) fielen durch fiese Maurerdekolletés auf. Puh, der schlimmst anzusehende aus der Maurerbande setzte sich dann auch noch auf eine Bank in unser direktes Sichtfeld und hielt uns seinen Allerwertesten von da aus genau entgegen - schön war das nicht! Augenkrebs galore! Derweil absolvierten CIVIL COURAGE ihren Auftritt und versuchten den emsländischen Halbkreis durch Verteiltung von Dosenbier aufzulösen. Nicht die schlechteste Idee, aber auch hier war das Ansagengelaber teilweise nicht mehr feierlich, so dass einige Leute sofort wieder wegrannten... Na ja, zu CIVIL COURAGE weiß ich nie so genau was ich schreiben soll. Die gibt's schon ewig, die sind in ihrer Ecke auch extrem engagiert (z. B. mit dem Benefizkonzert für den herzkranken Jungen neulich in Lähden) - davor Hut ab, aber musikalisch kann ich der Band halt überhaupt nichts abgewinnen. Es ist wie's ist, dementsprechend kümmerten wir uns während des Auftritts an unserem Tisch hauptsächlich um den Cuxhaven-Konjak... Der war dann auch ziemlich schnell auf, Profis bei der Arbeit, zweites Gedeck musste her!

Das Gesöff schlug zumindest bei mir auch hart an, so dass bei EISENKARL (www.facebook.com/Eisenkarlmusic) langsam alle Dämme brachen. Puh, meine Fresse, ich glaub ich war noch daran beteiligt irgendwelche Leute durch die Luft zu werfen und den zweiten Gitarristen Domi (nicht verwandt oder verschwägert mit dem COOBY-Domi, soweit ich weiß) von der Bühne zu zerren, als er eine kleine Gesangseinlage gab. Klappte leider nicht, Domi's Ausrede: "Ey sorry, mein Kabel war zu kurz!" Also alles wieder sehr turbulent und schmeerich, hehe... Falls ich zu irgendjemandem ruppig war: Entschuldigung! Krönung war dann endlich das SLAYER "South Of Heaven" Cover in der Zugabe! Das fehlte vorher definitiv im Programm, keine Ahnung warum die Eisenkerle nicht ausschließlich SLAYER spielen, die sollten mehr auf mich hören! Den Song hab ich dann jedenfalls noch mitgeschnitten, ich glaube an der Kameraführung kann man auch ganz gut meinen Betrunkenheitsgrad ablesen, hehe...


Also schöne Eskalation da in Haselünne. Die dann im Palast noch weiterging, denn wir düsten nach EISENKARL auch ziemlich direkt nach Meppen. Resultat des Abends: beinahe Kopfbedeckung verloren, Ohrring weg, mit Muttis auf'm Dancefloor gewesen, der übliche mittelschwere Filmriss... War also ganz gut der Abend! :)

Am Samstag reisten wir 'n bisschen später an, so dass wir AGAINST RANDY (www.facebook.com/AgainstRandy) schon verpasst hatten. Durfte ich mir auf Höhe des Jägermeister-Standes auch direkt 'n Anranzer für Anhören, aber nu, war keine böse Absicht. Viel los war auch noch nicht, an der Theke ließen wir diesmal Konjak Konjak sein und hielten uns besser an Bier. Dabei wurde auch noch die Geschichte mit dem Backfischgeruch aufgeklärt. Wir hatten nämlich einen Ostseefahrer in unserer Runde, dessen Fürze nach mehrwöchigem Fischbrötchengenuss mittlerweile dieses markante Backfischaroma verbreiten. Sachen gibt's ... Backfisch, dingeling!

