Montag, 17. September 2012

Konzerte: Wild September-weekend 2012 (Meppen => Münster => Meppen)

Letzte Woche gab's für mich ein kleines "Three in a row", was Konzerte anging. Das Spektakel möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten... :)

Donnerstag, 13.09.2012 - OUT OF PRACTISE, THE AFFECTED, ANN BERETTA (Meppen, JuZ "J@m-Center")

Los ging's mal wieder mit einem Donnerstagskonzert in Meppen. Vorher gibt's da von den Einheimischen immer die genauso dummen wie altbekannten Fragen: "Warum ist das denn auf'm Donnerstag?" Und: "Warum kostet das denn soviel?" (5,- Euro). Dazu mal ein paar Gegenfragen:
  • Warum nicht auf 'nem Donnerstag? Ich glaube ich hab den Vergleich anderswo schon mal gezogen, aber noch mal: Alleine von der Spielzeit (in Meppen darf nun mal gemäß städtischer Vorgabe nicht länger als 23 Uhr musiziert werden) her, ist so ein Konzert ja eigentlich nicht anders zu werten als ein Kinobesuch ... nur lauter!
  • Ein anderer Grund für Donnerstag: Tourplanung! ANN BERETTA kommen aus den USA und sind ihre erste Europatour gefahren. Da kommt es oft weniger auf den Wochentag an, als vielmehr darauf, ob die Location reisegünstig auf dem Weg liegt.
  • Noch ein Donnerstagsgrund: Freitags stand für ANN BERETTA Berlin an, man hätte den Gig evtl. mit Meppen tauschen können. Was würdet ihr an Stelle einer US-Band tun, wenn ihr entweder in der deutschen Provinz vor 60 Leuten oder in Berlin vor doppelt so vielen Nasen auftreten könntet?!?
  • Eintritt 5,- Euro! Was ist daran teuer? Bitte mal drüber nachdenken, dass eine Band in einer laufenden Tour Dinge wie Van-Miete, Sprit, laufende Kosten für Verpflegung und ähnliches berappen muss und wenn möglich auch die Flugtickets wieder eingespielt werden sollen. Und dass der Veranstalter auch für diverse Dinge zu sorgen hat, u. U. Anmietung einer Soundanlage etc. Letzteres braucht man im Meppener JuZ zum Glück nicht, da dort alles vor Ort ist. Also könnt ihr euch vielleicht ausrechnen, dass die Show in einer anderen Location womöglich noch "teurer" gewesen wäre. Wobei der Begriff "teuer" bei 5,- Euro auch eher lächerlich ist, wenn man bedenkt, dass die gleiche Show in Städten wie Osnabrück oder Münster mit Sicherheit 3-4 Euro mehr gekostet hätte. Und keiner der Leute die in Meppen je eine Show im JuZ gebucht hat, hat da jemals groß Gewinn mit gemacht. Das ist in 90% der Fälle immer ein Verlustgeschäft!
Das nur mal dazu, könnte man sicherlich mehr zu schreiben, reicht aber vielleicht schon als Denkanstoß. Ich war an diesem Abend auch gar nicht Veranstalter, freute mich aber endlich mal wieder eine US-Band in Meppen zu sehen. Was diese blöden Fragen anging wurde das auch gar nicht sooo viel nachgefragt, aber vereinzelt kommen diese Dinger immer, da kann man die Uhr nach stellen. Was mir jedenfalls beim ersten Kassendienst auffiel, war die schwache Meppener Publikumsbeteiligung. Rausgerissen haben es an diesem Abend definitiv die Ibbenbürener, die mit THE AFFECTED mitgereist waren. 1:0 für Ibb-Town! Ach ja, den Fetenvollsten stellten die auch, von daher muss ich sagen 2:0! ;)

Das Konzert im Schnelldurchlauf: OUT OF PRACTISE hab ich mehr gehört als gesehen, da ich wie gesagt vorne an der Kasse saß. Schien aber ganz okay gewesen zu sein, aber alle Ibbenbürener waren noch draußen zum Rauchen, somit war's etwas leer vor der Bühne. Als THE AFFECTED auf die Bretter gingen kam dann deren Crew rein und feierte ganz gut. Die Band präsentierte auch gleich ihren neuen Gitarristen Buschti, der übrigens so dermaßen brandneu war, dass die noch nie vorher zusammen geprobt hatten und alles noch schnell oben im Backstage durchgehen mussten. Auf der Bühne klappte dann aber alles ganz gut und der Buschti passte sich mit herzerwärmenden Großmaul-Ansagen auch ganz gut in die Band ein. Hier gibt's ein Video:


Als Headliner kamen dann ANN BERETTA aus Richmond/Virginia. Speziell in der Fraktion der HOT WATER MUSIC oder auch GASLIGHT ANTHEM Enthusiasten ist die Band ganz dicke und speziell auch in Ibbenbüren, denn jeder der aus dem Kaff anwesend war freute sich ein zweites Loch in den Popo, als die Amis endlich anfingen. Die Band gibt's eigentlich auch schon ziemlich lange, da das böse Musikbusiness denen aber oft arg fies mitgespielt hat, haben die es erst jetzt nach Europa geschafft. Der Auftritt war sehr cool, alles aus einem Guss, man merkt bei den meisten Amibands schon einen Klassenunterschied zu deutschen Bands! Ich war nach einer Minute Riesenfan von dem Bassisten, der eine geile Basslinie nach der anderen rauswuppte! Coole Sau! Es wurde sich also gefreut, mitgesungen und gefeiert und später hab ich auch am Merch-Stand noch zugeschlagen, was bei mir immer ein Zeichen ist, dass ich eine Band super fand. Allerdings auch Spottpreise: ein Shirt und eine Vinyl-LP für nen Zwanni, da kann man nicht meckern! Hier noch ein Livezeugnis:


Also insgesamt ein runder Abend und das Aufstehen zur Arbeit fiel mir am nächsten Tag um 6 Uhr auch nicht sooooo schwer, trotz ein paar Bierchen... Es sei aber noch mal gesagt: Wenn ihr gerne internationale Bands aus USA oder sonstwo in Meppen haben wollt, dann geht das oft nur an Wochentagen. Die Gründe hab ich ja oben erläutert. Das solltet ihr im Hinterkopf behalten, wenn ihr beim nächsten Mal wieder das heimische Sofa dem schummrigen Konzertraum vorzieht... Von nix kommt nix! Am 03.10. habt ihr wieder eine Chance, dann spielen die BLACKLIST ROYALS aus Nashville... Zwei von denen haben bei ANN BERETTA mitgespielt, die kennen sich jetzt also aus in Meppen! ;)

Freitag, 14.09.2012 - MISS CHAIN & THE BROKEN HEELS, MARK SULTAN, REIGNING SOUND (Münster, Gleis 22)

Für Freitag und Samstag stellte sich nur kurz die Frage, ob ich da zum Altstadtfest nach Lingen fahre. Da dort aber für mich irgendwie nichts Gescheites auf dem Line-Up-Plan stand, verplante ich das Wochenende anders. Und am Freitag kam der Meister nach Münster! Greg Cartwright! Pflichtbesuch! Allerdings, hm, ich befürchte den kennt auch wieder kein Meppener ... also: Greg Cartwright ist einer der besten Songwriter die es derzeit so im Spannungsfeld Garage, Soul, Blues, Folk, Punkrock gibt! Kurz vorher schrieb mir auf Facebook sogar noch Stef Murphy von THE MIGHTY STEF aus Irland (haben 2010 in Meppen gespielt), ob ich denn bei dem Konzert wäre und er selber nicht könnte, weil er einen Auftritt bei Hannover spielt und sich so ärgert, und ich Greg C. gefälligst die Füße küssen sollte, haha... Und das von einem Mann den ich selbst für einen ziemlich knorken Musiker halte!

