Montag, 8. Juli 2013

Konzerte: "School's out Festival" | 05.07.2013 | Packhalle, Sögel

In Sögel war ich in der letzten Zeit nicht allzu oft, von daher war das "School's out Festival" mal wieder eine gute Gelegenheit. Früher gab's da als JuZ den alten Bahnhof, wo auch diverse Konzerte stattfanden. Irgendwann wurde die Bude aber dichtgemacht und heute ist das Sögeler JuZ in der Alten Post bzw. der alten Packhalle ansässig, was alles irgendwie ein zusammengehöriger Komplex ist, wie wir feststellten, als wir nach 'n bisschen Rumkurverei durch Sögel-Central ankamen...

Ein Hauptgrund für den Besuch war für mich auch, mal die Örtlichkeit zu checken. Der alte Bahnhof hatte damals gelinde gesagt etwas "höhlenartiges", also war ich mal gespannt welchen Eindruck der neue Schuppen macht. Und da muss ich echt sagen: Hut ab! Da konnte man schon neidisch werden! Da ich meine Konzerte ja immer im Meppener JuZ mache, ziehe ich da immer so meine Parallelen - und auch wenn wir in Meppen echt schon gute Bedingungen haben, setzte das Ding in Sögel da noch mal ordentlich einen drauf!

Das ganze Gebäude ist offensichtlich grundsaniert und sieht aus wie aus dem Ei gepellt. Auf den Toiletten hätte man allen Ernstes essen können! Alles picobello sauber, alles neu, es blitzte und blinkte förmlich an allen Ecken. Der Konzertraum war dann auch noch mal eine Klasse für sich. Schöne Bühne mit rotem Vorhang, in Sachen PA und Beschallung exzellentes Material, dazu offensichtlich eine komplette Backline, inkl. eigenem Packhallen-Schlagzeug, so dass Bands hier wie es schien eigentlich kaum mehr mitzubringen brauchen, als Verbrauchsmaterial (Snare, Hi-Hat etc.) und Verstärker-Topteile. Unglaublich gute Ausstattung. Dazu noch prima Beleuchtung und der Raum selbst war auch ganz freundlich. Größer als Meppen, ich würde mal sagen wenn der Meppener JuZ-Raum maximal 100 Leute fasst, passen in Sögel gut und gerne 150 Leute rein (die dann auch alle was sehen können, während die Raumaufteilung in Meppen bei ausverkauftem Haus ja mitunter etwas ungünstig ist). Dazu im Vorraum eine Theke und im Raum selbst auch noch mal.

HOME REARED MEAT in Aktion auf top ausgestatteter Bühne...
Dazu dann noch ein engagierter Jugendpfleger, der Ahnung von der Technik hatte. Ich hab's leider versäumt ihn nachher noch anzuquatschen, aber ich glaube das war der Bassist von THE MORTIS und ich meine er war damals auch schon mit dem "Emsland Rockdepartment" aktiv, als wir in Meppen noch mit der mycourts-Konzertgruppe zugange waren... Nun ja, die Zeichen standen also günstig für einen feinen Konzertabend. Was es im Endeffekt auch war, allerdings unter gewissen Vorbehalten, denn irgendwie war der ganze Abend etwas "pannenbehaftet", sag ich mal...

Als wir mit unserer Meppener Reisegruppe reinkamen spielten schon AGAINST RANDY (www.facebook.com/AgainstRandy), die zu dem Zeitpunkt wohl auch schon einige Gitarrensaiten durchgebraten hatten, also auch schon etwas "Technikpech" hatten. In den Songs die wir gesehen hatten zockten die sich aber souverän durch ihren eingängigen Alternative-Punkrock. Gute Band!


Danach meine heimlichen Lieblinge HOME REARED MEAT (www.facebook.com/homerearedmeat), die ein gewaltiges Brett nachlegten. Ich finde die mischen ganz gut oldschool Death Metal mit new school Deathcore, bis hin zu Grindcore-Einschlägen mit geisteskranken Pigsqueal-Vocals. Crazy Typen und auch auf der Bühne sehr agil mit zwei Sängern, permanent moshendem Gitarristen und blutigem Bühnenoutfit. Cooler Auftritt, aber auch hier schlug der Technikteufel zu, denn erst tat der Bass nicht und dann war zum Ende hin eine Gitarre durchgenudelt und auf die Schnelle machte es wohl keinen Sinn auf dem runtergestimmten Hobel die Saiten zu wechseln. Dementsprechend wurden die letzten Songs gecancelt, sehr schade...

Danach kamen die Haselünner COOBY (www.facebook.com/coobymusik), die ja bekanntlich noch mal einen ganz anderen Sound machen, nämlich diesen sentimentalen JOY DIVISION-inspirierten Indierock. Ich hatte die in Meppen schon mal gesehen und fand die ganz gut. Ganz interessant ist ja auch, dass die mit zwei Bassgitarren spielen. Und da war natürlich gleich im ersten Song der Wurm drin, weil die irgendwie komplett verstimmt waren. Als dann alles passte ging dem Mann an den sechs Saiten der Gitarrengurt flöten, so dass er erstmal im Sitzen weiterspielen musste. Wie verhext! Die Burschen nahmen's aber lässig und spielten danach ein gutes Set. Ich find die echt gut, auch wenn eine gewisse Nähe zum Sound von RAZZ vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Hört sich aber alles noch ausreichend eigenständig an, mal gucken was von COOBY in Zukunft noch kommt.


Als nächstes waren SHARON TATE aus Aurich (www.facebook.com/sharontatehc) dran, deren Sound als Mischung aus Hardcore, Stonerrock und Thrash angekündigt war. Okay, Sharon T. war 'n fesches Mädel, aber bei "Hardcore" bin ich ja immer etwas kritisch, denn Hardcore ist ja nicht immer gleich Hardcore und auf diesen Muckibuden-Prollsound steh ich ja überhaupt nicht. Im Fall von SHARON TATE gab's aber nicht zu meckern, das war ein ziemlich kompromissloses Brett, mit einem Sänger, der den Halbkreis vor der Bühne durch permanentes Hin- und Hergerenne ganz gut ausfüllte. Auch die Stonerrock/Thrash-Einflüsse waren ziemlich signifikant, da der Gitarrist tatsächlich einen relativ einzigartigen Sound hinzauberte, mit allerlei Rumgetrete auf seinem WahWah-Pedal. Mir fallen da jetzt kaum Vergleiche zu ein, was ganz gut für die Originalität der Band spricht. WICCANS vielleicht, aber sonst... Bei SHARON TATE schlug der Pannenteufel dann am Schlagzeug zu, weil in jedem zweiten Song ein Beckenständer vom Podest fiel und dabei meistens noch effektiv und schlagkräftig ein Rollup-Banner der Band umkugelte. Sachen gibt's...