PROPAGANDA NETWORK (www.facebook.com/propagandanetwork) bauten derweil ihren Kram auf, stellten sich als KETTENÖL aus Emsdetten vor und rumpelten sich danach durch ihr Set. Keine Ahnung ob's Absicht war, dass alles etwas schludrig wirkte, laut anschließender Eigenaussage der Band hatten die sich nämlich geschworen niemals in Haselünne zu spielen. Den Benefiz-Auftritt hatten sie aber George dann wohl auf'm Breiten versprochen, in Unkenntnis der Tatsache, dass das Ganze ausgerechnet beim "Schlepp ab/Step Up" stattfindet. Wie das Leben so spielt, hehe... Mit PROPAGANDA NETWORK wollten sie auch nie im Meppener JuZ spielen, auch da hab ich sie letzten Februar zu bekommen. Und mit dem Nebenprojekt KILLERKANTHOLZ auch nicht und auch das wird noch passieren. Was aber natürlich alles nur meinem unnachahmlichen Charme zu verdanken ist, hehe...

Samstag in Haselünne: Es wurde zwar noch besser, aber die Zuschauerzahlen blieben überschaubar...
Danach hatte Meppen dann ein kleines Heimspiel, denn mit TMH (www.facebook.com/TeenageMutantHeroes) und DISTANCE REMAINS (www.facebook.com/thedistanceremains) kamen zwei Meppener Bands die auch allerlei Anhang mitgebracht hatten und ja sowieso Personalüberschneidungen im Line-Up haben. Okay, eigentlich nur eine, aber Mitglieder beider Bands hüpften während der Auftritte der jeweils anderen auch schon mal gerne mit auf der Bühne rum. Während TMH immer wieder alleine durch ihre agile Bühnenpräsenz punkten und dadurch durchaus schon ein gewisses Mitreißpotential haben, bin ich manchmal doch etwas verwundert, dass die sich textlich irgendwie noch auf so 'nem 15-jährigen-Level bewegen. Na ja, scheint der Band aber noch ordentlich Spaß zu machen und es hält wahrscheinlich jung... Ich erwähne das auch nur, weil ich mich später noch mit einem Musiknazi rumtrieb, der über jede Band was abzukotzen hatte und speziell darauf bei TMH rumhackte, hehe... Und NEIN, es handelt sich bei dieser Person NICHT um irgendein Alter Ego von mir! ;) Es gibt tatsächlich Leute die engstirniger sind als ich! Freitag hatte ich schon so einen Spezi im Zwiegespräch, der Samstag war auch nicht von Pappe...

DISTANCE REMAINS waren danach natürlich auch absolut nichts für den Muckeadolf, da wurde wieder ordentlich vom Leder gezogen. Ich für meinen Teil muss sagen, dass die Band auch nicht so 100pro meins ist, sie aber den Stimmungslevel zumindest recht hoch hielten. Mittlerweile beschäftigte ich mich aber auch mehr mit Nebensächlichkeiten, denn es schien als ob sich auf dem Platz eine merkwürdige Mischung aus Rockpalastgängern und Step-Up-Klientel bildete.


Krönung des Abends waren jedenfalls ein korpulenterer junger Herr im Karohemd und seine etwas minderjährig wirkende blonde Hot-Pants tragende Begleitung. Neben diesen Merkmalen war die auch noch äußerst dünn und offensichtlich aus Gummi oder mit Kugelgelenk in der Körpermitte ausgestattet. Die beiden fingen nämlich an sehr exaltiert zu tanzen (so eine Art Hardcore-Discofox, oder so) und das schmale Mädel wurde von Cop Dickie einigemale dermaßen heftig durch die Gegend gewirbelt, dass ich Angst hatte, sie würde in der Mitte durchbrechen. Passierte aber nicht, denn wie gesagt: Entweder Gummi oder Kugelgelenk, irgendwas war bei der Perle anatomisch nicht normal! Das Ganze wurde dann auch immer wilder, ich hatte noch starke Befürchtungen, dass da in aller Öffentlichkeit der "Internationale Mumu-Griff" ausgepackt wird. Aber das blieb uns zum Glück erspart...