Das "Gleis 22" war auch recht gut gefüllt, aber der Altersschnitt lag schätzungsweise irgendwo bei Ende 20/Anfang 30. Na ja, jüngere Leute verschwenden ja generell ihren Enthusiasmus damit irgendwelche schnieken Hipster-Combos abzufeiern, die in 3 Jahren keine Sau mehr kennt. Da kann Greg C. nicht mithalten, der watschelte nämlich unrasiert und im schäbigen Karohemd durch den Club... Dafür macht er aber auch schon seit ca. 20 Jahren unsterblich gute Musik! Zuerst mit den OBLIVIANS, jetzt mit REIGNING SOUND! Und an den Kram wird man sich auch noch in 20 Jahren erinnern, da wette ich drauf! Das soll sich jetzt gar nicht allzu enthusiastisch anhören, da waren sicherlich einige heftigere Fanboys am Start. Aber der Mann ist einfach sehr sehr gut, da beißt die Maus keinen Faden ab!


Das Publikum war also etwas gesetzter, wodurch ich die Atmosphäre als sehr entspannt empfand. Zudem waren da noch zig lange nicht gesehene Bekannte und auch eine Handvoll noch nie getroffener Leute. Ich war also quasi ständig am "socializen" als dann MISS CHAIN & THE BROKEN HEELS aus Italien anfingen. Die mag ich eigentlich auch sehr gerne mit ihrem fluffigen Powerpop/Punkrock, aber an dem Abend zündete das nicht 100prozentig. Schlecht war's auch nicht, aber irgendwas stimmte nicht, oft war 'ne Gitarre verstimmt und nervös waren sie glaub ich bis zum Anschlag, denn die gehörten selbst auch zu der heftigen Fanboy/Fangirl-Fraktion. Mark Sultan aka BBQ gefiel mir danach besser, von dem bin ich ein großer Fanboy. Der beste One-Man-Band Typ der Welt, mit absolut großartiger Stimme gesegnet, die mich immer an großartige DooWop-Sachen aus den 50ern erinnert. Er wirkte den ganzen Abend leicht brummelig und ließ das auf der Bühne dann auch ordentlich raus. Da wurde heftig Dampf gemacht und auf der Gitarre geschreddert was das Zeug hielt, ohne dabei aber zu sehr ins Trashige abzudriften. Bestens!

Danach kamen dann die heiß erwarteten REIGNING SOUND, die locker flockig einen Hit nach dem anderen aus der Hüfte schossen. Die Leute starteten die erwartete Abfeierei, ich blieb auch ein paar Lieder lang vorne und amüsierte mich, ging dann aber im letzten Drittel weiter nach hinten und guckte mir die Sache mit ein bisschen mehr Ruhe an. Spricht meiner Meinung nach auch für eine Band, wenn man die sowohl direkt vor der Bühne im Tanzmob, als auch von den "hinteren Rängen" genießen kann. Alle waren glücklich, Miss Chain durfte auch noch einen Song mitsingen und nach noch ein paar Dutzend Smalltalks und vielleicht 1-2 Bier zuviel zuckelten wir wieder in die Heimat.


Samstag, 15.09.2012 - BREAKING TO ASHES (Meppen, JuZ "J@m-Center")

Am nächsten Tag stand dann musikalisch etwas komplett anderes auf dem Plan, nämlich das "Attack Of The Monsters III" im Meppener JuZ. Da ich aber bekanntlich musikalisch multipel veranlagt bin, hab ich kein Problem damit mir einen Tag nach einem REIGNING SOUND Konzert ein MORBID ANGEL Shirt überzuziehen und zu einem Death Metal Konzert zu gehen. Zudem war ich auch mal wieder zum ersten Kassendienst eingeteilt, der auch grandios gut wurde!

Ich hatte mir nämlich schon um 16 Uhr bei einem anderen Anlass diverse Bierchen reingezwitschert und war entsprechend "gut drauf", als ich mit Ziege hinter'm Kassentisch Platz nahm. Ziege ist übrigens der Spitzname von meinem Kumpel, nicht etwa ein Opfertier zu rituellen Schlachtung auf der Bühne! Nicht dass hier Missverständnisse auftreten, es ging da ganz gesittet zu!

Tja, Ziege und ich waren also ziemlich in Höchstform, so dass ich nachher der Meinung war, dass wir Eintritt für unseren Kassendienst hätten nehmen sollen! Womöglich kamen wir auch rüber wie zwei debile Idioten mit Alkoholproblem, aber ich hatte schon genug getrunken um meine Selbstwahrnehmung ausreichend zu verschieben, haha... Der beliebteste Gag war jedenfalls der "Ohrstöpsel-Pfand", da dort ein Sack mit Gratis-Oropax rumlag. Bei einige Gästen hörte man es beinahe laut im Hirnkasten rattern, als die über meine Ansage: "5,- Euro Pfand auf Ohrstöpsel und nachher bitte sauber wiederbringen" nachdachten. Tja, sowas und noch allerlei anderen Schabernack haben wir da getrieben. Beliebt war auch der "Unter 16" Stempel, mit dem man dann angeblich kein Bier trinken durfte, hehe... Da erntete ich auch einige verwirrte Blicke... Schönen Gruß auch noch an den jungen Mann, dem ich einen Stempel auf den Arsch geben durfte. Bei einem Mädel sollte ich angeblich noch auf dem Allerwertesten unterschreiben, aber irgendwie ist da nix mehr draus geworden...

Musik gab's da aber natürlich auch, und zwar BREAKING TO ASHES, eine neue Band aus der Harener Gegend, u. a. mit Beteiligung von ehemaligen GOING BORDERLINE Leuten. Allererster Auftritt, und das war gleich ein richtig guter! Interessant ist, dass die mit nur einer Gitarre spielen, aber trotzdem einen ziemlich fetten Sound hinbekommen! Allerdings ist der Gitarrenmann dadurch so beschäftigt, dass er relativ unbeweglich blieb. Und die cleanen Gesangsparts musste er auch noch singen, der hatte also gut zu tun. Folglich verschob sich die Klischee-Action-Verteilung (Gitarrist = Poser, Bassist = furzcool auf einem Fleck stehend) innerhalb der Band in die entgegengesetze Richtung, da der Aktions- und Wirbelradius des Bassisten weitaus größer war als der des Gitarristen. Soweit zum Optischen... Ich denke mal am Ende waren die meisten Anwesenden restlos von der Gesamtperformance der Combo überzeugt, jedenfalls werte ich dieses kuriose "Violent Dancing" Gehampel mal als zeitgenössischen Beweis der Zuneigung. Gelungene Premiere! Ende Oktober sind die Burschen noch mal beim "Rock am Dock" Festival in Meppen zu bewundern.


Tja, danach spielten dann noch HATE EMBRACED und KALYPSO, die ich aber beide verpasste. HATE EMBRACED hab ich schon öfter gesehen, aber KALYPSO hätte ich mir gern mal angeschaut. Ziege und ich mussten aber gesellschaftliche Verpflichtungen wahrnehmen: Kilbern auf'm Dorf! Also von der Death Metal Vorhölle ins schönste Dorfidyll mit FLIPPERS-Soundtrack! Leider durfte ich dort niemandem den Arsch stempeln, aber die ganze Blase vom Metalkonzert hab ich nach der Kilberei noch im Rockpalast wiedergetroffen. Und da ... tja ... das Übliche: Totaleskalation, 5 Uhr zuhause, Filmriss... Ein Träumchen!