Von LEE JAY COP (www.facebook.com/LeeJayCop) aus Oldenburg haben wir dann nur noch 2-3 Songs gesehen, weil die sich auch ziemlich viel Zeit beim Aufbauen ließen. Der Eindruck war aber ganz gut: Rock/Alternative, technisch sehr gut gespielt, mit einem starken Sänger. Wir sind dann aber abgereist, da auch sämtliche Biervorräte im Sögeler JuZ mittlerweile ausverkauft waren. Dementsprechend hab ich keine Ahnung welche Pannen sich hier noch ereignet haben, hehe... ;)

Fazit: Insgesamt fand ich's gut in Sögel. Das JuZ ist ziemlich cool und ich war schon beeindruckt von der Ausstattung. Dass sich die Pannen wie ein Runninggag durch den Abend zogen war jetzt irgendwie etwas kurios, aber in dem Sinne konnte da ja niemand was dafür. Manchmal ist halt der Wurm drin, also abhaken... Das Line-Up fand ich auch okay, alle Bands waren auf ihre Art und Weise gut, auch wenn die Musikstile sich teilweise enorm unterschieden. Aber auch das fand ich interessant, so war für jeden was dabei, das soll ja auch der Sinn sein bei solchen Mini-Indoor-Festivals.

Was aber natürlich auffiel (ich redete oben ja schon mal vom "Halbkreis vor der Bühne") war die eher dürftige Besucherzahl. Wenn ich zwischenzeitlich mal so durchzählte, waren während der Sets nicht mehr als 20-30 Leute anwesend. Was natürlich etwas ungünstig ist, bei einem Raum in den ca. 150 Leute reinpassen. Im kleineren 100er-Raum in Meppen verteilt sich das dann doch etwas besser, da fällt es nicht soooo sehr auf, wenn mal weniger los ist. Wobei man natürlich von vornherein davon ausgehen kann, dass so eine Location in Sögel weitaus schwieriger zu füllen ist als in Meppen. Sögel hat nun mal nur ca. 7.000 Einwohner, Meppen stattdessen ca. 35.000. Und selbst wir müssen uns bei jedem Konzert in Meppen von neuem extrem ins Zeug legen, das sind ja leider alles keine Selbstläufer. So hat man dann auch in Sögel eher so die "üblichen Verdächtigen" gesehen, sprich die Leute von HATE EMBRACED etc... Wobei das auch wieder so ein warmer Tag war, das ist ja leider nie gut für Indoor-Konzerte. Ich schätze halb Sögel saß im Sommerdress in irgendwelchen Gärten am Grill...

Etwas verwundert hat mich dann aber doch, dass trotz der schmalen Besucherzahlen schon vor zwölf kein Bier mehr da war. Würde das bei einem von meinen Konzerten in Meppen passieren wären da wahrscheinlich schon um 21 Uhr tumultartige Zustände ausgebrochen, haha... Irgendwie sagt man meinen Konzerten ja nach, dass da immer außerordentlich leistungsfähiges Biertrinkerpublikum am Start ist, ich weiß auch nicht, hehe... So eine Fehlkalkulation wäre da natürlich der SuperGAU! Kann natürlich auch sein, dass unsere Meppen-Fahrgemeinschaft für 50% des Bierkonsums im JuZ Sögel verantwortlich war, die Experten sind sich da noch uneinig... Zudem war das Sögeler Hauptbier Bitburger, eins der schlimmsten Biere der westlichen Hemisphäre! Zumindest hab ich davon jedesmal einen Kopp wie ein Rathaus und meine bessere Hälfte hat sogar eine wirklich besorgniserregende Allergie gegen das Gebräu! Erschreckend! Keine Ahnung was die da in Bitburg machen, ob die vor'm Abfüllen extra noch mal in den Tank pinkeln, man weiß es nicht... Preis pro Bier war mit 2,- Euro auch 50 Cent teurer als im Meppener JuZ...

Schlusswort also: Tolles JuZ da in Sögel, mit engagierten Menschen. Gute Bands und breites musikalisches Repertoire an diesem Festivalabend. Blöd aber schon fast wieder lustig war die kleine Pannenserie. Schade war der etwas mangelnde Zuschauerzuspruch. Ich hoffe die Kids in Sögel merken bald, was die da für eine Perle in der Ortsmitte haben! Insgesamt aber ein positiver Abend, ich denke wenn mal wieder was ist und es sich terminlich gerade anbietet kommen wir gerne wieder rum.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Reviews (local): FELIX OLSCHEWSKI

FELIX OLSCHEWSKI - Blood And Souls 
Digipak-CD | Eigenproduktion: www.felixolschewski.de | 10 Songs - 38:02 Minuten

Man sagt ja immer, dass das Emsland ein Dorf ist und hier sowieso jeder jeden kennt. Von daher finde ich es ganz witzig, was für Dinge hier dann doch immer wieder plötzlich auf meinem Radar auftauchen, von denen ich gar nichts gewusst hatte. Eins dieser "Dinge" ist die CD von Felix Olschewski, von der ich neulich über ein paar Ecken erfahren hatte. Felix selbst kenne ich nicht persönlich, der ist eher ein Bekannter von ein paar Bekannten, die mir steckten, dass es da einen Verrückten auf dem Twist gibt, der neben so exotischen Tätigkeiten wie Kochbücher schreiben und Arbeit an PC-Games auch im Alleingang ein komplettes Metal-Album aufgenommen hat.

Felix Olschewski: Blood And Souls CD - Schöner Digipak mit Beiheft, tolle Aufmachung!
Die Neugier war also geweckt, ich hab mir die CD dann direkt von Felix besorgt. Allein der äußere Eindruck besticht bei dem Album schon mal, denn wo andere Bands ihre CD in ein popeliges Plastik-Tray mit einseitig bedrucktem Beiblatt packen, oder gar in eine schnöde Pappstecktasche, steckt die "Blood And Souls" Scheibe in einem feinen Digipak und punktet außerdem mit einem 8-seitigen Booklet mit allen Lyrics und kurzen Linernotes zur Albumentstehung vom Meister selber. Wie sagt man noch so schön? Das Auge isst mit! Eine Sache die viele mp3-Konsumenten wohl nie verstehen werden... Für mich sind Sachen wie Aufmachung, Artwork, Haptik etc. beinahe gleichrangig mit der Musik. Einen physischen Tonträger sollte man meiner Meinung nach immer als kleines Gesamtkunstwerk betrachten und deswegen nicht an irgendwelchen Enden sparen oder schludern.