Sorgen machte mir auch eine sehr große Frau, die sehr sehr betrunken war und sich nur noch stolpernd fortbewegte. Die schien aber irgendwie 'nen Schutzengel zu haben, ich konnte keine schwereren Stürze beobachten. Bevor ich mir noch mehr Sorgen machen musste ging ich erstmal auf's Klo, wo plötzlich George neben mir auftauchte, Rockpalast-Cheffe höchstselbst! "Hey, was machst du denn hier?" fragt er mich da ganz locker am Pissoir... Cooler Typ, ich musste lachen! Danach begab er sich auch schnurstracks auf die Showbühne, denn er wollte ja auch noch einen für die Gemeinde schmettern.

In dem Fall gab George Gambier vollkommen solo, also die Backgroundmusik aus der Konserve und George sang ohne Band dazu. Die Musik finde ich persönlich ja etwas ulkig, aber Singen kann der Mann, da macht ihm keiner was vor. Damit er da oben auf der Bühne nicht ganz alleine war, tanzten ihn auch später noch zwei Girls aus dem Publikum hart an, sehr amüsant...

Der Chef bei der Arbeit: George Gambier live in Haselünne!
Direkt nach dem Auftritt sind wir dann auch wieder rüber nach Meppen in den Rockpalast, wo's noch 'ne ganz nette Aftershowparty gab, von der ich nicht mehr alles weiß, ähem... Fazit: Eingangs hatte ich ja schon erwähnt, dass Prozedere rund um das Benefiz ein bisschen planlos fand. Viele wird sicherlich verwundert haben, dass das Ganze beim Step-Up stattfand, wofür sich für viele Meppener eben schon die Problematik der Anreise ergab. Und viele Haselünner können wahrscheinlich mit der Rockpalast-Klientel nix anfangen. Dementsprechend war an beiden Tagen halt auch nicht so viel los. Der Freitag war dabei etwas besser als der Samstag, aber insgesamt weiß ich nicht ob das Festival aus Benefiz-Gesichtspunkten jetzt großartig was gebracht hat... Na ja, ich weiß auch nicht wie man's hätte besser machen sollen - in Meppen dafür einen Platz zu finden und die entsprechenden Genehmigungen einzuholen ist ja auch meist mehr als kompliziert... Also sei's drum, ich hatte meinen Spaß und damit lassen wir's mal gut sein.

Bis zum nächsten Mal in Meppen:
Freitag 19. Juli | Juz "Jam", Königstraße 8 | SPORT (Lyon/Frankreich), WAVES (Osna), COOBY (HaLü) und noch was (tba)...

Dienstag, 11. September 2012

Konzerte: 30 Jahre Rockpalast Meppen - Jubiläumsfestival

Lange war es erwartet worden, am 07. und 08.09.2012 ging es dann endlich über die Bühne: Das Festival zum 30-Jahre-Jubiläum vom Rockpalast Meppen. Ich denke mal, dass so ziemlich jede/r der/die zur Zielgruppe dieses Blogs gehört da schon mal mindestens einmal ein versumpftes Wochenende hingelegt hat, sofern er/sie nicht sowieso schon zur erweiterten Inventarliste des Ladens gehört. Und dass der Rockpalast dieser Tage seinen 30. Geburtstag feiern konnte war ja auch nicht immer so ganz sicher, denn permanente Schließungsgerüchte gehören ja zu dem Laden, wie die Pfütze ab 1 Uhr auf dem Boden der Herrentoilette. Man erinnere sich nur an die Farce, die da vor wenigen Monaten abging...