Dienstag, 11. September 2012

Konzerte: 30 Jahre Rockpalast Meppen - Jubiläumsfestival

Lange war es erwartet worden, am 07. und 08.09.2012 ging es dann endlich über die Bühne: Das Festival zum 30-Jahre-Jubiläum vom Rockpalast Meppen. Ich denke mal, dass so ziemlich jede/r der/die zur Zielgruppe dieses Blogs gehört da schon mal mindestens einmal ein versumpftes Wochenende hingelegt hat, sofern er/sie nicht sowieso schon zur erweiterten Inventarliste des Ladens gehört. Und dass der Rockpalast dieser Tage seinen 30. Geburtstag feiern konnte war ja auch nicht immer so ganz sicher, denn permanente Schließungsgerüchte gehören ja zu dem Laden, wie die Pfütze ab 1 Uhr auf dem Boden der Herrentoilette. Man erinnere sich nur an die Farce, die da vor wenigen Monaten abging...

Die große Sause konnte also steigen und dafür waren gleich mal 2 Tage Open-Air angesetzt, coole Sache! Da könnte ein Rock'n'Roll-Traninigslager nicht schaden, dachte ich so bei mir, weswegen wir uns schon mal am Donnerstag (06.09.) ins Gleis 22 in Münster begaben. Da spielten DIGGER & THE PUSSYCATS aus Australien, mit denen ich am 16. November 2009 auch schon mal ein Konzert im Meppener Jugendzentrum gemacht hatte. Das war ein Montag, also standen damals eigentlich alle Zeichen auf scheiß Besucherzahlen ... war aber nicht so! Es war gut was los und so einige Meppener kriegten danach vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Denn DIGGER & THE PUSSYCATS sind nur 2 Typen, einer mit Gitarre, der andere mit Minimal-Standschlagzeug (1x Snare, 1x Stand-Tom, 1x Becken), beide singen. Und in der Formation bliesen die so ziemlich alles an die Wand, was jemals eine "komplette" Bandbesetzung in Meppen auf eine Bühne gebracht hatte! Die Meppener Tagespost titelte daraufhin ein paar Tage später mit "Australischer Musiker zerlegt seine Gitarre", da muss ich heute noch schmunzeln, das stimmte nämlich gar nicht. Frontmann Sam war nur leicht erregt darüber, dass ihm eine Saite gerissen war und warf sein Instrument daher etwas impulsiv von sich. Ich hab den Trümmer aufgesammelt und dann selbst hinter der Bühne eine neue Saite aufgezogen, alles noch voll funktionstüchtig! Aber Sam machte schon mit seinem Ersatzhobel weiter. Den kompletten Bericht von damals findet man auch noch HIER.

Konzertplakat zum DIGGER & THE PUSSYCATS Gig 2009. Hab ich damals auch selbst gezeichnet. Merke: Wenn Dir nichts Vernünftiges einfällt, dann verbrate einfach die naheliegendsten Klischees die Dir zum Heimatland der Musiker in den Sinn kommen... ;)
Nun ja, man könnte jetzt meinen diese australischen Randalebrüder hätten danach erstmal meine Wohnung zerlegt, aber weit gefehlt. Sam und Andy sind so ziemlich die sympathischten und pflegeleichtesten Typen der Welt, wir saßen noch die ganze Nacht bei ein paar Bierchen am Wohnzimmertisch, bevor ich die beiden am nächsten Vormittag schweren Herzens in die weite wilde Rock'n'Roll-Welt entließ. Allerdings sind wir eigentlich permanent in Kontakt geblieben und Andy hat sogar noch einen sehr coolen und witzigen "European Tourfood-Guide" für mein CRKO Fanzine geschrieben. Den kann man HIER nachlesen, auf Seite 70-72. Macht euch schlau über "Lunch at Flunch" und "Grünkohl, the green jewel of the earth..." ;)

Im Frühjahr 2012 war ich dann tatsächlich schon mit Marco - der die ganze Organisation für das Rockpalast-Festival machte - am überlegen, ob DIGGER & THE PUSSYCATS nicht auch dort spielen sollten, da schon feststand, dass die in dem Zeitraum touren. Letztendlich klappte das aber nicht, da beim Rockpalast auch eher Lokalbands mit direktem Bezug zum Laden spielen sollten. Gute Idee, von daher nicht schlimm, dass die Australier nicht dabei waren. Wir nahmen also das Konzert in Münster mit, was auch gleichzeitig den Tourneestart markierte. Erfreulicherweise durfte ich mit meinem kleinen Plattenlabel die beiden neuen Vinylsingles von DIGGER & THE PUSSYCATS mit rausbringen, also war das zeitgleich auch die Record-Release-Party! Wer Interesse an den Singles hat kann die übrigens HIER im Stream anhören und HIER kaufen... Verschiedene Vinylfarben, aller Schnick und Schnack... So, aber jetzt Werbemodus off... ;)

Als wir ankamen spielten THE SENSATIONAL SECOND COUSINS aus ... nanu ... Klazienaveen in Holland. Direkt hinter der Grenze also, haha, da hätte man auch zusammen fahren können. Ebenfalls ein Duo, aber eher in die klassische Rockabilly-Richtung, feine Sache. Dann war Zittern angesagt, denn DIGGER & THE PUSSYCATS waren noch gar nicht da! "Flugverspätung" ging durch den Ticker, aber um 22 Uhr ging die Tür auf und Sam und Andy standen auf der Matte, nachdem Sam (der seit Sommer in Europa lebt) im Alarmstart den armen Andy aus Schiphol abgeholt hat, wo der nach einer 36-Stunden-Odyssee (Melbourne, Indonesien, London etc.) endlich gelandet war. Und dann ging's direkt auf die Bühne und die beiden haben alles niedergerockt, und das obwohl sie seit 8 Monaten nicht mehr zusammen gespielt hatten. Hut ab! Andy kroch nachher aber auch wirklich auf seinem Zahnfleisch von der Bühne, der arme Kerl. Nachher haben wir aber beinahe noch ausgehandelt, dass die beiden nächstes Jahr auf meiner Hochzeitsparty spielen, haha... Mal gucken ob das klappt, geil wär's... (... kleine Anmerkung noch: Soeben erreichte mich die Meldung, dass den beiden Australiern in Berlin das Hotel unter'm Arsch weggebrannt ist! Zum Glück kein Personenschaden. Heiße Typen!)





So, nachdem sich der ein oder andere wahrscheinlich schon gefragt hat "Wann schreibt der Depp jetzt endlich was zur Rockpalast-Sause" ... keine Panik, jetzt geht's los!!! Dabei möchte ich mal von vornherein auf einen der wichtigsten Faktoren des Festivals hinweisen: Es herrschte tolles Wetter!!! Zwei wunderbare Spätsommerabende, da konnte von vornherein eigentlich fast gar nichts schief gehen! Ich hatte mir auch vorgenommen an jedem Abend früh da zu sein, das ging allerdings am Freitag in die Hose, so dass ich ALITAVE verpasste. Schade, aber die Jungs hab ich auch schon oft gesehen und selbst bestimmt schon ein halbes Dutzend Konzerte mit denen gemacht. Feine Burschen!