Um mal beim äußeren Eindruck zu bleiben: Auch das Artwork ist was Besonderes. Heutzutage ist es ja ein Leichtes in einem halben Photoshop-Stündchen ein paar Totenköpfe aneinanderzukleistern und so ein "evil" Metalcover zu bauen. Hier fällt direkt auf, dass sich da jemand weitaus mehr Mühe gegeben hat, in dem Falle Felix Olschewski's Freundin, die offensichtlich als professionelle Illustratorin tätig ist. Zu dem ganzen Cover-Entstehungsprozess gibt's auch ein ganzes Video, unterlegt mit Songs aus dem Album. Ein gewisser Nerd-Faktor ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, aber ich finde das total interessant!


Am Cover/Artwork lässt sich dann auch schon eine gewisse Marschrichtung für das Wesentliche ablesen: Die Musik! Drachen, Schwerter, düstere Dämonengestalten - auch musikalisch und textlich bewegt sich das Ganze natürlich in diese Richtung. Wenn wir also Genre-Schubladen aufreißen wollen, würde ich sowas wie "dark Fantasy-Metal" wählen. Auch das ist natürlich ein bisschen nerdig, aber mit sowas waren und sind ja z. B. auch Bands wie BLIND GUARDIAN (die Felix in den Linernotes u. a. auch als starken musikalischen Einfluss nennt) erfolgreich (und vom Erfolg von Fantasykram wie "Game Of Thrones" brauchen wir gar nicht zu reden)... Ich sage an dieser Stelle gleich mal dazu, dass Sound und Genre nicht so ganz auf meiner gewohnten Geschmackslinie liegen, von daher werde ich mich hier mit allzu starken Wertungen auch dezent zurückhalten.

Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass das "Blood And Souls" Album einen sehr signifikanten Sound hat. Doom Metal würde ich es noch nicht nennen, aber das Tempo ist eher ein "majestätisches Schreiten" - andauernde Hi-Speed-Attacken sollte man hier nicht erwarten. Und eine wesentliche Charakteristik setzt Felix natürlich mit seiner Stimme, die eher ein tiefes beschwörendes Raunen ist, als tatsächlicher Gesang im eigentlichen Sinne. Das ist vielleicht eine Sache, an der sich manche Geister scheiden werden, ich persönlich finde den Gesamtsound aber durchaus stimmig.

Bedingt dadurch, dass die Scheibe im Alleingang eingespielt wurde, wird manch einem der Klang sicherlich auch etwas trockener/steriler vorkommen als "richtiger" Bandsound. Aber das sind wohl Sachen die Felix sich in jedem Review anhören darf, genauso wie die Einwände, dass ein echter Drummer besser und variabler klingt als ein Drumcomputer und das man mit einer kompletten Bandbesetzung sicherlich noch einige kompositorische Arrangements besser hätte ausfeilen können. Die Produktion ist jedenfalls amtlich, rechnet hier nicht mit rumpeligem Proberaumsound, das hier ist definitiv auf Profi-Niveau!

Genauso könnten "Die-hard-Metaller" übrigens auch monieren, dass sich ein martialischer Bandname wie "Barbaric Dragonslayer" oder "Apocalyptica Destroya" auf so einem Album vielleicht besser gemacht hätte, also der gar nicht so "metallische" Name des Solokünstlers Felix Olschewski, hehe... Aber Felix wird seine Wahl da wohl bewusst getroffen haben, genauso wie er das Album auch bewusst alleine eingespielt hat, einfach weil sich offensichtlich keine kompetenten Mitstreiter für diese Art von Musik fanden, die bereit waren die gleiche Energie und Arbeit beizusteuern. Na ja, wahrscheinlich ist es im Endeffekt auch ein bisschen einfacher anschließende Einwände von Review-Schlaumeiern über sich ergehen zu lassen, als sich bereits in der Entstehungsphase mit nervigen Bandkollegen im Proberaum die Augen auszukratzen, haha... ;)

Hier soll es aber gar nicht darum gehen, auf solch möglichen Schwächen herumzureiten, das überlasse ich lieber anderen. Ich sehe hier vielmehr, dass jemand so etwas wie eine starke künstlerische Vision hatte und sich die unglaubliche Mühe und Arbeit gemacht hat, diese Vision quasi im Alleingang in die Tat umzusetzen. Und davor ziehe ich respektvoll den Hut! Insofern ist die Platte für Felix Olschewski sicherlich ein wichtiges Projekt zur eigenen künstlerischen Verwirklichung. In dem Kontext sind vielleicht auch die Zeilen aus dem Song "The Paradox Of Choice" zu lesen:
No one else to stop you / no one else to judge you / no one else to blame / but yourself
Und so eine Zeile mit so einem Album in der Hinterhand können wohl nur die wenigsten von sich geben! Wie gesagt: Musikalisch ist es zwar nicht ganz meine Baustelle, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache und ich kann mich in der richtigen Stimmung durchaus mit dem Album anfreunden. Wer sich im Emsland für Metal interessiert sollte die Scheibe ruhig mal antesten. Was mich hier hauptsächlich beeindruckt, ist diese unglaubliche DIY-Energie, die in diesem Projekt steckt. Deshalb nochmal: Hut ab vor dieser Leistung!

Donnerstag, 13. Juni 2013

Konzerte: ALDO RAINE, FJØRT, TRACHIMBROD | 12.06.2013 | JuZ "Jam", Meppen

Oh lala, das war eins der besten "unter-der-Woche-Konzerte" der letzten Zeit, so viel sei schon mal vorweg gesagt. Und dabei waren LUTHER und SMOKE OR FIRE und Co. neulich auch schon feinstens. Aber diesmal passte alles perfekt: motivierte Bands, gute Ladenfüllung und vor allen Dingen bewegungsfreudige Menschen in Feierlaune, so wünscht man sich das! Und das obwohl es vorher keine Flyer gab und nicht mal was in der Zeitung stand ... oder ich hab's überlesen ... wer weiß, vielleicht wäre ja noch mehr möglich gewesen... (Bitte hier eigenständig den üblichen "Alle die nicht dabei waren: selbst schuld" Spruch einsetzen...)

Musikalisch lief alles irgendwie unter dem Oberbegriff "Hardcore" ... was natürlich - wie auch "Punk" - ein weites Feld ist. Also Bauarbeiter-Hardcore aus NYC gab's an diesem Mittwoch nicht, genausowenig wie verzeckten Crust-Hardcore ... nee, eher so diesen Neo-, Studenten- oder "Post-Hardcore", mit V-Neck-Shirts und Jutetaschen und Röhrenjeans und Seitenscheitel und Flaumschnurrbart ... um nur mal ganz subjektiv die Äußerlichkeiten zu umreißen (darüber red ich ja immer am liebsten, hehe). Speziell im Frisurenbereich fiel eine Person besonders auf, die definitiv als Hipster-Hitler-Lookalike minus Hornbrille durchging, haha... Ich sag aber nicht wer, das sollte jeder bei einem Blick in den Spiegel an sich selbst feststellen können, hehe... Heiß im Fashion-Rennen scheinen derzeit auch so komische bunte Mützen zu sein, hmmm, finde ich noch etwas zweifelhaft, diesen Trend...