Die große Sause konnte also steigen und dafür waren gleich mal 2 Tage Open-Air angesetzt, coole Sache! Da könnte ein Rock'n'Roll-Traninigslager nicht schaden, dachte ich so bei mir, weswegen wir uns schon mal am Donnerstag (06.09.) ins Gleis 22 in Münster begaben. Da spielten DIGGER & THE PUSSYCATS aus Australien, mit denen ich am 16. November 2009 auch schon mal ein Konzert im Meppener Jugendzentrum gemacht hatte. Das war ein Montag, also standen damals eigentlich alle Zeichen auf scheiß Besucherzahlen ... war aber nicht so! Es war gut was los und so einige Meppener kriegten danach vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Denn DIGGER & THE PUSSYCATS sind nur 2 Typen, einer mit Gitarre, der andere mit Minimal-Standschlagzeug (1x Snare, 1x Stand-Tom, 1x Becken), beide singen. Und in der Formation bliesen die so ziemlich alles an die Wand, was jemals eine "komplette" Bandbesetzung in Meppen auf eine Bühne gebracht hatte! Die Meppener Tagespost titelte daraufhin ein paar Tage später mit "Australischer Musiker zerlegt seine Gitarre", da muss ich heute noch schmunzeln, das stimmte nämlich gar nicht. Frontmann Sam war nur leicht erregt darüber, dass ihm eine Saite gerissen war und warf sein Instrument daher etwas impulsiv von sich. Ich hab den Trümmer aufgesammelt und dann selbst hinter der Bühne eine neue Saite aufgezogen, alles noch voll funktionstüchtig! Aber Sam machte schon mit seinem Ersatzhobel weiter. Den kompletten Bericht von damals findet man auch noch HIER.

Konzertplakat zum DIGGER & THE PUSSYCATS Gig 2009. Hab ich damals auch selbst gezeichnet. Merke: Wenn Dir nichts Vernünftiges einfällt, dann verbrate einfach die naheliegendsten Klischees die Dir zum Heimatland der Musiker in den Sinn kommen... ;)
Nun ja, man könnte jetzt meinen diese australischen Randalebrüder hätten danach erstmal meine Wohnung zerlegt, aber weit gefehlt. Sam und Andy sind so ziemlich die sympathischten und pflegeleichtesten Typen der Welt, wir saßen noch die ganze Nacht bei ein paar Bierchen am Wohnzimmertisch, bevor ich die beiden am nächsten Vormittag schweren Herzens in die weite wilde Rock'n'Roll-Welt entließ. Allerdings sind wir eigentlich permanent in Kontakt geblieben und Andy hat sogar noch einen sehr coolen und witzigen "European Tourfood-Guide" für mein CRKO Fanzine geschrieben. Den kann man HIER nachlesen, auf Seite 70-72. Macht euch schlau über "Lunch at Flunch" und "Grünkohl, the green jewel of the earth..." ;)

Im Frühjahr 2012 war ich dann tatsächlich schon mit Marco - der die ganze Organisation für das Rockpalast-Festival machte - am überlegen, ob DIGGER & THE PUSSYCATS nicht auch dort spielen sollten, da schon feststand, dass die in dem Zeitraum touren. Letztendlich klappte das aber nicht, da beim Rockpalast auch eher Lokalbands mit direktem Bezug zum Laden spielen sollten. Gute Idee, von daher nicht schlimm, dass die Australier nicht dabei waren. Wir nahmen also das Konzert in Münster mit, was auch gleichzeitig den Tourneestart markierte. Erfreulicherweise durfte ich mit meinem kleinen Plattenlabel die beiden neuen Vinylsingles von DIGGER & THE PUSSYCATS mit rausbringen, also war das zeitgleich auch die Record-Release-Party! Wer Interesse an den Singles hat kann die übrigens HIER im Stream anhören und HIER kaufen... Verschiedene Vinylfarben, aller Schnick und Schnack... So, aber jetzt Werbemodus off... ;)