Dann folgte mit JAMMIN' JOHNNY & THE DISKOFUCKERS direkt die erste Überraschung des Wochenendes. Der Name sagte mir auf den Plakaten gar nichts und irgend jemand sagte vorher, die würden so eine Art "Party-Ska" spielen. Hmm... nicht die besten Voraussetzungen für mich, denn mit Ska kann man mich jagen. Auf der Bühne stand dann ein Typ mit Akustikgitarre, eine Bläsersektion und ein Typ der die Percussion auf einem Cajón machte. Und ich muss sagen, das Ganze war relativ geil, da das eher auf gutes Entertainment (okay, manchmal auch etwas zu viel Klamauk) angelegt war und auch starke Züge von Straßenmusik hatte, als die Musiker anfingen durch's Publikum zu rennen. Eine sehr gute Aktion, denn zu dem Zeitpunkt herrschte vor der Bühne noch der "emsländische Halbkreis" vor. Na ja, dieses geflügelte Wort sollte an beiden Abenden aber noch öfter die Runde machen, man kennt das ja... Später stand der Frontmann der Combo (also wahrscheinlich Jammin' Johnny höchstselbst) dann noch neben mir, als wir gemeinsam ein Gebüsch bewässerten. Einer der Trompeter ist wohl Meppener, er selbst kommt aus der Gegend um Hamburg und mit ihrer Band sind die in echter Straßenmusiker-Manier auch fleißig am rumreisen, unter anderem war auch kurz die Rede von Australien. Da könnten die ja evtl. mal mit DIGGER & THE PUSSYCATS Hotels niederbrennen, hehe...

Etwa zur gleichen Zeit liefen mir auch die Jungs von BIG TENNIS über den Weg, die auch alle alte Kumpels sind. Unfassbare Aktion: Deren Drummer Bo hatte einen Kuchen für mich gebacken! Da meine ehemalige Freundin und ich seit einem Monat ein frischgebackener Ehepaar sind, hatte der für uns einen frischgebackenen Kuchen mitgebracht! Unfassbar, ich war den Rest des Abends baff! Und der war noch warm und schmeckte großartig. Allerdings ist es für 2 Leute ein bisschen schwierig sich da in kurzer Zeit einen ganzen Kuchen reinzuverputzen, dementsprechend brachte ich den erstmal unter die Leute. Falls sich da also jemand über den komischen Vogel gewundert hat, der Kuchen verteilt hat ... das war ich!

Kuchen gab's! Aber leider keinen Kaffee, daher musste Bier herhalten, yummy :) DANKE BO!!!
Während der ganzen Zeit spielten natürlich auch Bands, um genau zu sein SEARCHING FOR SAM (die mir seit jeher - wie generell viele Harener Bands - viel zu schwermütig sind/waren) und FOOLS FROM STACK (gut, wie immer). Den Abschluss bildeten dann BIG TENNIS aus Lingen, da bin ich natürlich befangen, denn der Schlagzeuger hat mir halt diesen unfassbar guten Kuchen gebacken. Glaubt mir jetzt noch einer, dass ich die für die Band mit dem besten Pop-Songwriting und dem besten Sänger halte, die in den letzten Jahren dem Emsland entsprungen ist?!? Das riecht nach Bestechung! Na ja, ist ja auch egal, es sind halt auch einfach nur steile Typen! Gut ins Line-Up fügte sich übrigens auch deren neuer Bassist Philipp ein, der aber als Lingener Urgestein (u. a. ex-FATSO & THE RIGHTMAKERS) kein Unbekannter sein dürfte.



Während des gesamten Abends war natürlich großes Hallo angesagt, da massig Bekannte da waren, auch "länger nicht mehr Dagewesene". Also Smalltalk an allen Ecken und Enden, alles sehr angenehm. Nur war es nachher etwas schwierig in den Rockpalast selbst zu kommen, da war es leicht chaotisch am Einlass. Dementsprechend hab ich es mir dann nicht mehr angetan mich in der Schlange anzustellen, sondern hab noch eine Frikadelle auf die Hand genommen und bin mit meiner Liebsten nach Hause gestiefelt...

... was sich auch als weise Entscheidung herausstellen sollte, denn so war ich am nächsten Tag relativ fit und auch zeitig am Platz. TMH spielten zwar schon, aber das meiste vom Set bekam ich noch mit. Diese Band wollte ich auch sehen, da ich mit Sänger Peter bei der "Initiative 2.0" schon diverse Konzertprojekte mir durchgezogen hatte, mir seine Band aber immer ein Mysterium geblieben ist. Wenn nämlich mal die Chance bestand, dass TMH Support spielen sollten kamen immer dubiose Absagegründe, à la "Das geht nicht, da sind wir im Zeltlager" oder sowas, hehe... Der Auftritt beim Palast war aber ganz passabel, Melodycore mit englischen und deutschen Texten. Wobei ich von den deutschen Texten aber kein Wort verstanden hab, ich hoffe die haben keinen Quatsch gesungen. Ansonsten: Wenn kein Zeltlager ist seid ihr engagiert! ;D

Nach OUT OF PRACTISE (waren okay, werden mir aber mittlerweile zu schwülstig), TWEE-STAR (spielerisch mit am besten, litten aber auch etwas unter dem emsländischen Halbkreis) und BIG BALLS COWGIRL (von denen hab ich nicht viel mitbekommen, weil ich so eine "Rumlauf-Phase" hatte und im Rockpalast selber schon den ersten Russisch-Koks runterstürzen musste) kam dann (über eine kleine Solo-Einlage einer mir bekannten Person breite ich mal den Mantel des Schweigens) der Meister selbst: George Gambier, aka "Lord Cammy", der Chef vom Rockpalast. Bei den letzten Jubiläen war es ja schon Tradition, dass er immer noch ein paar Songs gesungen hat, diesmal also auch. Allerdings hatte er keine Backingband, sondern hat zu Musik aus der Konserve gesungen. Hm, wirkte ein bisschen komisch, aber okay ... hätte man dafür nicht KALTMIETE engagieren können?!? Wäre cool gewesen, aber ich weiß gar nicht ob es die noch gibt. Die Homepage existiert jedenfalls noch, da findet man auch alte "Lord Cammy" Songs: www.kaltmiete.de


Das Video hier ist übrigens der zweite Song den George gesungen hat, Gänsehautfeeling war schon dabei, wenn man sieht wie viele Leute da waren und jubelten. Danach begab ich mich allerdings direkt in den Palast, denn ... steinigt mich, aber ... ich bin nicht so ein Riesenfan von George's Kalypso-Pop, haha... Nicht böse gemeint, aber ich musste mich schon mal an der Theke festketten bevor sich da wieder Menschenmassen am Eingang drängelten. Es folgte dann auch mal wieder die Totaleskalation, denn so schlau wie ich am Vortag mit meiner frühen Abreise gewesen war, so dumm war ich am Samstag, als der Russisch-Koks in Strömen floss und sich mein Verstand allmählich gen Nirvana verabschiedete... Ja ja, das kennt man ja wieder, daher schreib ich jetzt auch mal nicht groß drüber, geschweige denn, dass ich noch was wüsste, haha...

Als Fazit kann ich eigentlich nur sagen: Absolut gelungene Veranstaltung! Prima Wetter, tolle und friedliche Stimmung auf dem Platz und im Laden (auch wenn ich draußen wieder ein paar braun angehauchte Honks rumlaufen sah) und jede Menge lange nicht gesehener Bekannter. Unter anderem auch aus alten Bands! Dennis von TWEE-STAR erinnerte sich z. B. bei einer Ansage noch an die ersten Palastauftritte mit seiner alten Band SAMPLAX, während vor der Bühne seine alten Mitmusikanten ihre Bierbäuche spazieren führten, hehe. Einen alten MORTAL FEAR Gitarristen sah ich leider nur von weitem, als er einen Bierstand belagerte (die teilweise mit den alten Thekenleuten besetzt waren, auch cool). Auf dem Platz hab ich noch mit Chrissy von den BATTLEDYKES geredet, der mit Timo von den BACKWOOD CREATURES vor 5 Jahren noch in der Palast-Jubiläumsband TEAM ZERO gespielt hat, damals mit dem Hit "Twentyfive years of Rockpalast". Timo war übrigens diesmal der Bühnentechniker und hat reihenweise auftretende Bandmitglieder verarscht, à la "Wie? Du willst ein Mikro? Kannst du denn überhaupt singen?" Wir standen dahinter und lachten uns ins Fäustchen, haha...