Äh ja, machen wir nun mal einen kleinen Schwenk zu den Bands. ALDO RAINE fingen an, die auch einiges an Anhang motivieren konnten. Mütter, Väter und ehemalige Gitarrenlehrer wurden gesichtet! Ich muss dazu sagen: Ich kenne die Musikanten nicht persönlich, daher war mir die Bandbesetzung bis vor'm Konzert auch etwas schleierhaft. Ich meinte vorab halbwegs entschlüsselt zu haben, dass zwei (Exil-?)Meppener und ein Mainzer (anscheinend ex-ARROYO) an Bord sind ... tja, und dann stand letztendlich noch ein vierter Mann auf der Bühne... da war ich schon wieder verwirrt, aber egal... Den ersten Stein im Brett hatte die Band bei mir jedenfalls schon bevor die einen Ton gespielt hatten, nämlich durch ihr Merch-Angebot. Drei Shirts standen zum Verkauf, alle selbstgemalt, alles Unikate. Vogel abgeschossen, würd' ich sagen! :)

Das Merch-Angebot von ALDO RAINE: Den SLAYER-RipOff da ganz rechts hätte ich gerne gehabt. Leider wurden nur zielgruppenrelevante Luftkotlett-Größen wie S und M angeboten, da passen gutgebaute Typen wie ich leider nicht rein...
Musikalisch war's auch ganz cheffig. Ich hatte mir ALDO RAINE vorab auf Konserve extra nicht angehört, weil ich sonst immer irgendwie geistig vorbelastet ins Konzert gehe. Auch deren Facebook-Adresse "aldorainedoom" war schon ziemlich irreführend, denn mit Doom oder gar Sludge hatte das auch wenig bis gar nichts zu tun. Aber passte schon! Der Sound entsprach so ziemlich dem eingangs umrissenen Neo-Post-whatever-Hardcore (also nicht so ganz meine Baustelle), da wechselten sich also immer mal wieder Brachialattacken mit vertrackteren Emo-Ausbrüchen und zwischendurch so seltsamen - in Ermangelung einer besseren Begrifflichkeit nenne ich es mal "Mädchenparts" (à la: Bassist kniet versunken vor seinem Effektekoffer und macht komische Sphärensounds)... Auf letzteres stehe ich ja nicht so, zu verkopft, aber jedem das Seine... Wenn man Titel wie "Welthass" im Programm hat sollte man auch dementsprechen ballern, finde ich (oder solche Songs vielleicht besser in "Weltschmerz" umbenennen, passt besser zum Sound) - aber das soll jetzt auch nicht als Gemecker durchgehen, ich erwarte da ja nicht TRAGEDY oder FROM ASHES RISE auf der Bühne, hehe... ALDO RAINE hatten auch so eine ganze Menge Parts die ich ganz cool fand, also alles gut. Die Publikumsreaktionen passten auch, die kamen sehr gut an, aber wer in Meppen ein Lied über "Lord Cammy" spielt kann wohl gar nicht verlieren!


In der anstehende Pause fand dann die für mich wichtigste Transaktion des Abends statt, als ich von Blo (dem ehemaligen VOMITORY-Gitarristen) einen kpl. TRIO-Mitschnitt aus Oktober 1981 bekommen hab! Hurra! Remmler, Krawinkel, Behrens: Auf ihrem Zenit eine der besten Bands die Deutschland je hervorgebracht hat (und 1981/82 war der Zenit, bevor Remmler mit seinem "Turalu" Scheiß anfing), was Minimalismus, Humor und allgemeine Genialität anbelangt! Ist ja heute leider nicht mehr jedem bewusst, in Zeiten wo jeder Trendsau hinterhergerannt wird, die durch's Dorf getrieben wird. Die erste TRIO-Platte gehört zu den wahren Klassikern! Ich war also glücklich, der Abend hätte ab dem Zeitpunkt auch scheiße werden können, mir war alles egal, haha... Danke Blo!

Der Abend wurde aber nicht scheiße, eher im Gegenteil. Auf der Bühne folgten FJØRT aus Aachen. Die waren ja schon mal im November 2012 mit HAVARII dagewesen (siehe HIER), und ich muss sagen, dass ich die etwas anders in Erinnerung hatte. Diesmal lief mir das jedenfalls eine ganze Ecke besser rein als damals, in den ersten Songs gingen die sogar beinahe in eine mächtig walzende ALPINIST-Richtung, fein fein. Der Bassist ist übrigens auch so eine auffallende Maschine, was Sound und Stageacting (schön, dass ich diesen bescheuerten Begriff auch mal benutzen kann, haha) angeht: Like a Boss! Nach ALDO RAINE schienen zwar ein paar Leute abgehauen zu sein, aber das Publikum fluktuierte irgendwie und bei FJØRT fingen die Leute langsam richtig an zu feiern. Und das an einem Mittwoch! In Meppen! Ich traute meinen Augen kaum...

Die Aachener haben in verschiedenen Besetzungen auch 'ne ganze Menge andere Combos am Start, u. a. KOSSLOWSKI und NORA YEUX. Ich schätze wenn Jogi (der das Konzert an diesem Abend organisiert hatte) wieder seinen unnachahmlichen Charme hat spielen lassen, sehen wir bestimmt auch irgendwann noch mal eine von den anderen Bands in Meppen...


Als letztes traten dann TRACHIMBROD aus Schweden an. Die waren schon seit Mai mit FJØRT auf Tour und entpuppten sich als Hammer-Liveband. Was die da abzogen war schon prima, auch wenn ich die Mucke jetzt für mich persönlich nicht soooo umwerfend fand. Aber das kennt man ja, hehe... Die Facebook-Seite sagt Screamo, Postrock, Shoegaze und das ist alles nicht so meins... Rein musikalisch und technisch waren die jedenfalls sehr fit und mit einem sehr agilen Sänger gesegnet, den ich stimmlich für die Mucke aber 'n bisschen schwach fand. Na ja, was soll's ... er begab sich jedenfalls desöfteren mal unter die Leute, so dass die Menschen vor der Bühne im Laufe des Auftritts für Meppener Verhältnisse langsam total ausflippten. Geil!

Allerdings waren wir mittlerweile zeitlich auch ziemlich im Verzug. Als der letzte Song zu Ende war, war's schon fast halb 12. Und wer sich in Meppen auskennt, weiß ja, dass Gevatter Ordnungsamt bedauerlicherweise 23 Uhr als Deadline für Livemusik ausgegeben hat. Die entfesselte Meute forderte aber natürlich Zugaben, was also tun?!? Auf die Ansage sie sollten doch schnell was kurzes spielen, laberten die Schweden erstmal 5 Minuten rum, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass das kürzeste was sie spielen könnten ein 3-Minuten-Song wäre. Äh ja, Hardcore, weites Feld, hatten wir ja weiter oben schon. Die besten Hardcore-Songs die ich kenne dauern jedenfalls irgendwo zwischen 0:30 und 1:30 Minuten, haha ... nun ja, TRACHIMBROD wuppten dann noch eben ihr 3-Minuten-Epos raus, keiner rief die Cops, alles gut, absolut runder Abend!