Als wir ankamen spielten THE SENSATIONAL SECOND COUSINS aus ... nanu ... Klazienaveen in Holland. Direkt hinter der Grenze also, haha, da hätte man auch zusammen fahren können. Ebenfalls ein Duo, aber eher in die klassische Rockabilly-Richtung, feine Sache. Dann war Zittern angesagt, denn DIGGER & THE PUSSYCATS waren noch gar nicht da! "Flugverspätung" ging durch den Ticker, aber um 22 Uhr ging die Tür auf und Sam und Andy standen auf der Matte, nachdem Sam (der seit Sommer in Europa lebt) im Alarmstart den armen Andy aus Schiphol abgeholt hat, wo der nach einer 36-Stunden-Odyssee (Melbourne, Indonesien, London etc.) endlich gelandet war. Und dann ging's direkt auf die Bühne und die beiden haben alles niedergerockt, und das obwohl sie seit 8 Monaten nicht mehr zusammen gespielt hatten. Hut ab! Andy kroch nachher aber auch wirklich auf seinem Zahnfleisch von der Bühne, der arme Kerl. Nachher haben wir aber beinahe noch ausgehandelt, dass die beiden nächstes Jahr auf meiner Hochzeitsparty spielen, haha... Mal gucken ob das klappt, geil wär's... (... kleine Anmerkung noch: Soeben erreichte mich die Meldung, dass den beiden Australiern in Berlin das Hotel unter'm Arsch weggebrannt ist! Zum Glück kein Personenschaden. Heiße Typen!)





So, nachdem sich der ein oder andere wahrscheinlich schon gefragt hat "Wann schreibt der Depp jetzt endlich was zur Rockpalast-Sause" ... keine Panik, jetzt geht's los!!! Dabei möchte ich mal von vornherein auf einen der wichtigsten Faktoren des Festivals hinweisen: Es herrschte tolles Wetter!!! Zwei wunderbare Spätsommerabende, da konnte von vornherein eigentlich fast gar nichts schief gehen! Ich hatte mir auch vorgenommen an jedem Abend früh da zu sein, das ging allerdings am Freitag in die Hose, so dass ich ALITAVE verpasste. Schade, aber die Jungs hab ich auch schon oft gesehen und selbst bestimmt schon ein halbes Dutzend Konzerte mit denen gemacht. Feine Burschen!

Dann folgte mit JAMMIN' JOHNNY & THE DISKOFUCKERS direkt die erste Überraschung des Wochenendes. Der Name sagte mir auf den Plakaten gar nichts und irgend jemand sagte vorher, die würden so eine Art "Party-Ska" spielen. Hmm... nicht die besten Voraussetzungen für mich, denn mit Ska kann man mich jagen. Auf der Bühne stand dann ein Typ mit Akustikgitarre, eine Bläsersektion und ein Typ der die Percussion auf einem Cajón machte. Und ich muss sagen, das Ganze war relativ geil, da das eher auf gutes Entertainment (okay, manchmal auch etwas zu viel Klamauk) angelegt war und auch starke Züge von Straßenmusik hatte, als die Musiker anfingen durch's Publikum zu rennen. Eine sehr gute Aktion, denn zu dem Zeitpunkt herrschte vor der Bühne noch der "emsländische Halbkreis" vor. Na ja, dieses geflügelte Wort sollte an beiden Abenden aber noch öfter die Runde machen, man kennt das ja... Später stand der Frontmann der Combo (also wahrscheinlich Jammin' Johnny höchstselbst) dann noch neben mir, als wir gemeinsam ein Gebüsch bewässerten. Einer der Trompeter ist wohl Meppener, er selbst kommt aus der Gegend um Hamburg und mit ihrer Band sind die in echter Straßenmusiker-Manier auch fleißig am rumreisen, unter anderem war auch kurz die Rede von Australien. Da könnten die ja evtl. mal mit DIGGER & THE PUSSYCATS Hotels niederbrennen, hehe...

Etwa zur gleichen Zeit liefen mir auch die Jungs von BIG TENNIS über den Weg, die auch alle alte Kumpels sind. Unfassbare Aktion: Deren Drummer Bo hatte einen Kuchen für mich gebacken! Da meine ehemalige Freundin und ich seit einem Monat ein frischgebackener Ehepaar sind, hatte der für uns einen frischgebackenen Kuchen mitgebracht! Unfassbar, ich war den Rest des Abends baff! Und der war noch warm und schmeckte großartig. Allerdings ist es für 2 Leute ein bisschen schwierig sich da in kurzer Zeit einen ganzen Kuchen reinzuverputzen, dementsprechend brachte ich den erstmal unter die Leute. Falls sich da also jemand über den komischen Vogel gewundert hat, der Kuchen verteilt hat ... das war ich!