Ja, so war es also, das 30-Jahre-Rockpalast-Jubiläum. Eine schöne Sache war's und ich bin ganz froh, dass ich mit dem Entwurf des Jubiläums-Shirts auch ein bisschen selbst mit beteiligt war. Sollte jetzt ein großes Schlusswort folgen? Oder noch zeilenlange George-Beweihräucherung? Nee, das lass ich mal lieber... Nur kurz: Hut ab, dass George das so lange durchgehalten hat, trotz der massiven Schwierigkeiten! Bei allem Respekt vor dieser Leistung bin ich aber nicht so ein großer Anhänger dieser George-Ikonisierung, wie sie gerne von diversen Leuten betrieben wird. Der alte Mann ist ein guter Typ und ein Meppener Original, keine Frage! Aber wer z. B. schon mal eine Party mit ihm abgerechnet hat, der weiß, dass er da - mal ganz unromantisch gesagt - auch "nur" ein Geschäft führt. Und ich finde auch, dass mehr Potential in dem Laden steckt(e). Da hätte man in den letzten Jahren mehr machen können, als das standardmäßige endgültige Abschießen ab 2-3 Uhr nachts. Schade, dass da Möglichkeiten verschenkt wurden... Na ja, egal, ich bin gespannt wie viele Jahre George den Laden noch führen kann und wie es weitergeht. Gerüchte gibt es ja genug... 35 Jahre Rockpalast? Ich hoffe es, warten wir mal ab...

Montag, 27. August 2012

Konzerte: "Redefluss" am Püntker's Patt - 25. August 2012

So, das war er also, der "Redefluss" - der erste Poetry Slam von der "Inititative 2.0" und dem Meppener Jugendzentrum "J@m-Center"! Ich erinnere mich, dass die Ausrichtung eines Poetry Slams eins der ersten "Sollten wir mal machen" Projekte war, als ich mich vor ca. anderthalb Jahren bei den ersten Treffen der "Initiative 2.0" eingeklinkt hatte. Erstmal stürzten wir uns damals allerdings auf Konzerte und dann ... boing ... fand plötzlich ein anderer Poetry Slam im Musikhaus "Dausin & Hartmann" statt.

War aber gar nicht schlimm, vielmehr war an der dortigen starken Publikumsresonanz schon zu erkennen, dass sowas durchaus Sinn macht in Meppen. Und kürzlich war ja noch ein ähnliches Event im Jugendgästehaus am Helter Damm. Hatte ich erwähnt, dass ich beide verpasst hab?!? Eins aus Schusseligkeit, das andere aufgrund diverser Terminkollisionen. Ähem, Asche auf mein Haupt...

Ich sag mal gleich dazu: Auch bei der Planung vom "Redefluss" war ich eher passiv, und zwar aus dem Grund, weil ich momentan eine neue Ausgabe meines Fanzines aus dem Boden stampfe. Und das ist nicht immer ein Zuckerschlecken... Ich könnte jetzt zum großen Rundumschlag ausholen, wie schlecht sich das alles mit dem persönlichen Zeithaushalt verträgt, mit dem Berufsleben im 40-Stunden-Job, mit dem Sozialverhalten im allgemeinen und ... ach ... ich kann's auch einfach darauf beschränken, dass ich momentan halt in der "Reviewmarathon-Phase" bin, in der ich tagein tagaus zu Hause hocke und wundervolle Vinylschätzchen von unbekannten aber großartigen Bands wie THE MIDWEST BEAT (aus Wisconsin), DIN SKEVF (aus Schweden), DEUTSCHE BANKS (aus Kanada, bester Bandname), MIESHA & THE SPANKS (ebenfalls Kanada), REGAL (aus Frankreich) und zig anderer obskurer Combos anhöre, über die ich dann vielsagende englischsprachige Reviews schreibe, in denen allerhand Adjektive wie "rad", "awesome" und "fuckin' amazing" vorkommen... Und natürlich die Dutzenden Platten die einfach scheiße sind, die man sich aber trotzdem anhören muss...

So gesehen, war ich in den letzten Tagen und Wochen also auch schreiberisch tätig, auch wenn ich damit nicht beim Poetry Slam auftreten konnte und wollte. Aufgrund dieser zeitafwändigen Reviewscheiße musste aber ich den Leuten von der "Initiative 2.0" unter der Woche sogar die Moderation der ganzen Sache absagen, da ich ohnehin nicht direkt zum Startschuss der Veranstaltung da sein konnte, weil ich noch vor'm Plattenspieler hockte. Tja, ein Punkrockfanzine zu machen ist ein hartes Brot...

Gute Kulisse beim "Redefluss" am Püntker's Patt. Alles linksrum, außer die Sportler! (Foto von Melanie Silies: www.facebook.com/MSiliesFotografie)
Um kurz nach 21 Uhr war ich dann mitsamt Begleitung endlich am Püntker's Patt, wo die ganze Sache stattfand (mein Namensvorschlag "Poetry am Pennereck" wurde leider vorab von "Redefluss" ausgestochen, schade, hehe...). Der Nachmittag hatte mit mehreren Gewitterschauern noch mal für Zittern gesorgt und anscheinend war auch auf das Gelände der ein oder andere Schauer niedergegangen. Als wir ankamen hatten wir aber die Sonne im Gepäck ... ha, nein, stimmt gar nicht, es war ja schon dunkel. Aber die Wolkendecke klarte auf und es war sehr angenehm, Sternenhimmel, großer Wagen, kleiner Wagen, alle da! Stichwort Dunkelheit: In den nicht beleuchteten Bereichen war ich auch wieder äußerst nachtblind und bin wahrscheinlich wieder grußlos an 2 Millionen Bekannten vorbeigelaufen. Falls sich jemand ungerecht behandelt fühlt: Fühle Dich hiermit gegrüßt, denn ich hab leider nix gesehen... Ich muss auch dazusagen, dass ich aufgrund des Vorabends noch etwas neben mir stand, da gab's zuviel Bier, Enzianschnaps und ich hab nachher ... immer ein Zeichen für Totaleskalation ... noch nen Kerl geküsst. Puh, darüber breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens...

Ansonsten war ich aber nach den ersten Metern am Ort des Geschehens echt baff, wie viele Leute da waren! Im Planungsvorfeld war man von ca. 100-150 Leuten ausgegangen, ich würde aber mal locker auf 250 tippen, die sich erfreulicherweise vom nachmittäglichen Regen nicht hatten vertreiben lassen. Hut ab Meppen! Alle Altersklassen waren vertreten, vom Lehrer bis zum intellektuellen Hipster-Beatnik mit Lakritzbrille und 5-Tage-Bart bis hin zu "normalem" Laufpublikum, das einfach nur mal gucken wollte und sich ein Bier, einen Cocktail oder eine Grillwurst genehmigte. Direkt als wir ankamen trafen wir leider auch auf den ersten jungjugendlichen Vollhonk, der besoffen durch die Gegend fiel, aber selbst das blieb im Rahmen und war auch der einzige Vorfall dieser Art, soweit ich es mitbekommen habe.