Mehr gibt's auch kaum zu sagen. Ausgelassene Menschen fragten noch mit fadenscheinigen Argumenten munter an der Theke: "Ey, krieg ich zwei Bier umsonst?!?" Und als ich mit meiner TRIO-DVD unter'm Arm nach Hause radelte fing's auch noch leicht zu regnen an, aber selbst das konnte die Stimmung nicht vermiesen! :)

Mittwoch, 22. Mai 2013

Konzerte: THE QUEERS | 19.05.2013 | Privatshow, Oberhausen

Ich hab echt überlegt ob ich im Rahmen von Minus Rockcity Meppen über THE QUEERS schreiben soll. Man kann ja fast davon ausgehen, dass die hier vom jungen Gemüse eh kaum einer kennt, da der musikalische Horizont in Punkrockfragen bei vielen Emsländern heutzutage ja leider allzuoft bei mittelmäßigem Melodycore aufzuhören scheint (Oha, diese Aussage wird womöglich wieder böse Anfeindungen nach sich ziehen, but we don't care, hehe... - Anm. d. Red.)... Andererseits hatten THE QUEERS mit ihrem Sound einen nicht unerheblichen Einfluss auf die nicht eben unerfolgreiche emsländische Endneunziger-Punkrockszene - und im Grunde genommen ist das hier natürlich auch eine Geschichte darüber, wie Musik verbinden kann und sogar Jugendträume in Erfüllung gehen lässt, wenn man nur lange genug am Ball bleibt, Kontakte pflegt und sich das Feuer über die Jahre bewahrt...

Boah, was ein pathetischer Scheiß da am Ende des letzten Absatzes. Also mal eben schnell den Schmalz aufwischen und die Fakten darlegen: THE QUEERS sind eine Band die es schon ewig gibt (gegründet Anfang der 80er), die mit ihren ersten ruppigen HC/Punksongs schon auf einem der semi-legendären "Killed By Death" Sampler (auf #3, um genau zu sein) vertreten war und später mit Alben wie "Don't Back Down" die Blaupause für klassischen Poppunk schufen. Also nicht diesen Schrott den man heutzutage unter dem Label Poppunk verkauft, sondern die zuckersüße Mischung aus bratzenden RAMONES-Gitarren, BEACH BOYS-Harmonien und einem dicken Batzen Bubblegum/Powerpop-Eingängigkeit. Damit lieferten sie auch die direkte Soundvorlage für die aufkommende Spätneunziger-Poppunkwelle, wo in Deutschland neben Solingen relativ bald - man mag es kaum glauben - das Emsland auf der Musiklandkarte relevant wurde. Emsländische Kapellen wie die BACKWOOD CREATURES, FAVORATS oder BATTLEDYKES adaptierten den Sound und drückten ihren eigenen Stempel drauf. Und wurden dabei teilweise so gut, dass auch diverse Platten, Touren und weitere Eskapaden folgten. Aber das hab ich hier ja schon anderswo breitgetreten, Kenner wissen Bescheid...

Schildermania auf dem Weg zur Show: Eindeutige Schilder in Bawinkel! Der Typ bei dem das auf der Hofeinfahrt hängt hat früher übrigens selber fleißig geklaut - mit seiner Band bei den QUEERS! ;)
Ich war damals jedenfalls mittendrin und gehörte ebenfalls zu den kultischen Verehrern der QUEERS, SCREECHING WEASEL oder auch GROOVIE GHOULIES. Das interessante an allen genannten Bands ist übrigens, dass jede Combo so etwas wie ein Mastermind hatte: Bei SCREECHING WEASEL war das Ben Weasel, bei den GROOVIE GHOULIES war das Kepi und bei den QUEERS eben Joe Queer. Jeder für sich ein Original, wobei Joe Queer in etwa so die menschliche Variante der "Grumpy Cat" ist, der wirkt immer etwas knötterig und im Gegensatz zu anderen (z. B. Kepi) kam und kommt man mit dem auch nach Konzerten kaum ins Gespräch. Was aber auch daran liegen mag, dass der Mann ziemlicher Profi ist und es ihm in erste Linie darum geht eine funktionierende Show zu spielen. An Aftershowparty hat der alleine schon kein Interesse weil er trockener Alki ist, da wussten die BACKWOOD CREATURES schon Geschichten von zu erzählen, nachdem sie im Kölner Underground vor Jahren den ersten Supportgig für die QUEERS gespielt hatten. Da hat Joe Q. seiner Backingband nach dem Auftritt offiziell Ausgang erteilt, damit die mit den Emsländern saufen durften, hehe... Trotzdem kann nicht jeder singen "I knew GG when he was a wimp!" Joe Queer kann das!

Nach einem ziemlich heftigen Aufflammen ging es mit Poppunk in der weltweiten Beliebtheit Anfang der 2000er jedenfalls ziemlich bergab. Irgendwo auch verständlich, da der Sound nun mal von Natur aus ziemlich simpel und Dreiakkord-basiert ist und wirklich zu viele Bands die Szene überschwemmten, die einfach nur Mittelmaß boten. Aber seine Lieblinge bewahrt man sich natürlich und so pilgerten wir eigentlich jedes Jahr zu den Konzerten, wenn THE QUEERS oder andere Konsorten mal wieder im Lande waren. Insbesondere bei den QUEERS war das aber nun schon eine ganze Weile her, ich komme da irgendwie auf 7 Jahre Abstinenz vom europäischen Kontinent. Im letzten Jahr wurde eine Europatour kurzfristig gecancelt, die Enttäuschung war groß. In diesem Jahr standen dann aber ein paar Daten an, allerdings nicht mal eine Handvoll Deutschlandgigs und dann auch noch als Festivalslot beim "Ruhrpott Rodeo" ... ich muss mal sagen: Festivals mögen ganz brauchbar sein wenn man auf Saufen, anonymen Zeltsex und anderen unwichtigen Kram steht. Wenn man aber ernsthaft Bock auf Musik hat sind Festivals in 90% der Fälle scheiße: Zu kurze Sets, zu große Bühnen, Auftritt bei Tageslicht, um einen rum hunderte Vollhonks die keine Ahnung von Musik haben - ehrlich, ich hasse Festivals! Die meisten jedenfalls!