Kuchen gab's! Aber leider keinen Kaffee, daher musste Bier herhalten, yummy :) DANKE BO!!!
Während der ganzen Zeit spielten natürlich auch Bands, um genau zu sein SEARCHING FOR SAM (die mir seit jeher - wie generell viele Harener Bands - viel zu schwermütig sind/waren) und FOOLS FROM STACK (gut, wie immer). Den Abschluss bildeten dann BIG TENNIS aus Lingen, da bin ich natürlich befangen, denn der Schlagzeuger hat mir halt diesen unfassbar guten Kuchen gebacken. Glaubt mir jetzt noch einer, dass ich die für die Band mit dem besten Pop-Songwriting und dem besten Sänger halte, die in den letzten Jahren dem Emsland entsprungen ist?!? Das riecht nach Bestechung! Na ja, ist ja auch egal, es sind halt auch einfach nur steile Typen! Gut ins Line-Up fügte sich übrigens auch deren neuer Bassist Philipp ein, der aber als Lingener Urgestein (u. a. ex-FATSO & THE RIGHTMAKERS) kein Unbekannter sein dürfte.



Während des gesamten Abends war natürlich großes Hallo angesagt, da massig Bekannte da waren, auch "länger nicht mehr Dagewesene". Also Smalltalk an allen Ecken und Enden, alles sehr angenehm. Nur war es nachher etwas schwierig in den Rockpalast selbst zu kommen, da war es leicht chaotisch am Einlass. Dementsprechend hab ich es mir dann nicht mehr angetan mich in der Schlange anzustellen, sondern hab noch eine Frikadelle auf die Hand genommen und bin mit meiner Liebsten nach Hause gestiefelt...

... was sich auch als weise Entscheidung herausstellen sollte, denn so war ich am nächsten Tag relativ fit und auch zeitig am Platz. TMH spielten zwar schon, aber das meiste vom Set bekam ich noch mit. Diese Band wollte ich auch sehen, da ich mit Sänger Peter bei der "Initiative 2.0" schon diverse Konzertprojekte mir durchgezogen hatte, mir seine Band aber immer ein Mysterium geblieben ist. Wenn nämlich mal die Chance bestand, dass TMH Support spielen sollten kamen immer dubiose Absagegründe, à la "Das geht nicht, da sind wir im Zeltlager" oder sowas, hehe... Der Auftritt beim Palast war aber ganz passabel, Melodycore mit englischen und deutschen Texten. Wobei ich von den deutschen Texten aber kein Wort verstanden hab, ich hoffe die haben keinen Quatsch gesungen. Ansonsten: Wenn kein Zeltlager ist seid ihr engagiert! ;D

Nach OUT OF PRACTISE (waren okay, werden mir aber mittlerweile zu schwülstig), TWEE-STAR (spielerisch mit am besten, litten aber auch etwas unter dem emsländischen Halbkreis) und BIG BALLS COWGIRL (von denen hab ich nicht viel mitbekommen, weil ich so eine "Rumlauf-Phase" hatte und im Rockpalast selber schon den ersten Russisch-Koks runterstürzen musste) kam dann (über eine kleine Solo-Einlage einer mir bekannten Person breite ich mal den Mantel des Schweigens) der Meister selbst: George Gambier, aka "Lord Cammy", der Chef vom Rockpalast. Bei den letzten Jubiläen war es ja schon Tradition, dass er immer noch ein paar Songs gesungen hat, diesmal also auch. Allerdings hatte er keine Backingband, sondern hat zu Musik aus der Konserve gesungen. Hm, wirkte ein bisschen komisch, aber okay ... hätte man dafür nicht KALTMIETE engagieren können?!? Wäre cool gewesen, aber ich weiß gar nicht ob es die noch gibt. Die Homepage existiert jedenfalls noch, da findet man auch alte "Lord Cammy" Songs: www.kaltmiete.de