Foto von Melanie Silies: www.facebook.com/MSiliesFotografie
So, damit ging's also für uns los mit dem Poetry Slam. Ich wusste ja gar nicht was auf mich zukam, denn wie erwähnt hatte ich die anderen Slams in Meppen leider verpasst. Der Duden sagt jedenfalls:
auf einer Bühne vor Publikum [das gleichzeitig die Jury ist] ausgetragener Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer selbst verfasste Texte vortragen
Nun ja, als beinharter Punkrocker steht man ja generell eigentlich nicht auf so Kleinkunstkram, ich war also gespannt ob ich applaudieren oder mit Flaschen werfen musste. Die Vorrunde und die erste Band FOOLS FROM STACK hatten wir ja leider schon verpasst und stiegen also direkt mit dem Halbfinale ein. Wir pflanzten uns neben ein schwer verliebtes Lesbenpärchen und harrten der Dinge die da kommen sollten. Und, was soll ich sagen?!?! Das Halbfinale bestand aus 5 "Slammern" die jeweils fünfminütige Texte vortrugen. Und davon war ich echt beeindruckt!!! Was da für ein Feuerwerk an Ideen abgebrannt wurde war schon großartig. Von ernst bis albern, von prosaisch bis lyrisch, teilweise auch mit interessanter Rhythmik vorgetragen, die teilweise sogar in Richtung Sprechgesang ging. Manchmal auch mit Publikumsinteraktion (und die Meppener machten sogar mit!!!), also da ging schon einiges...

Ich mach ja nicht nur diesen Blog, sondern beschäftige mich in meiner Freizeit ja auch in anderer Form mit dem geschriebenen Wort (wenn ich nicht gerade den ganzen Tag Plattenreviews schreiben muss), aktiv wie auch passiv. Und bei einigen Beiträgen erstarrte ich schon fast vor Ehrfurcht, wie kreativ da mit diversen Themen umgegangen wurde. Teilweise wurde das dann auch noch ohne Textblatt vorgetragen, mein Gott, ich könnte mir das gar nicht alles merken. Ich konnte mir ja nicht mal die Namen der Beteiligten merken, haha... Aber das hat auch vielleicht den Vorteil, dass ich so niemanden herausheben kann. Es waren jedenfalls neben Emsländern und Grafschaftern auch Leute aus Berlin und Halle auf der Bühne. Und für mich war kein Ausfall dabei, es war alles auf seine eigene Weise interessant und man konnte sich schnell in das Vorgetragene hineinversetzen.

So sah's von hinten aus: viele Leute, bunte Bühne, brennende Feuertonnen. (Foto von Melanie Silies: www.facebook.com/MSiliesFotografie)
Im Finale standen dann eine junge Dame aus Berlin und ein junger Herr aus Bad Bentheim, die nicht nur gegeneinander "kämpften" sondern auch ein bisschen gegen allerlei Insektengetier, das vom Bühnenlicht angezogen wurde. Dementsprechend gab's nicht nur was für die Ohren sondern auch ein paar lustige Zappeleinlagen von den Protagonisten, haha... Gewonnen hat letzendlich der Bad Bentheimer, Florian hieß er (die Namensnennung wurde auch irgendwie zum Running-Gag auf dem Platz: "Flooooorian!"), der auch echt gut war. Bei seinem letzten Text hab ich teilweise Tränen gelacht, das ging schon fast in Richtung Stand-Up-Comedy, großartig! Verdienter Sieg, auch weil seine "Kontrahentin" zwar einen guten Text vortrug, aber irgendwie etwas haspelig wirkte. Wer weiß, vielleicht war sie auch irritiert von den umherschwirrenden Motten, haha...

Zwischendurch spielten übrigens noch RAZZ, die immer noch extrem gut sind, oder vielleicht einfach nur immer besser werden. In den letzten Wochen sah's mal ganz gut aus, dass ich eine CD für die mache, das hat sich kürzlich aber leider zerschlagen. Ich hoffe die Jungs kriegen trotzdem zeitnah mal was auf Tonträger gepresst, es muss jetzt mal was unter die Leute, ich schätze dann läuft's noch besser für die. Toi toi toi!

Der Sieger Florian! Sieht ganz lieb aus, redete allerdings viel über Scheiße, Sex und anderes unflätiges Zeug... (Foto von Melanie Silies: www.facebook.com/MSiliesFotografie)
Und sonst? Dass es schön war hatte ich ja schon erzählt, aber irgendwie ist das vielleicht noch untertrieben. Das einzigartige Ambiente da am Wasser war echt toll und der Platz mit Lichterketten, Strahlern und Feuertonnen wirklich toll und liebevoll hergerichtet. Okay, nicht jede Feuertonne brannte auf Anhieb, aber das kann ich beim nächsten Mal gerne übernehmen, ich hab in meiner Kindheit ein Kokeldiplom mit "Summa cum laude" abgelegt. Aber im Fazit kann ich nur sagen: Es war großartig und hat alle Erwartungen übertroffen, was Publikumsresonanz, Atmosphäre und Stimmung angeht! Blöder Klischeespruch, aber wahr: Wer nicht dabei war hat echt was verpasst und ich hoffe das wird nächstes Jahr wiederholt! Man könnte vielleicht auch 2x im Jahr was machen, 1x Poetry Slam, 1x Musikfestival ... oder 2 Abende direkt hintereinander - ein Abend nur Musik, anderer Abend Slam mit Akustik. Ideen über Ideen! Wie auch immer, geil war's! :) Hier auch noch mal ein Video:


Am Ende war dann auch das Bier alle und - was ich eigentlich schon vorher erwartet hatte - es fielen auch noch zwei Leute ins Wasser nachdem sie unbedingt auf der Spundwand herumbalancieren mussten. Wobei der eine dem anderen eher aus Solidarität hinterhergesprungen ist und alle wieder schnell an Land waren. Das wär ja auch was gewesen, wenn ich da mit meinem Seepferdchenaufnäher noch hätte zur Rettung ausrücken müssen...

Als wir nachher noch im Palast waren, war das es dann seltsam ... als träte man in eine andere, unlockere Welt ein. Zuerst mal hielt an der Hubbrücke ein Polizeiwagen neben uns und wir wurden gefragt ob wir angerufen hätten wegen Körperverletzung. Nein, hatten wir nicht. Was aber wohl die falsche Antwort gewesen war, denn der freundliche Beamte raunzte uns irgendwie an, als würde er uns jetzt am liebsten verhaften. Im Rockpalast dann ... komische Leute, pissbesoffen und aggressiv, am Eintritt von einem Typen mit Thorshammer-Halskette abgefertigt, den ich jetzt mal vorsichtig zumindest mal der politischen Grauzone zuordne, und nachher ein offensichtlich als Fascho ersichtlicher geistiger Tiefflieger mit Reichsadler auf dem Shirt, der noch mal durch den Laden defilierte und mit seinen "unpolitischen" Metallerkumpels abklatschen durfte.

Na ja, ich hab's ja öfter schon hier geschrieben, das mir bei sowas schlecht wird und ich es erschreckend finde, dass sowas in Meppen anscheinend wieder hoffähig wird. Ich bin eigentlich dankbar, dass solche Leute bei einem Kulturangebot wie dem "Redefluss" nicht auftauchen ... irgendwie klar, dass solche Hohlköpfe und kleinen Lichter in ihrer von Hass, Intoleranz und Parolen geprägten Schrottwelt keinen Sinn für kreativen Umgang mit der eigenen Muttersprache haben. Bei Slogans wie "Todesstrafe für Kinderschänder" und Stab- und (Haken-)Kreuzreimen bei GIGI UND DIE BRAUNEN STADTMUSIKANTEN hört's da ja meist auf. Deutschland, das Land der Dichter und Denker ... erbärmlich wenn ich solche Idioten sehe. Zum Glück hat das Event am Püntker's Patt gezeigt, dass es noch ein aufgeklärtes und kulturell hochwertiges Meppen gibt!