Schildermania part II: Auch auf Nimrodland gibt's klare Ansagen!
Die Vorzeichen sahen also gar nicht so rosig aus. Aber wenn ich geschrieben hab: "... seine Lieblinge bewahrt man sich natürlich", dann gilt das natürlich nicht nur für Emsländer. Insbesondere in Oberhausen gibt es eine Kolonie beinharter Poppunk-Fanatiker, die dem Sound über Jahre die Stange gehalten haben, bzw. das Ganze auch selbst mit Bands wie den NIMRODS, THE BREWERS oder THE RICHIES fabrizier(t)en. Mit einigen von den Leuten hab ich aufgrund ähnlich gelagerter Musikverstrahlung seit Jahren mehr oder weniger viel zu tun. Unter anderem kannte ich auch die Geschichten vom sagenumwobenen "Nimrodland", einem mysteriösen Grundstück im Stile von "Graceland", wo aber nicht (nur) Elvis gehuldigt wird, sondern vor allen Dingen auch dem Punkrock! Hier hatte Kepi von den GROOVIE GHOULIES schon Privatshows gespielt und so ein paar mal im Jahr wird hier generell immer gerne mal ein Fass aufgemacht und nackte Punker fliegen besoffen von Rodeo-Bullen und allsowas... Ich selbst war aber noch nie dort, ehrenwerte geschlossene Gesellschaft, tja...

Nun denn, das "Ruhrpott Rodeo" hatten meine Dame (ebenfalls QUEERS-addicted) und ich schon gecancelt, als plötzlich Donnerstags mein Handy rappelte. Oberhausen am Apparat: "Ey, die QUEERS spielen auf dem Ruhrpottrodeo und haben gefragt ob wir für die noch eine Show im Ruhrpott klar machen können. Läuft wahrscheinlich auf eine Privatshow auf Nimrodland am Sonntag raus. Kommt rum!"

Okay, nachdem ich jetzt absätzeweise geschrieben hab, warum THE QUEERS so toll sind, kann man sich vielleicht vorstellen, dass mir in dem Moment vor Freude fast ein Ei aus der Hose gefallen ist! THE QUEERS auf einer Privatshow, eingepfercht mit 40-50 Bekloppten, die ähnlich geisteskrank steil auf die Band gehen wie ich! Hammer! So eine Chance gibt's nie wieder! Die Showbestätigung kam kurz danach und wir hatten dann recht schnell eine Emslandkarre voll, u. a. mit der halben Besetzung der ehemaligen FAVORATS. Eigentlich war auch noch eine zweite Reisegruppe geplant, die der einzigartigen Chance aber dann wohl lieber freundlich zuwinkte, als sie langsam vorüberzog... Bedauerlich!

Wir wären dann auch noch fast zu spät gekommen, weil man ja jetzt im Alter für Nachwuchs ist (ich bin da zum Glück noch nicht mit gesegnet) und es diverse Probleme gab so einige Nachkömmlinge ruhig zu stellen und ins Bett zu verfrachten. Ich saß also wie auf heißen Kohlen als es dauerte und dauerte, aber glücklicherweise konnte der Rockahulababykiller früher nicht nur gut bei den FAVORATS Bass spielen sondern heute auch noch ziemlich auf die Tube drücken, wenn's nötig ist. Wir schlugen also pünktlich im Nimrodland auf (wo übrigens Schützenfest zu sein schien), wurden von den Einheimischen freundlichst begrüßt, bekamen noch den Pool ("Ihr könnt gerne reinspringen, der hat momentan aber nur 12°C...") und die Tiki-Bar gezeigt, als auch schon Krach aus der Garage kam und THE QUEERS leibhaftig loslegten.


Tja, was soll ich sagen... Da steh ich da, Joe Queer - Held meiner Jugend - direkt vor mir, in Spuckdistanz in einer Oberhausener Garage, flankiert von allerlei Gartengeräten und haut einen Hit nach dem anderen raus! Aussehen tat der immer noch wie vor 15 Jahren, als ich ihn das erste Mal mit THE QUEERS live gesehen hab. Unglaublich! Mittlerweile müsste der so Mitte 50 sein, ich glaube zwischen den Touren lässt der sich einfach in Karbonit einfrieren, oder so. Auch andere gestandene Männer Mitte 30 standen in dieser Garage und freuten sich wie Zwölfjährige. Da sage noch einer Punkrock würde nicht jung halten... Aber es waren auch jüngere Leute da, gelegentlich wurde nämlich auch irritierter Nachwuchs vor die Bühne geschubst, der nicht älter als 10 Lenze war. Generationenübergreifendes Durcheinander! THE QUEERS brannten derweil ein Hitfeuerwerk ohne Ende ab. Vor jedem Song nuschelte Herr Queer meist sowas wie "Well, what song we wanna play? Oh, we haven't played that one for yeeeeeaaaaars ... or wait, we never play that one live ... well, let's try it!" ins Mikro und dann wurde einfach wieder einer rausgewuppt. Total roh und punkig, aber teilweise echt die Kracher die man seit Jahren nicht mehr von der Band auf der Bühne gehört hat. Nach meinem Empfinden die komplette "Grow Up" LP, dazu dann noch ein paar der Oberschnulzen vom "Don't back down" Album ("Tonite we play our gay set, just for you!") und jede Menge anderer Kracher.


Bei THE QUEERS ist es natürlich so, dass Joe Queer quasi THE QUEERS ist. Er wechselt immer nur seine Mitmusikanten. In dem Fall war Dangerous Dave (THE BUGS bzw. früher bei JON COUGAR CONCENTRATION CAMP) am Bass und ein mir unbekannter Schlagzeuger, der auch noch relativ jung war und mit dem die Band diese Klassiker definitiv nicht geprobt hatte. Er machte also diverse Male große Augen und dicke Backen und das ein oder andere Fragezeichen stand im Raum, aber da wurden dann einfach kurze Befehle wie "Just drum it like that other song, only faster..." gegeben, oder generell Ansagen wie "Too fast" oder "Too slow" und dann hat der Junge sich da einfach einen zurechtgetrommelt. Höchstamüsant! Ohnehin gehörten Bühnen-Nettigkeiten wie "faggot", "stupid cunt" etc. natürlich zum guten Ton und Joe Q. betonte auch noch mal was er vom nachmittäglichen Auftritt beim Ruhrpott Rodeo hielt, nämlich nicht viel, hehe... "The kids just don't get it when we're playin' and there is nothing gayer than German Psychobilly hairdos..."