Das Video hier ist übrigens der zweite Song den George gesungen hat, Gänsehautfeeling war schon dabei, wenn man sieht wie viele Leute da waren und jubelten. Danach begab ich mich allerdings direkt in den Palast, denn ... steinigt mich, aber ... ich bin nicht so ein Riesenfan von George's Kalypso-Pop, haha... Nicht böse gemeint, aber ich musste mich schon mal an der Theke festketten bevor sich da wieder Menschenmassen am Eingang drängelten. Es folgte dann auch mal wieder die Totaleskalation, denn so schlau wie ich am Vortag mit meiner frühen Abreise gewesen war, so dumm war ich am Samstag, als der Russisch-Koks in Strömen floss und sich mein Verstand allmählich gen Nirvana verabschiedete... Ja ja, das kennt man ja wieder, daher schreib ich jetzt auch mal nicht groß drüber, geschweige denn, dass ich noch was wüsste, haha...

Als Fazit kann ich eigentlich nur sagen: Absolut gelungene Veranstaltung! Prima Wetter, tolle und friedliche Stimmung auf dem Platz und im Laden (auch wenn ich draußen wieder ein paar braun angehauchte Honks rumlaufen sah) und jede Menge lange nicht gesehener Bekannter. Unter anderem auch aus alten Bands! Dennis von TWEE-STAR erinnerte sich z. B. bei einer Ansage noch an die ersten Palastauftritte mit seiner alten Band SAMPLAX, während vor der Bühne seine alten Mitmusikanten ihre Bierbäuche spazieren führten, hehe. Einen alten MORTAL FEAR Gitarristen sah ich leider nur von weitem, als er einen Bierstand belagerte (die teilweise mit den alten Thekenleuten besetzt waren, auch cool). Auf dem Platz hab ich noch mit Chrissy von den BATTLEDYKES geredet, der mit Timo von den BACKWOOD CREATURES vor 5 Jahren noch in der Palast-Jubiläumsband TEAM ZERO gespielt hat, damals mit dem Hit "Twentyfive years of Rockpalast". Timo war übrigens diesmal der Bühnentechniker und hat reihenweise auftretende Bandmitglieder verarscht, à la "Wie? Du willst ein Mikro? Kannst du denn überhaupt singen?" Wir standen dahinter und lachten uns ins Fäustchen, haha...

Ja, so war es also, das 30-Jahre-Rockpalast-Jubiläum. Eine schöne Sache war's und ich bin ganz froh, dass ich mit dem Entwurf des Jubiläums-Shirts auch ein bisschen selbst mit beteiligt war. Sollte jetzt ein großes Schlusswort folgen? Oder noch zeilenlange George-Beweihräucherung? Nee, das lass ich mal lieber... Nur kurz: Hut ab, dass George das so lange durchgehalten hat, trotz der massiven Schwierigkeiten! Bei allem Respekt vor dieser Leistung bin ich aber nicht so ein großer Anhänger dieser George-Ikonisierung, wie sie gerne von diversen Leuten betrieben wird. Der alte Mann ist ein guter Typ und ein Meppener Original, keine Frage! Aber wer z. B. schon mal eine Party mit ihm abgerechnet hat, der weiß, dass er da - mal ganz unromantisch gesagt - auch "nur" ein Geschäft führt. Und ich finde auch, dass mehr Potential in dem Laden steckt(e). Da hätte man in den letzten Jahren mehr machen können, als das standardmäßige endgültige Abschießen ab 2-3 Uhr nachts. Schade, dass da Möglichkeiten verschenkt wurden... Na ja, egal, ich bin gespannt wie viele Jahre George den Laden noch führen kann und wie es weitergeht. Gerüchte gibt es ja genug... 35 Jahre Rockpalast? Ich hoffe es, warten wir mal ab...