Die mysteriöse Tropica-Spur ... leider keine fruchtige Saufeule am Ende getroffen.
Wie dem auch sei, ich hatte dann auch keine Lust mehr mich darüber aufzuregen und wir sind dann einer mysteriösen Spur aus Tropica-Flaschen nach Hause gefolgt, an deren Ende ich eigentlich eine/n sturzbesoffene/n Fruchtsektliebhaber/in zu finden hoffte, aber nicht fand... Und am nächsten Tag hörte ich wieder massig Platten und hab noch die sehr empfehlenswerte Doku "Last Days Here" über den PENTAGRAM-Sänger gesehen ... uuuuunglaublich, muss man gesehen haben!

Wir sehen uns im September bei den nächsten Sachen im Jugendzentrum an der Königstraße:
  • Donnerstag 13.09. - ANN BERETTA (Richmond VA) + THE AFFECTED (Ibbenbüren) + OUT OF PRACTISE (Meppen). Hier geht's zum Facebook-Event!
  • Samstag 15.09. - Attack Of The Monsters III: mit Breaking to Ashes (Haren), Hate Embraced (Sögel) und Kalypso (Lingen). Hier geht's zum Facebook-Event!

Mittwoch, 1. August 2012

REVIEWS: Kalle Stille - Kurz vor dem Arsch der Welt links ab (Buch)


Kalle Stille
KURZ VOR DEM ARSCH DER WELT LINKS AB...

[Buch, 254 Seiten, Verlag "Under The Ivy", ISBN 978-3-9814906-0-2] "Kurz vor dem Arsch der Welt links ab“?!? Da ahnt man schon worum’s geht, oder?!? Nein, es geht nicht nach Meppen! Na ja, vielleicht doch ein bisschen... Kurz gesagt: Ein Altpunk schreibt eine Autobiografie über seine Kindheit und Jugend in der Provinz. Also quasi ein Kleinstadtroman. Das kommt Dir jetzt irgendwie bekannt vor? Richtig! Es gab ja schon „Dorfpunks“ von Rocko Schamoni. Lustigerweise lässt Autor Kalle Stille sich am Ende seines Buchs auch augenzwinkernd darüber aus, dass Rocko allein mit seinem Buchtitel damals das ultimative Schlagwort für diese Thematik okkupiert hat. Pech also für Leute wie Kalle, die zu spät mit ihrem Buch angefangen haben, haha… Aber ich will „Kurz vor dem Arsch der Welt links ab“ gar nicht sooo sehr mit „Dorfpunks“ vergleichen … wobei … wenn ich gleich im ersten Absatz permanent darüber schreibe, ist es eh zu spät, oder?!? Haha, also egal!


Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich „Dorfpunks“ überhaupt mal komplett gelesen habe, daher kann ich grad wenig Parallelen ziehen. Den Film hab ich gesehen, den fand ich eher so … nett … Irgendwas ist mir noch mit Unkraut-Ex in Erinnerung geblieben, das kommt jedenfalls auch bei Kalle Stille vor. Aber Kalle schreibt hier schon so ziemlich seinen eigenen Stiefel und hat auch genug erlebt, daher sollte ich vielleicht einführend mal zusammenfassen wer dieser ominöse Kalle Stille überhaupt ist.

Karl-Heinz Stille ist seit Anfang der 1980er-Jahre in der deutschen Punk(rock)szene aktiv. Und „aktiv“ heißt, der hat nicht nur gesoffen und Bullenwagen angezündet, sondern er hat zuerst einen kleinen Vertrieb gemacht, und sich später dann aber vor allen Dingen als Fanzineherausgeber und –schreiber hervorgetan. Ich bin das erste Mal über ihn gestolpert, als wir vor ein paar Jahren gemeinsam beim Ox Fanzine geschrieben haben. Unter Dutzenden von Mitschreibern fallen einem da schnell diejenigen auf, die auf der gleichen musikalischen Wellenlänge funken, und Kalle Stille war immer mit einem exzellenten Musikgeschmack gesegnet und auch dem richtigen Humor, den er in diversen Kolumnen auslebte.

Schade eigentlich, dass wir uns (bisher) nie persönlich begegnet sind, aber jetzt konnte ich mir den guten Kalle hiermit ja wenigstens in Buchform in die gute Stube holen. Und gleich vorneweg gesagt: Ich lebe in Meppen (Emsland), er lebt in einem Kaff bei Stuttgart. Da dürfte klar sein, dass ich mich mehr als gut in seine Erlebnisse hineinversetzen kann, auch wenn uns altersmäßig circa 10 Jahre trennen. Zumindest werden direkt auf den ersten 30 Seiten schon mal Meppen und Berentzen Appel erwähnt, da fühlt man sich als emsländisches Landei doch gleich wie zuhause!

Ansonsten geht’s unter anderem darum, wie Kalle überhaupt im schwäbischen Möglingen landete, um teils kuriose Besuche bei der Verwandtschaft in der DDR, wilde Teenagerjahre mit Pornografie, Partys und Sauferei, schockierenden Rauf- und Prügelgeschichten, explosive Episoden über Sprengkörperbau mit dem schon erwähnten Unkraut-Ex, Aggressionsabbau in einer Rugbymannschaft und später dann das harte Leben nach der Schule, inklusive Wehrdienstverweigerung, treffenden Erkenntnissen über den Zivildienst in einem Behindertenwohnheim (auch da bin ich Leidensgenosse) und allem Drum und Dran. Was man halt erlebt wenn man jung ist und die Lebensplanung nicht so ganz nach dem Prinzip Schule, Lehre, Beruf, Frau, Hausbau, Kinderkriegen ausgerichtet ist…

Über allem schwebt in diesem speziellen Fall aber natürlich: PUNK! Und wie man zum Punk kommt. Wie Kalle hier selbst so schön schreibt: Man wacht nicht eines Morgens auf und ist „Punk“. Und Kalle ist auch nicht das, was manch einer heute unter Punk versteht. Also weder ein sich übers Outfit definierende „NOFX“ oder „Millencolin“ Shirtträger mit Emofrisur, noch ein schnorrender dauerbesoffener Ranzpunk vom Bahnhof. In dem Zusammenhang ist z. B. lustig zu lesen, wie er den Mythos um die Hannoveraner Chaostage demontiert, bei denen er damals selbst anwesend war! Weitere besondere Infos für Punkspezialisten sind u. a. ein kurzer Exkurs zum berühmt-berüchtigten Label Rock-O-Rama und generell das Miterleben des Wachstums der deutschen DIY-Punkszene, in Form von Mailorder-, Vertriebs- und Fanzinekultur und das daran anschließende Aufkommen von Hardcore. Was ja damals auch was anderes war, als die Prollkultur die diesen Begriff heutzutage leider für ihre Musik gepachtet hat… Wer also denkt Punk ist nur Pogo und Hardcore ist nur Circle Pit, der sollte das Buch ruhig mal lesen. Kalle bringt hier nämlich ganz gut rüber, dass Punk etwas mit Attitüde zu tun hat (oder es zumindest sollte) und nicht mit Outfit oder albernen Ritualen. Dass es beim „Punk sein“ vor allen Dingen um Selbstverwirklichung geht und darum, was auf die Reihe zu bekommen. Und ohne diese damalige „Do It Yourself“ Attitüde von Punk/Hardcore, würde es die Strukturen, auf die sich heutzutage diese ganzen halbprofessionellen „Indie/Alternative“ Band berufen, überhaupt nicht geben!