Irgendwie hielt die Band auch gar nicht an. In der Zugabe schien Joe nach jedem Song direkt ein neues Lied einzufallen was man ja noch spielen könnte. Und das wurde dann auch direkt angespielt und durchgeprügelt, inklusive der schon erwähnten Minimalanweisungen an den Drummer. Ich glaube insgesamt haben THE QUEERS über anderthalb Stunden gespielt (wo bei einer durchschnittlichen Songlänge von knapp unter 2 Minuten eine ganze Menge Lieder zusammenkamen) und tatsächlich erst aufgehört, als Joe Queer kein Lied mehr einfiel. Grandios! Okay, "This place sucks" haben sie nicht gespielt, aber auch nur, weil der Song zwar geil ist, dem Anlass entsprechend aber nicht würdig für Nimrodland gewesen wäre. Denn die QUEERS fühlten sich hier sichtlich wohl. Die gesamte Garage war voller geplätteter Leute und einigen hätte man das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht schlagen können, mir inklusive. Und nachher laufen die Helden deiner Jugend da noch rum, du kannst mit denen quatschen etc... Das sind wirklich die Abende die das Leben lebenswert machen, ganz ehrlich!


Ansonsten gibt's auch gar nicht mehr viel zu erzählen. Hammerkonzert, Hammerabend, Punkt, Aus! Manchmal ist es so einfach. Wie's aussieht hab ich an dem Abend aber noch eine Band für meine verspätete Hochzeitsfeier klar gemacht und das ist geil, auch wenn's nicht THE QUEERS sind... Eine mehr oder weniger ernstzunehmende FAVORATS-Reunion wurde auch noch angeschnitten, mal gucken was man da erwarten darf (ich schätze Mord- und Totschlag im Proberaum, wenn sich tatsächlich mal wieder alle treffen sollten)... Und unsere Planungen auf dem Rückweg ins Emsland noch eben beim schon erwähnten Schützenfest König zu schießen klappten irgendwie auch nicht. Nicht mal 'ne Currywurst haben wir bekommen, Schweinerei! Aber egal, fuck the world, THE QUEERS waren da und haben alles weggerockt. Nimrodland, we'll be back!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Konzerte: PERDITION, THE AFFECTED, TMH | 11.05.2013 | JuZ "Jam", Meppen

Letzten Samstag Bartalarm mit den Texanern von PERDITION im Jugendzentrum! Sehr geile Sache, aber ich will nicht vorgreifen, da in den Tagen davor auch noch andere Sachen anlagen. Am 03.05. spielten z. B. KNALLFROSCH ELEKTRO im JuZ ... dooferweise hatte ich da eigentlich keine Zeit, befand mich gegen 22 Uhr aber doch in der JuZ-Nachbarschaft um kurz für 2-3 Songs und 'n Bier reinzugucken. Was soll ich sagen: Sackstarke Band! Volle Rock-Besetzung plus ein Sample-/Elektrosoundmensch und zwei Sänger, Shouter, MCs oder wieauchimmer man das heutzutage auf neudeutsch nennt... Ein Video hab ich noch gemacht, das sehr ihr hier:


Leider war die Zuschauerresonanz mehr als bescheiden. Die Band hätte definitiv eine größere Menge Leute verdient gehabt. Die Nasen die da waren haben aber das Beste draus gemacht und hart gefeiert. Keine Ahnung woran's lag - okay, die Werbung war nach meinem Empfinden vorher z. B. relativ dürftig. Soweit ich weiß gab's weder Flyer noch Plakate und alles sollte über Facebook/Web laufen. Ist in diesem Fall dann wohl offensichtlich stark nach hinten losgegangen, schade...

Am Donnerstag, den 09.05., flitzte dann noch eine kleine Reisegruppe zu LOVE A nach Osna in die "Kleine Freiheit". Na ja, eigentlich spielten da auch noch HERRENMAGAZIN, von denen ich aber nur ein oder zwei Songs gesehen hab, um den Rest draußen zu verlabern ... haha, kommt vor - hatte auch keinen Eintritt bezahlt, von daher... LOVE A finde ich natürlich nach wie vor super, deren Sänger JörKK war auch Grund des Festlaberns draußen, da hat er Lollis verschenkt und Mammuthaar- oder Büffelgraswodka oder sowas ausgegeben, ich weiß es nicht mehr.

Interessant war auch, dass der Sänger von KOETER als Merchmann mit war und wir noch die Anekdote des schrecklichsten Konzerts ausgraben konnten, das er je mit seiner vorherigen Band gegeben hat. NEIN NEIN NEIN waren das und das Konzert war mit VOM SEGELN und einer ganz schlimmen Deutschpunkschülercombo im JuZ in Papenburg. Ich war als Zuschauer da, er stand auf der Bühne - Kurzfassung: Der VOM SEGELN Sänger packte während seines Auftritts seinen Pillermann aus und rieb den an den Köpfen der vorne auf dem Bühnenrand sitzenden Oettinger-Ranzpunks. Vorausgegangen waren natürlich diverse Provokationen und blöde Sprüche, aber die Aktion trug natürlich nicht unbedingt zur Deeskalation bei, hehe... Die Stimmung war also dementsprechend geladen, was dann in diversen Facepalm-Situationen und Beinahe-Kloppereien auf der Bühne bei NEIN NEIN NEIN endete. Haha, goldene Zeiten! Ich hatte da damals auch einen Konzertbericht zu geschrieben, befürchte aber, dass der im Zuge meines PC-Supergaus in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist. Na ja, sei's drum... Wenn ich den noch mal finde wird der nachgereicht...

Am nächsten Tag gab's für wenige Eingeweihte in den eigenen vier Wänden dann noch den lange geplanten "Hintenhoch-Abend" - neben medizinisch hochwertigem Kräuterschnapps gab's da u. a. diverse DVD-Ausflügen in die Musikhistorie. Immer wieder gerne genommen bei solchen Anlässen: RAMONES live 1978 bei Radio Bremen, die OiRO-Kneipentour (ein unterhaltsames Musterbeispiel langsamer Eskalation) und "Hated" von und mit GG Allin (wollte ich eigentlich als Rausschmeißer benutzen, irgendwie sind die meisten aber doch sitzen geblieben, nur einer hat versucht über den Balkon zu türmen). Irgendwas haben wir noch geguckt, keine Ahnung was, ab ca. 0 Uhr setzt alles ein wenig aus. THE CRAMPS live im Irrenhaus fehlte eigentlich noch, aber nu ... nächstes Mal! Tja, schee war's, am nächsten Tag war ich wie von Zauberhand von allen vorherigen körperlichen Leiden und Mälessen befreit und fit wie 'n Turnschuh. Nur nachts noch in den Palast zu fahren hätte ich mir sparen können. Erstens weiß ich da kaum noch was von, zweitens soll mein erster Satz gewesen sein: "Woll'n wir wieder abhauen?"


Samstag abend dann endlich: Beardcore-Time mit PERDITION! Das Flyermotiv dazu hatte ich gezaubert, was die Band auch ganz knorke fand, ist ja immer schön sowas zu hören. Nur gab's auch in diesem Fall wieder keine gedruckten Flyer und nur eine Handvoll selbstgedruckter A3-Plakate. Bedauerlich! Und auch hier waren weniger Leute als man wohl hätte erreichen können, wenn die Werbung auf allen Kanälen gestimmt hätte. Aber na ja, das JuZ war ganz passabel gefüllt, an diesem Abend also nicht soooo schlimm. Freundliche Leute übrigens, auch 'ne ganze Handvoll Auswärtiger, die mich immer ganz freundlich auf dem Herrenklo grüßten, keine Ahnung wie ich das zu deuten hab...

Erste Band waren die Blutackerboys von TMH, die irgendwie voll unter Strom standen, oder dem Einfluss von Sahnegas. Auf jeden Fall hüpften die wild auf der Bühne rum, verloren andauernd ihre Gitarrengurte und fabrizierten sogar einen Kabelbruch. Wunderschön anzusehen, hier der Beweis:


Danach dann THE AFFECTED aus Ibbenbüren, die ja auch ein kleines Meppen-Abo haben. Waren glaube ich zum dritten Mal da, das erste Mal war vor ziemlich genau einem Jahr, als ich die geholt hatte. Damals geschahen noch diverse Russisch-Koks-Exzesse im Rockpalast, woraufhin diesmal großspurig angekündigt wurde, dass die ganze Blase bei mir pennen soll um nach dem Konzert noch ordentlich zaubern zu können. Tja, letztendlich sagten dann aber alle: "Mimimi, wir wollen doch lieber nach Hause, mimi..." Nun denn, die ganze Bude zuhause klebte sowieso noch vom verschütteten Hintenhoch vom Vorabend, passte also ganz gut, sonst hätte ich die Schmarotzer da am Sonntag eh nicht vom Boden kratzen können, hehe...

Da THE AFFECTED in Meppen alte Bekannte sind, kam der schmissige Ibbtown-Punkrock wie immer gut an. Zu erwähnen wäre, dass alle drei Bandmitglieder schon den ganzen Abend auf Krawall gebürstet waren und sich ständig gegenseitig kabbelten, was letztendlich auf der Bühne darin endete, dass Bassist Dennis dem Drummer Phil während des Auftritts "aus Versehen" in den Mund spuckte. Ach herrlich, das sind doch die herzerwärmenden Dinge, die ich auf einer Bühne sehen will. Hier im Video eingefangen, ca. bei Minute 1:55!


Den krönenden Abschluss des Abends bereiteten dann schließlich PERDITION aus Fort Worth/Texas am letzten Tag ihrer Europatournee! Was soll ich sagen: Die Bandfotos waren nicht gephotoshopped, die hatten wirklich so lange Bärte! Speziell was der Frontmann und der Drummer da im Gesicht trugen war schon aller Ehren wert! Entgegen aller Vermutungen waren sie aber weder Amisch noch Taliban, ich glaube die finden das einfach nur so cool. Ich hatte für den Abend extra drei Wochen Gesichtsbehaarung stehen lassen, aber nee, da konnte ich nicht mithalten! Und der zweite Gitarrist hatte auch noch wunderschöne Korkenzieherlocken, herrlich, man konnte glatt neidisch werden. Rein optisch also: Texas - Meppen 1:0!

Ansonsten glänzten PERDITION auch mit Songtiteln wie "I don't get drunk, I get awesome" und dem witzigen Video zu "Gatorade Punch". Musikalisch limitierten die sich aber glücklicherweise nicht auf eindimensionalen Funpunk - das war eine wirklich starke Mischung aus knackigem Punkrock, durchaus poppig und eingängig, aber auch gern mit folkigen Elementen wie bekannt von HOT WATER MUSIC und allen entsprechenden Epigonen. Dazu dann noch wirklich guter kraftvoller Gesang und - ich wage es mal zu behaupten - einer kleinen Vorliebe für 80ies-Metal/Hardrock, die immer mal wieder in ein paar harmonisierten Gitarrenlinien anklang. Wirklich prima! Und wenn eine Amiband auf die Bühne kommt - man muss es ja fast sagen - hebt sich das Level der Professionalität immer noch mal ein Stück. Auf den Punkt aufeinander eingespielt hauten die Texaner da also eine Show raus die sich gewaschen hatte! Bestens!


Da anschließend noch etwas Luft war, fläzten wir noch ein bisschen im JuZ rum und wurden Zeuge einer ungeahnten Solo-Einlage eines TMH-Mitglieds - muss man gesehen haben, es brachen beinahe alle Dämme, haha! Da konnte ich auch mit einem Nasenflötensolo nicht gegen anstinken... Dann aber schnell rüber in den Palast, wobei mir einfällt, dass ich noch gar nicht auf die Bierpreiserhöhung in dem Schuppen eingegangen bin. Erübrigte sich an diesem Abend aber ohnehin, weil ich direkt mit brennendem Schnapps ins Rennen ging, oh man... Da kann ja nix vernünftiges bei rauskommen...

Nach kurzer Zeit trafen auch die Texaner ein, die eigentlich nachts noch zum Flughafen wollten, aber offensichtlich Bock auf Druckbetankung hatten. Nebenbei bemerkt alles sehr nette Typen, von denen jeder auf die Frage, wer denn die arme Sau wäre, die nachts noch den Fahrer zum Flughafen machen müsste, antwortete: "I dunno, I'm not the driver! Cheers!" Sprach's und nippte an einem hochprozentigen Getränk seiner Wahl... Like a boss! Und wie immer wenn Amis in der Stadt sind und Meppener die ersten 10-12 Bier aufhaben, kam es natürlich noch zu den üblichen amüsanten Szenen: Englischrodeo galore, Absinthwetten, Bartabkaufanfragen und und und...

In der Stadt waren nachher übrigens auch viele verschiedene Mitglieder diverser lokaler Bands unterwegs, die auch auf dem "Rock unter Linden" spielen werden. Da ich mal wieder investigativ unterwegs war, wurde mir gesteckt, dass eine Band auf dem Festival eine Aktion plant, für die (O-Ton) "alle Bands und alle Besucher uns hassen werden!" Na da bin ich ja mal gespannt ...  aber jetzt kommt's: Wie ich bei genauerer Prüfung meines Terminkalenders feststellen musste, werde ich wahrscheinlich gar nicht beim RuL auflaufen können!!! Oder erst so spät, wenn gar keine Band mehr spielt!!! So ein Scheiß! Dementsprechend angepisst pegelte ich mich dann im Palast unsinnigerweise noch mehr zu als ohnehin schon. Keine Ahnung was noch war, nur dass ich zu Fuss nach Hause getrieselt bin und es auch noch geregnet hat... Kacke, aber im Moment klebt mir das Pech auch in fast allen Lebensbereichen an den Hacken, wie verhext isses...

Na ja, bis demnächst in diesem Theater. Bitte RuL-Skandale für mich mitschneiden, bin dann anderweitig verhindert... :(