Aber Punk hat natürlich auch was mit Musik zu tun. Dementsprechend kann man hier auch viel über Kalles Beutezüge durch die Plattenläden und Mailorderlisten dieser Republik lesen. Und dass er eine ausgeprägte Sammlermentalität hat, wird schon deutlich wenn er z. B. über die Musikbilder-Einklebehefte der 80er schreibt, die dem ein oder anderen Zeitgenossen vielleicht noch bekannt sein dürften. Ich würde heute gerne mal einen Blick in Kalles Wohnung werfen. Ich tippe mal auf mindestens zwei 5x5er Expedit-Regale mit Vinylschallplatten und überall in der Wohnung verteilter Sammlerschnickschnack: Figuren, Bücher, Poster, Sammelalben…

Daneben wird einem oft beim Lesen eines solchen Buches erstmal wieder bewusst, wie sehr das Internet in den letzten Jahren auch die Zeit verändert hat. Wie viel Zeit man damals in Tape- und Vinyltrades investiert hat. Wie viel Zeitaufwand es allein war ein Mixtape aufzunehmen, während man heute problemlos die Festplatte mit einem Terabyte Musik vollsaugen kann, die man doch in den nächsten 20 Jahren nicht komplett hören kann…

Etwas seltsam fand ich ja seinen Vergleich von Masturbation und dem Entdecken von Musik – man kann beides nur alleine... ähem, nun ja… Nachdem er die Masturbationsphase hinter sich hatte, startete Kalle jedenfalls diverse Projekte. Unter anderem den schon erwähnten kleinen Vertrieb für Kassetten und Tapes und auch kurzzeitig eine eigene Band. Und vor allen Dingen da bin ich ihm dankbar, dass er die Zeit NICHT durch die rosarote Brille zeigt, wie das ja in JEDEM anderen Buch zu dem Thema zu sein scheint! In einer Band zu sein kann auch ganz schön ätzend sein, das wird hier deutlich, haha!

Wichtig sind aber natürlich auch Kalles diverse Fanzines, namens „Vollsuff“ und „Think“, für die er selber schrieb, Comics zeichnete und alles selbst rausbrachte. Bis er dann beim „Plot“ und „Zap“ landete und heute nach wie vor beim „Ox“. Auch warum er nicht beim „Trust“ mitgewirkt hat wird hier mit reichlich amüsanten Seitenhieben geklärt. Aber womöglich geh ich hier auch schon zu sehr in Insider-Details. Wer über Kalle Stilles Fanzineaktivitäten mehr wissen möchte, dem sei wärmstens sein anderes Buch „Alles was ein Fanzine braucht“ empfohlen. Ein 500-Seiten-Wälzer mit einem Großteil seines schreiberischen Schaffens aus den letzten 27 Jahren!


Über „Kurz vor dem Arsch der Welt links ab“ kann ich jedenfalls resümieren, dass ich eine Menge Spaß mit dem Buch hatte. Wahrscheinlich auch, weil ich ähnlich aufgewachsen bin wie Kalle Stille und einen ähnlichen Background hab. Insgesamt gibt es hier vielleicht keine Überraschungen, aber was soll es in so einer Kleinstadt-Autobiografie auch für Überraschungen geben?!? Dass dem Protagonisten eines Morgens ein Horn aus der Dunstkiepe gewachsen ist oder das er sich ein zweites Arschloch gefurzt hat? Nein nein, das hier ist ein solides amüsantes Buch, in dem ich viel Parallelen zu meiner eigenen Kindheit und Jugend finde, auch wenn ich ein paar Jahre nach dem Autor zur Welt gekommen bin. Ich denke das Buch ist aber durchaus auch für Leute interessant, die nicht unbedingt aus der Punkrockszene kommen, sich aber gerne auf Geschichten von irgendwelchen Nerds einlassen, hehe… Speziell Kleinstädter und/oder Landeier!

Ich hatte kürzlich das Gefühl, dass es momentan relativ viele dieser „Kindheit in den 80ern“ Bücher gibt. Da gehört „Kurz vor dem Arsch der Welt links ab“ natürlich auch erstmal dazu. Aber an diesem Buch schätze ich vor allen Dingen, dass hier nicht permanent diese ätzende „Früher war alles besser“ Sentimentalität verbreitet wird. Kalle Stille hat vielmehr eine realistische rückblickende Sicht auf die Dinge, garniert mit einem dicken Brocken Sarkasmus/Ironie und staubtrockenem Humor.

Kritik gibt’s von meiner Seite eigentlich nicht viel. Rein technisch hat das Buch einen etwas blöden Satzspiegel, der bis fast an den Rand und in die Bindung geht. Inhaltlich häufen sich im hinteren Teil die Rechtschreibfehler und es gibt auch einige Wiederholungen (wir werden z. B. des Öfteren aufs Neue über die Sprenggeschichten mit dem Unkraut-Ex aufgeklärt, und welche Kalles zweite selbstgekaufte Platte war und was es damit auf sich hatte, nicht zu vergessen seine permanenten Höhlenmenschen-Metaphern…), die man mit einem guten Lektorat bestimmt noch hätte ausdünnen können. Aber das ist dann wahrscheinlich auch schon nicht mehr Punk, haha… Und ich schätze Kalle Stille wollte von vornherein keinen „Preis für kreatives Schreiben“ gewinnen! Das überlassen wir dann mal lieber hippen 17jährigen Indie-Boys’n’Girls, die sich ihre Texte von irgendwelchen Blogs zusammenklauen. (Bernd)

Montag, 23. Juli 2012

REVIEWS: The Affected - The Enemy Within CD

THE AFFECTED
The Enemy Within CD
[Major Threat, www.theaffected.de]
THE AFFECTED aus Ibbenbüren gibt es mittlerweile auch schon seit 2007, und nach fleißiger Konzertspielerei in den letzten Jahren (u. a. am 26.5.2012 in Meppen), haben sie jetzt mit „The Enemy Within“ endlich ihren ersten Tonträger draußen. Mit 6 Songs ist die CD zwar eher eine EP als ein vollwertiger Longplayer, macht aber nix, denn die Songs sind super und die Scheibe verkauft die Band für spottbillig. Hier wird moderner Poppunk geboten, und wenn ich von modernem Poppunk rede, dann meine ich nicht so einen Käse wie Avril Lavigne oder PANIC AT THE DISCO! Nein, wenn man unbedingt Vergleiche heranziehen möchte, dann standen hier eher Bands wie MXPX oder die fantastischen COPYRIGHTS Pate. Und das THE AFFECTED aus dem Heimatort der DONOTS stammen, kann man mit etwas Wohlwollen vielleicht auch hier und da heraushören. Allerdings wird hier keinesfalls auf irgendwelche Trends geschielt und auch den internationalen Vergleich brauchen THE AFFECTED mit dieser CD wirklich nicht zu scheuen!
Die Songs sind top produziert, es gibt massenhaft coole Melodien und Singalongs (speziell „Stop The Trend“ ist ein Hit) und textlich geht’s auch nicht nur um die im Poppunk üblichen abgedroschenen Girls/Beach/Fun Thematiken. Also eine rundum gute Scheibe von THE AFFECTED! Was ich aber auch fast so erwartet habe, da ich Frontmann Peter schon vor Jahren über seine alten Bands KIDNEY BEANS und FREEBEES kennengelernt hab und er seit Jahren auch bei THE VADERS (die ja evtl. auch dem ein oder anderen Streetpunker ein Begriff sein dürften) immer gutes Zeug abliefert hat. Daumen hoch für THE AFFECTED! (Bernd)